KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 MnT ^T'v -'p ■ \ * « \ Kolonisten in Abhängigkeit vom internationalen Weinmarkt. Als die Weinprcise zu sinke»» begannen, war die Verwaltunggezwungen, den Winzern, die inzwischen 'leben mutzten, die Trauben zu feste»» Preisen abz»niel)»i»en. 'was ungeheure Smnrnen verschlang. Außerdem waren prächkige Kellereien erba»»t »vorden, Gartenanlagen. Parks, wie sie in die Besitzungen eines großen Hnrn, nicht aber in Ackerbaukolonien gehören. Den Kolonisten mußte»» schließlich regelmäßige Unter stntzungen ausgezahlt »vcrden. was natürlich »»ichl zur Erhöhung ihrer Selbständigkeit und wirtschaftlichen Jiiitiaiive-denrug. Das'waren »v»>.der Chalukka-Nehmer. nur von eineu» neuen Typus Sie fühlten sich nach und nach als die Kostgänger des Baron Rothschild. Wie sollten sie zu einen» freien Baue» »»stamm heranwachsen und den Grundstock zu hinein Volke bilden, das fest auf semem Boden steht und ihn rnit seinem Blute zu verteidigen bereit ist? Diese Sachlage ermutigte die Verwaltung, ein unglaubliches Bevonnundungs'yftein einzuführen „und häufig durch-falsche Berichte den Baron Rothschild über den wahren Stand der Kolüitien zu täuschen" (Nawartzki). . Besonders arg trieb es der Bevollmächtigte des Barons. Elie Scheid, über der», auch nach seinem Tode, in der nichthebräischen Presse .nicht ein' einziges Wort der Wahrheit gesagt wurde. Lslienblum. der als Sekretär der Chorveive Zion »nie kein Zweiter über die Dinge unterrichtet war, schreibt über ihn: „er habe die Kolonisation von ihrer Begründung an systematisch zugrunde gerichtet: er verdiene, daß man ihm ein Schandinal errichte, welches seine Missetaten den kommenden Geschlechtern erzählt; er behandelte die Kolonisten wie ein wahrer Kerkermeister seine Gefangenen; seine ganze Arbeit diente nur selbstsüchtigen Zwecken, seiner Habgier und seinem Hcrrschgelüste; er habe mir Vorbedacht, zuweil.en auch unwillkürlich, Verderbnis gestiftet; und es gab kein Mittel, den Baron über das Treiben seines Bevollmächtigten aufzuklären." Als Baron Rothschild >899 einer Deputation aus Palästina gegenüber die Aeußerung tat, die ganze Kolonisation sei ausschließlich sein Werk, er allein habe sie geschaffen, war er vollkommen in» Recht; aber zürn Segen ist dies der Schöpfung, nicht gereicht. Die Chorveive Zion befanden sich diesein^allinächtigen Beschützer gegenüber in einer Zwangslage. Lie schwiegen, und hofften auf bessere Tage. Diese Gesellschaft sieh sich d»»rch alle Uebelftände nicht abschrecken, fuhr fort, eine Menge Wanderprediger auszusenden, die das Volk für die Kolonisatronsidee gewinnen und Begeisterung wecken -sollten. Mit ihren geringen Mitteln bestritt sie die Uebersahrt der Auswanderer, übernahm voriviegend die Kosten der Schulen und anderer öffentlichen Einrichtungen^ Das wirtschaftliche Werk besorgte, bis auf einen kaum nennenswerten Teil, die Rotschildsche Verwaltung nach Gutdünke»». Aber im Jahre 1897 fühlte der Baron Rothschild, nachdem er ungeheure Summen in sein Werk versenkt hatte (»nan schätzt sie auf 50—80 Millionen Franks), daß feine Kräfte erlahmten. Blit der JCA.. die bereits früher selbständige Versuche in Palästina gemacht hatte, wurden Verhandlungen »vegen Uebernahme der Kolonien angeknüpft. Die Londoner Blitglieder des Verrvaltungsrates vr. Lousada und Claude G Montefrore kämpften dagegen, schließlich siegte die bessere Einsicht. Jnz»vischen war der Kolo»»isation Palästinas ein gefährlicher Feind entstanden — — — in dem Herzlichen Zionismus. Das große Erlebnis, welches Herzl und seinesgleichen zrrrück zum Indent»»»»» und ii» den Judenstaar führte, war der Dreyfus-Prozeß Wenn ein Jude nicht eimnal in Frankreich Kapstän im Generalstab sein konnte, ohne ungeschoren zu bleibe»», »vas war dann noch , die ganze Gleichberechtigung und der ganze Fortschritt wert? War es nicht besser, einen eigene»» Staat zu haben, in dem »nan gemütlich Kapitän des Generalstabs