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KC-Blätter · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1919) · p. Seite 76

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Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 5-6 (Mai 1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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::v ' . * Bamberg, LS. April 1919. ■ Kartellbrüderlichen Grüß zuvor! Zwei Licaren grüßen als. begeisterte Mitglieder des Freikorps Bamberg und' bitten ihre lieben Kbr. alle bayerischen K. C.er im Interesse des Vaterlandes und unserer K. C.-Sache für die bayerischen Freikorps zu keilen. . , Siegfried Adler (Lic.), Otto Stein (Lic.). De? Monismus und die landwirtschaftliche Me- : stedekung Palästinas durch Juden. Von AustriaeuS. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Untersucht man die Ideen Lilienblums, so muß man . - von der'Monvierung durch den „ewigen Judenhaß" ganz absehen, dann wird aber jeder Unbefangene zugeben -. - müssen, daß sie einen gesunden Kern enthalten.- Die Notwendigkeit, die Juden in Osteuropa produktiven Lebensberufen, namentlich der Landwirtschaft zuzuführen, hatten Tieferblickende längst eingesehen. Aber bei dem wachsenden Landhunger der osteuropäischen Bauernbevölkerung hätte dies nur außerhalb Europas geschehen können, m Palästina oder irgendwo weit in Amerika. Daß daS Gefühl der Juden sich für Palästina entscheiden mußte, macht den Juden nur Ehre. Alle monotheistischen Religionsgemeinschaften bemühten sich immer, ihre Angehörigen im Herligen Lande anzusicdeln; sollten die Juden sich ewig davon fernhalten, nur weil es nebenbei auch das Land ihrer Väter war? Wenn eS also ge- Jungen wäre, die Ueberführung großer Massen von Juden in die Landwirtschaft auch nur zum Teil auf dem Boden Palästinas zu verwirklichen, so wäre daS der Mühe der Edelsten wert gewesen. ES kam nur darauf an. welche Mittel und Wege man dazu wählte, nicht auf die Motive, von denen man dabei geleitet wurde. Kolonisation ist nämlich ein verteufelt nüchternes Ding, um eS ganz prosaisch nuszudrücken: ein Geschäft. Nun kann ich mir ja jedes beliebige Geschäft, eine Automobilfabrik ebensogut wie einen Milchlaben errichten, in der Absicht, mir dadurch eine unabhängige Existenz zu schaffen, die mir ermöglicht, mich ungestört der Metaphysik oder der Lyrik, der Astronomie oder Politik zu widmen. Aber das Geschäft darf ich weder nach metaphysischen, noch nach lyrischen, weder nach astronomischen noch nach politischen, sondern nur nach sachlichen, d. h. wirtschaftlichen Gesichtspunkten und Methoden leiten; ich darf z. B. meine Angestellten nicht ausschließlich unter Metaphysikem und Lyrikern, meine Kunden nicht ausschließlich unter Astronomen und Politikern suchen. Große Kolonisationswerke sind aus religiösen vder politischen, auS nationalen oder kulturellen Motiven, unternommen, aber insofern sie gelangen, sind sie lediglich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchgeführt worden. Eine nationale oder politische Kolonisation ist ein Unding, ebenso wie ein astronomisches Milchgeschäft oder eine lyrische Automobilfabrik. Wir werden weiter unten eine große Kolonisation kennen lernen, unternommen mit Geld- und Machtmitteln, von der alle Juden der Welt zusammen mit ihren sämtlichen Millionären und Milliardären nicht träumen können, und die nach 30 jähriger Anstrengung gänzlich zusammenbrach, einzig und allein, weil sie nicht nach wirtschaftlichen, sondern nach nationalen Tendenzen geleitet worden ist! Nun hatte Lilienblum trotz seines hohen Tatsachensinnes, unter dem Einfluß seiner literarischeu Vergangenheit und der augenblicklichen Stimmungen, der Kolonisation Palästinas von vornherein, statt