KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Judentum erfüllt, -gelang es ihiy überall und in jeder Lebenslage, sich als deutscher Jude und K. C.er die größte Achtung und Geltung zu verschaffen, indem er sich immer dessen bewußt war. daß sein Wirken in letzter Lucke der Durchsetzung unserer Idee galt. Trotz seiner Frische und Lebenslust war er keineswegs eine oberflächliche Natur. Er stellte an sich selber die höchsten Anforderungen; einer übernommenen Aufgabe gab er sich mir Anspannung aller seiner Kräfte hin. nicht zuletzt seinem juristischen Beruf, den er'gewtssenhafr ausfüllle und für den er grüße Begabung und Interesse hatte. Sogar inmitten aller Feldzugsnöte machte er sich häufig die — gewiß ganz unberechtigte — Sorge, wie ihm nach Kriegsende das Bestehen des Assejsorexamens noch gelingen könnte. Sein natürliches und jeder Verstellungskunst abholdes .Wesen konnte wohl bei oberflächlicher Beurteilung einen falschen und ungünstigen Eindruck Hervorrufen. In Wirklichkeit besaß der Dahingegangene seltene Eigenschaften des Gemüts und Charakters, die im Verkehr mit allen, die ihm näher standen, klar zutage traten. Im höchsten Grade selbst aUfopferuugefähig, verlangte er auch seinerseits die größte Hingabe an die Freundschaft. Gerade die Ueberempsindlichkeit, mit der er selbst den kleinsten und oft nur scheinbaren Vorstößen gegen die Freundespfüchten begegnete, war mir stets ein Beweis für die Feinheit und Kompliziertheit-seines Charakters. Gleich zu Beginn des Krieges rückte er als Unteroffizier ins Feld, von Begeisterung, Pflichtbewußtsein und Vertrauen, auf eine neue, bessere Zeit. Nach Ausheilung einer bald erhaltenen leichten Wunde kehrte er A iang 1915 als Leutnannt an die Front zurück. War er auch gewiß stolz darauf. als einer der eisten K.C.er im Kriege diesen Grad erreicht . zu haben, so gab es doch wohl raum jemanden, der inehr als er die damit überkommene Verantwortung gefühlt trnd sie restlos aus sich zu nehmen geMrlck gewesen wäre. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und zahlreichen Anfeindungen wußte er sich bei den beiden Negimentern denen er — bei fast ununterbrochenem Aufenthalt an der Front —.angehörle, nicht nur eine geachtete, sondern sogar bevorzugte Stellung zu erwerben, trotzdem und gerade weil er sein Judentum nie zu verbergen suchie und immer.in der Ueberzeugung, daß der Jude und K. C.er verpflichtet sei, mehr als nur seine Pflicht zu tun. — Die Anerkennung seiner Vorgesetzten zeigte sich darin, daß ihm schon nach kurzer Zeit die Führung einer Kompagnie sowie andere Vertrauensposten übertragen wmdeit. Die. spätere Verleihung des E. K. I war' bei ihm eine wohlverdiente. Allen Gefahren, denen er sich bis zuletzt surchckos aussetzte. entrann er glücklich, als wäre er gegen jeden Treffer gefeit. Er war mit Leib und Seele Soldat und hoch befriedigt, tätig für das Vaterland und dasLudentum wirken zu können. Sein sonst stets geäußerter Optimismus war erst während seines letzten Urlaubs (Ende Juli 1918) in das Gegenteil umgeschlagen. — Er hatte die letzte große Offensive dauernd an der Spitze seiner Kompagnie mitgemacht und dann an der Abw.ehr. der feindlichen Gegenangriffe bei Chateau-Thierry infolge seiner Umsicht und seines Schneides einen entscheidenden Anteil gehabt. In Anerkennung dessen war ihm auf Veranlassung des Regimentskommandeurs bei Eintritt der ersten Ruhepause der Urlaub bewilligt worden. — Aber nicht nur seelisch, auch körperlich war er diesmal ein anderer. Die letzten außerordentlichen Strapazen hatten ihn sehr mitgenommen. Obwohl sein Gesundheitszustand eigentlich eine Verlängerung des Heimataufenthalts erforderlich gemacht hätte, konnte er sich dazu mit Rücksicht auf die sich täglich verschlechternde Lage seiner Kameraden an der Front nicht entschließen. Zwar gedrückt und von Vorahnungen erfüllt, aber im Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit, verließ er die Heimat, um sie nicht wiederzusehen. Noch acht Tage vor seinem Tode hatte er die Freude, draußen seinen Bruder zu sprechen. Am 10. September erhielt er den tödlichen Schuß, frei und aufrecht auf der Brustwehr stehend, nachdem es ihm gerade gelungen war, den in die Linie eingedrungenen Engländer zurückzuwerfen. Auf dem Militärfriedhof Honnecourt hat er seine letzte Ruhej stätte gefunden. . In dem Nachruf seines Regimentskommandeurs! heißt es von ihm: „Größte Pflichttreue, Sorge für i seine Untergebenen und ganz hervorragende Tapferkeck zeichneten ihn aus, solange er dem Regiment j angehörte. Bei seinen Kameraden und Untergebenen! stand er im hohem Ansehen und nichts galt ihm j mehr, als dem Vaterlande und seinem Kaiser zu! dienen. Bei schneidigem Gegenstoß, den er srei-; willig antrat, als seine Kameraden in vorderer l Linie vom Feinde hart bedrängt wurden, fiel er 1 cm der Spitze seiner Kompagnie." Seine Kompagnie ehrt ihn durch folgenden Nachruf: „Lange Zeit hat er die Kompagnie in vielen Gefechten geführt. Sein Schneid war uns stets ein Ansporn zu schwerster Aufgabe. Wir verlieren in ihm einen gerechten und fürsorglichen Vorgesetzten, der sich die Liebe aller Untergebenen erworben hat. — Wir vermissen ihn schmerzlich." In treuester, mutiger Pflichterfüllung wie er gelebt, so hat er auch geendet. Er war ein prächtiger, charaktervoller und treuer Mensch, ein hervorragender K. Cjrr. Sein Andenken und sein Beispiel wird bei uns fortleben. vr. Karl Kurnik, Bavariae.