oder sogar Präsident'der Republik werden konnte? In seiner l8'.'0 erschienenen Broschüre „Ter Judenstaat" findet sich sachlich nicht eine einzige neue Idee! Judenstaat, jüdischer Nationglkongreß. Kapitalistenkonsortiinn, Beteiliguitg aller Juden der Welt durch reichliche Gaben finden sich schon bei Piusker/.dieser bebt auch schon leise die Notlvendigkei» einer diplomatischen . Aktion hervor, welche das Asyl „politisch sicher»»" sollte. ' Die Forderring einer „aesist ernn Heimsiätre". die den Inhalt des Baseler Prograrnnis .a»tsrnacht, hatte bereits Netter iin Jahre l8M herom gehoben. Gleich wie Pinsker läßt auch Herzl die Frage esse»», ob der Jnden- »raar in Palästina oder anderwärts errichtet werden sollte. Neu ist bei ihnr nur folgendes: Während alle Früheren die 'Arbeit auf eine Reihe von Generationen verreist ivisscn rvollken, dachte sich Herzl die Errichtnng des Judersstaares als Vas Werk einer knrzen Spam»e Zeit. Er sagte auf den: ersten Kongreß, nach der Vollendung seines Westes möchte er an» liebsten wieder zu seinen dichtenschen dlrbeireu znrncklenten. Er halte auch schon den ganzen Staat musamr allen seinen Einrichtungen ferüg in der Laiche. Es war, sozusagen, ein zerlegbarer Siaat. den »na:» überall aufstchten korrnte, in Palästina, in A.nerika. au» dei» Blond oder in der Sahara. Nach Bedarf ließ er sich auch leicht nuseinandernehmer». Für jede Einzelh .it war vor gesorgt. Nicht nur die Judcnfrage, fouderr» auch die soziale Frage sollte der Judeustaal lösen, letztere durch Emführung des siebenstündigen Arbeitstages, den die ganze Welt ariuehn'.en ruürde. Jeder Äufänger weiß. daß die Länge des Arbeitstages.von der ksimänschen und geographischen Lage des Landes rmd der Leistungsfähigkeit der Bewohner abhängig ist. Aber im Indenstaat sollte von vornherein der stebenslt'mdige Arbeitstag herrschen, gleichviel, »no inrnrer er err-.chter »müde. Sonst in der Welt korrrnren Bler: scheu, die durch irgendwelche Bande' sich vereint suhlen, iu einem Lande zusammen, und »mm» sie nach Generationen miteinander und mit dein Boden verrvachsen, erivacht in ihnen das Bedürfnis »rach staat-. sicher Selbsiäirdigleir, dann bauen sie sich nach ihren Bedürfnisse»» den Staat mit fernen inneren und äußeren Einrichtungen. Wir aber sollten die Bestandteile unseres Staates iu den Koffer packen n»'.d hrnausgehen, um einen für ihn geeigneten Platz ansznsuchen. Herzl verschmähte gründlich die langsame Besicdelttng, die „Jnfiiiration"^ »nie er sie spöttisch nannte. Nicht in kleinen Gruppen sollten »vir uns in unser künftiges Vaterland „einschleichen", alle am einmal, oder in rasch aufeinanderso lg enden Schübe»» sollte»» »vir, umer srenndlichern Tücherschwenken der gesamten Kul!>rrine»»schheil, einziehen. Ter betreffende Staat, sagen »vir die Türkei, erteilt »»ns einen Charter. IMlfo »veg mit der Kolonisation, heraus mit den» Charter! Tas'.Ergebnis des ersten Baseler.Ko»»- gresscs. der sich für Palästina als den Standort des Judenstaau's erstschi.d. »rar, daß man beschloß, alle kolonisatorische Tätigkeit daselbst einzustellenu»»d nur noch de»»» Charter zu streben. Allerdings wußten nur wenige. »vas ein Charter eigentlich stväre. aber alle glaribter» a»r ihn. Ter Charter! Ter Charter! Ei>» neues Schlagwort, ein netter Glaubensartikel rvar gefunden. Wir sitzen da, zahle»» den.Jahres-Schekel n»»d Hesse» mrf den Charter. Der wird uns erlöse»,. Sobald er erschemt, ziehen »vir alle rnit flatternden Fahnen nach unseren Judenstaar. Wir u»»d die Welt sind von dem ewigen Jndenleld frei. Em. geivaiuger Rausch ging durch die Blasse,» der Inden heit. Blau »n»»ß Hede»» ken. daß der Antisemitismus damals in ganz Ee.ropll auf seiner Höhe stand. Dazu waren bald die Blutbeschuldignngsprozesse von Könitz »nid ,von Polna (Hilsner) gekonunen, die die Leidenschaften der Blassen »»»»d die Erbitlening der Jrlden tief aufgewühlt hatten Der Herzlsche Zionismus befriedigte das entotionale Bedürfe