eines wirtschaftlichen Charakters, einen national-politischen aufgeprägt. Und da? gereichte ihr nicht zum Segen. In Wirklichkeit handelte es sich um die Schaffung eines zusammenhängenden jüdischen SiedelungSgebteteS auf landwirtschaftlicher Basis, daS stark genug wäre, sich im ökonomischen, nötigenfalls auch im physischen Kämpf umS Dasein zu behaupten, und es übrigens der Zukunft zu überlassen, waS daraus werden sollte. Lilienblum aber schrieb der Kolonisation die Aufgabe vor,'dem ge-, samten jüdischen Volke eine nationale Heimat zu schaffen, die eS auf ewig vor dem Fremdenhaß schützen sollte. Darum verwarf er auch alle anderen Länder außerhalb Palästinas, weil nur dieser allein daS historische Vaterland des jüdischen Volkes ist-und übersah dabei, daß kein historisches Volk in den Grenzen seiner historischen Heimat geblieben ist. Wäre der jüdische Staat vor zwei Jahrtausenden auch nicht zerstört worden, so hätten unsere Vorfahren sich gleichwohl neue Siede-, lungsgebiete außerhalb Palästinas gesucht-wie sie es seit drei Jahrhunderten vorher taten. Noch schärfer betonte Pinsker das politische Moment, indem er einen Staat für die jüdische Nation verlangte, der allein imstande wäre, ihr die „Ebenbürtigkeit" unter den anderen Nationen zu sichern, und diese von der „psychotischen Judophobie" zu heilen. So wurde die Palästtnakolonisation im vornherein auf eine falsche Bahn geleitet. Das national-politische Moment hemmte und störte ihr Gedeihen,, und zwar, indem eS unnötige und vermeidbare Widerstände von außen und von innen weckte, vor allem aber, indem eS verhängnisvoll auf die Auswahl des Menschenmaterials wirkte, welches die Kolonisation durchführen sollte. DaS wird unS auS der Schilderung der weiteren Ereignisse einleuchten. Gegen Lilienblums Pläne erhob sich unter den russischen Juden von zwei Seiten heftiger Widerstand. Die Orthodoxen machten religiöse Bedenken geltend, wegen der Durchführbarkeit der Vorschriften, die an den Besitz des Heiligen Landes durch die Volksgesamtheit geknüpft sind; die Extrem-Freisinmgen eröffneten eine erregte Diskussion über die Notwendigkeit, zuerst den Schulchan Aruch abzuschaffen, da dieser nicht geeignet wäre, daS Gesetzbuch einer unabhängigen großen Volksgemeinschaft zu sein. Andererseits sahen jene russischen Juden, die auf die bürgerliche Gleichberechtigung nicht verzichten wollten, sowie die Juden in jenen Ländern, wo sie schon bestand, in diesem Streben nach einem eigenen Vaterland oder gar nach einem selbständigen Staat für daS jüdische ' Volk, eine große Gefahr. Seit jeher wurde ihre Gleichberechtigung mit dem Argument angefochten, die Juden hätten keinen Anspruch darauf, weil sie die europäischen Staaten gar nicht als ihre Vaterländer betrachteten; nun schienen Lilienblum und Pinsker dieser Anklage neue Nahrung zu geben. Die Gleichberechtigung saß aber, namentlich in Mitteleuropa, noch nirgends so fest, daß sie einen neuen Ansturm hätte aushalten können. Die türkische Regierung hinwiederum erließ mehrfache Beschränkungen und Verbote gegen die Landung von jüdischen Einwanderern in Palästina, zunächst aus wirtschaftlichen Gründen: ein Land ohne hochentwickelten Hapdel und Industrie vertragt keine Masseneinwanderung von Mittellosen; die politischen Bedenken regten sich erst zehn Jahre später. Indessen waren diese Hindernisse am leichtesten zu überwinden; es kam im wesentlichen nur auf einen Bakschisch heraus. Verachtet mir den Bakfchisch nicht! Er spielt nicht nur in der verrotteten Türkei, sondern auch in dem Vaterlande Woodrow WilsonS eine gewaltige Rolle, hier entscheidet Tammany Hall sogar über die Wahl des Staatsoberhauptes. Im Jahre 38i2 erklärte i

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