KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 85 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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ration einen Mitgliederbestand an Aktiven aufweist, der eher dem eines geselligen Vereins gleicht als dem einer eng geschlossenen studentischen Verbindung. > So groß ist die Zahl der Aktiven, daß es vorkommt, daß Leute,- die in dem gleichen Semester aktiv waren, kaum ein paar Worte miteinander gesprochen haben: Nicht weil sie verfeindetgewesen wären,, sondern weil sie — Burschen und Füchse — beim Zusammensein bei offiziellen Gelegenheiten so-' weit auseinandersaßen, daß sie sich mit dem besten Willen nicht sprechen konnten, und weil die Kreise, mit denen sie befreundet waren (und bei großen Verbindungen bilden sich Sonderkreise befreundeter Bundesbrüder; es herrscht nicht die allgemeine, alle umfassende Freundschaft, die erst das wirkliche Wesen einer studentischen Korporation ausmacht oder vielmehr ausmachen soll!) außerhalb der Verbindungsveranstaltungen kaum viel Berührung mitsammen hatten. / Das ist kein Fall, den ich hier mühselig konstruiere, sondern ich erzähle aus den Erfahrungen, meiner Münchener Aktivitätszeit, in der es mir so, wieich es eben geschildert habe, gegangen ist. Die Licaria muß einen noch stärkeren Zuwachs abwehren, damit die Bundesbrüder, nicht noch mehr als es jetzt schon oft der Fall ist, nebeneinander herleben, statt miteinander eine enge Gemeinschaft zu bilden. Wie groß die Zahl der Leute ist, die in München bei größter Anstrengung an der Universität gewonnen, werden könnte, vermag ich nicht zu sagen; aber ich glaube, sie läßt sich auf emen Durchschnitt von zehn Mann im Semester annehmen. Will man noch einen Beweis haben, wie gut es der Licaria mit ihrem Keilmaterial geht, so denke man an die geringen Erfolge der Keile an der Technischen Hochschule — 0,5 statt der oben errechneten möglichen 2,2 Mann — und an die Tatsache, daß bei den Studenten der Tierärztlichen. Hochschule überhaupt nicht geworben worden ift1). So darf ich die Behauptung wagen, daß bei intensivstem Keilbetrieb an der Technischen Hochschule München ein durchschnittlicher Semestralerfolg von 3 bis 3,5 unmittelbar eintretenden reichsdeutschen jüdischen Studenten möglich ist; dieser Durchschnitt garantiert eine Korporationsstärke, die steht zwischen dem durchschnittlichen Bestand oer Rheno-Silesia (bzw. Friburgia- Ghibellinia) und dem der Sprevia. q) Der in Mo füp Charlottenburg und Darmstadt durchgeführte Vergleich würde sich für München und Darmstadt so ergeben, daß von den reichsdeutschen jüdischen Studenten der Technischen Hochschule als errechenbare Ketlerfolge in Betracht kommen. 1,8 und 2,7 Mann. Natürlich gelten für München und. Darmstadt die gleichen Erwägungen, die in 6 für Charlottenburg und Darmstadt angestellt sind. Doch darf nicht vergessen werden, daß die Lust, aktiv zu werden, in Charlottenburg weitaus geringer ist als in München. Das rechtfertigt es, den Satz in München Aewaltig höher zu schrauben. ‘ . Wurden aber an den technischen Hochschulen Charlottenburg und München gut florierende Verbindungen bestehen, Hann würden ohne Zweifel manche dieser dort aktiven Kartellbrüder nach Darmstadt und Karlsruhe abwandern und es diesen Verbindungen leichter machen, zu bestehen. IV. Ehe ich dazu übergehe, den Schluß aus allen vorhergehenden Betrachtungen zu ziehen, will ich noch ein paar andere Fragen streifen, die augenblicklich im K. C. akut sind. 1. Die Frage nach der Lebenskräftigkeit der Badenia. Der KriegS-K. C.-Taa Berlin hat den A. H. V. Stammtisch Badenia-Karlsruhe mit beratender Stimme in den K. C. ausgenommen. Die beschließende Stimme soll ihm werden, sobald sich der Stammtisch bei seinem Wiederauftritt an der Technischen Hochschule in Karlsruhe als lebenskräftig erwiesen hat. Welche Aussichten hat der Stammtisch Badenia in Karlsruhe? ' Es ist von Interesse, zunächst einen Ueberblick über die Zahl der Studenten an den für uns in Betracht kommenden Hochschulen in Charlottenburg, München, Karlsruhe und Darmstadt zu gebend. Es wechselt dabei — nur, um die Tabelle nicht zu groß werden zu lassen — die Besucherzahl eines Semesters immer ab mit dem Durchschnitt der folgenden vier. Aus einem solchen Abriß ist die Frcquenzkurve in ihrem Verlauf charakteristischer erkenntlich als in einer Zusammenstellung, die nur mit Durchschnittszahlen arbeitet.!) Ich möchte an dieser Stelle die Frage nach den Tierärzten im K. C. streifen. Für uns kommen in Betracht die Tierärztliche Hochschule in Berlin und die in München, die aber seit Wintersemester 1914/15 mit der Universität München vereinigt ist. Die Tierärzte verteilen sich folgendermaßen: Licaria AMvitätsseMester Anzahl Sprevia Aktivitätssemester Anzahl Bemerkungen 00—02 l 96- 99 97- 99 98- 00 99- 01 02-04 07-09 In München ist an der Tierärztlichen Hochschule scheinbar niemals ein Keklversuch gemacht worden; der eine Tierarzt, den dieLicaria bat. ist wohl nur durch Zufall zu ihr verschlagen worden. Seit 1909 ist auch in der Sprevia kein Tierarzt mehr aktiv geworden; in 38 Semestern hat sie neun Tierärzte gewonnen, das ist jedes vierte Semester einen oder genauer, pro Semester 0L4. Die durchschnittliche Frequenz der Tierärztlichen Hochschule Berlin ist pro Semester 428 Studenten (errechnet aus dem Durchschnitt der Semester von 1896—1913; der Durchschnitt von 1907—1913 ergibt nur noch 363 Studenten). » Nach uim ist die durchschnittliche Besucherzahl der Universität Berlin 6725 Studenten, von denen im Semesterdurchschnitt 3-1 Svreven werden. Aus dem Vergleich der Frequenz der Universität und Tierärzüichen Hochschule ergibt sich an der tierärztlichen Hochschule — bei Gleichsttzungder Verhältnisse — ein errechenbarer Keilcrsolg von 0,2 reichsdeutschen jüdischen Studenten. Der tatsächlikve Erfolg der Sprevia ist etwas größer, zumal wenn man beachtet) daß er errungen ist in. dem Zeirraumbis 1909, während die Durchschnittsberechnung sich ausdehnt bis 1913. Die Erfolge der Sprevia sind, an der Tierärztlichen Hochschule also größer als an der'Universität. , Hie durchschnittliche Frequenz der Tierärztlichen Hochschule München.von 1896—1913 ist 311 Studenten (von 1907—13 aber 357 Studenten). Führt man auch hier den Vergleich mit der Universität mit ihren 5415 Studenten und 6 Lkcaren durch, so errechnst sich eine Ketlmöglichkeit von 0.34 reichsdeutschen jüdischen Studenten. In 36 Semestern mutzte die Licaria also 12 Tierärzte haben. Wo sind die? *) .Statistik der randeSuniversitäten* und »Statistisches Fahrbuch für das Deutsche Reich-.