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KC-Blätter · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 44 (sequence 16)
Language
German
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--7 ■ ' ■——-——"T“ eigentliche Ansiedelunasarbeit besorgt also die JCA. Die - Geringfügigkeit der zionistischenPalästinaarbeit im Vergleiche zu den Leistungen der JCA fällt um so mehr auf, wenn man bedenkt, daß an der Spitze der l'-tzreren einige wenige Männer sieben, deren Namen dem breiten Publikum kaum bekannt sind, und die einen wenig zahlreichen Beamtenstab dirigieren; daß sie sich nicht auf die Ansiedelung von jüdischen Landwirten beschränkt. sondern -bis zum Ausbruche des Krieges auch bestrebt war, die Juden in Osteuropa dem Handwerk znzuführcn und unter ihnen die Gründung von Genossenschaften und Tarlehnskassen zu fördern, usw. Sie macht gar keine Propaganda und ihre Agiiationsliteratur beschränkt sich auf die knapp gehauenen, jeder Rhetorik baren, mit Zahlen und Daten ungefüllten jährlichen Rechcnschaflsverichre. die olles andere eher denn eine amüsante, neroenerregende Lektüre bilden. Der Zionismus dagegen ist eine „Weltorganisation" mit einem weiteren und einem engeren Aktionskomitee, mit unzähligen Zweigniederlassungen und Vertrauensmännern in allen Städten Europas und Amerikas. Er bildet seit 20 Jahren den ständigen Gesprächsstoff aller jüdischen Kreise in der ganzen' Welt, hat elf weltberühmte Kongresse abgehcilten, die weithin das Echo der Berge weckten, viele Millionen verschlangen und von denen nicht nur die jüdische Presse aller Länder voll war, sondern über die auch die Tagesblätter aller Sprachen ellenlange Berichte veröffentlichten Zahllos sind die vom , Zionismus veranstalteten Provinz-, Distrikts-, Landes- und örtlichen Tagungen, sowie öffentlichen Versammlungen. Seiner Idee dienen zahlreiche Verbände und Institutionen n»ir bedeutsamen Titeln wie Palcstine Land Developpement Company AngloPalestine Bank usw.. andere führen hochpoetische, vielve» heißende Namen, wie Verein zur Förderung der Kulturarbeit in Palästina. Esra, Geülah. Achusah, Agudaih Netaim, Bezalel, Menuchah Wenochlah, Carmel, Pardcs, Nachalath Jehudäh u. a. Ganz unübersehbar ist seine Agitations- und Propagandaliteratur und Presse in allen den Juden zugänglichen Sprachen; der künftige Historiker, der sich damtt zu beschäftigen haben wird, ist nicht zu beneiden Sehr. bedeutend sind die dem Zionismus zur Verfügung stehenden Geldmittel, aus dem von jedem Angehörigen der Organisation entrichteten Jatmsschekel und dem jüdischen Nationalfond, dessen jährliche Einnahmen sich in der letzten Zeit auf mehr als eine Dl llion Mark beliefen Und das Ergebnis dieser ganzen 20jährigen welterschütternden Arbeit für Palästina ist der Ankauf von einigen Tausend Hektar Bodens, dje dem Anbau erst übergeben werden sollen, die Einführung von ca. 2000 armen Juden aus dem Aemen. die als Tagelöhner in den Kolonien arbeiten sollen und zuerst in Ställen, dann in Baracken und kleinen Hütten untergebracht wurden, und noch zwei oder drei Errungenschaften von gleicher Bedeutung. Dabei darf man nicht vergessen, daß die jüdischen Kolonisten in Palästina, bis auf einen ganz geringen Teil, gar keine richtigen Landwirte, sondern nur Pflanzer sind. Der richtige Landwirt erzeugt Getreide, Pstlch, Fleisch, Eier und Gemüse, mit denen er zunächst sich und seine Familie ernährt, den Ueberschuß bringt er zu Markte und kauft für den Erlös Jndustriecrzeugnisse. Das gibt ihm die wirtschaftliche Autarkie und die Unabhängigkeit, und das fesselt ihn an den Boden, aus dem er Nahrung und Kraft saugt. Die jüdischen Kolonisten in Palästina waren bis zum Eingreifen der JCA. Pflanzer, d. h. sie baut n ausschließlich Luxuspflanzen an. die im Lande gar leinen Absatz hatten und lediglich auf die Ausfuhr angewiesen waren, nämlich Wein, und zwar die kostbarsten französiichen Marken, Orangen, Mandeln, Feigen, Rizinus. Mit Brot, Butter, Fleisch 7 - -. •; "7- -' * ^"->'7«-- und Geriiüse müßten sie sich linken benachbarten' arabischen Dörfern versorgen. (Die Araber' treiben nämlich vorwiegend Getreidebau und Viehzucht, sind also richtige Landwirtschaft, nur einige reichere Grundbesitzer in der Nähe der Städte sind Pflanzer.) Für den Absatz des Palästinaweines wurden durch rührige Propaganda in vielen europäischen Großstädten künstliche Märkte geschaffen, vornehmlich aber findet er Abnehmer in Aegypten. Es ist einleuchtend, daß em Landwirt, dessen Produkte ausschließlich auf die Ausfuhr angewiesen sind, und der sich das Notdürftigste zum Leben von außen kommen lassen muß, von einem dauernden, gesicherten Wohlstand oder einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit nicht träumen kann. Der jüdische Pflanzer in Palästina versendet z. B. seine ausgezeichneten dickschaligen, saftigen Orangen in Kisten, zu denen das Holz aus Rumänien und der Bukowina, das Papier zur Verpackung aus Italien und Galizien bezogen wird; und er versendet sie nach dem Hauptmarkt Liverpool, wo sie den Wettbewerb m»t den kalifornischen sehr gut aushalten. Es genügte aber, daß die Türkei mit Italien Krieg führte (1911), da konnte das Packpapier nicht eingeführt werden, es genügte, daß zwischen der Türkei und Oesterreich-Ungarn eine Spannung eintrat (1908) und infolgedessen die österreichungarische Wareneinsuhr boykottiert wurde, so konnte das Holz aus der Bukowina und das Packpapier aus Galizien nicht hinein. Es genügt ferner, daß zwischen Amerika und England ein schnellerer Dampfer eingestellt wird, der die kalifornischen Orangen um einen Tag früher auf den Liverpooler Markt wirft, und schon ist der palästinensische Pflanzer um den größten Teil seines Gewinnes gebracht. Dann hat er nicht nur nichts, wofür er sich Jndustrieerzeugnisse kaufen könnte, sondern ist sogar nicht imstande, einen Sack Getreide oder ein Kalb im nächsten Araberdorfe zu bezahlen. Hungersnot tritt ein. Die jüdische Oeffentlichkeit wurde ja regelmäßig alle paar Jahre zu Sammlungen zwecks Linderung der Hungersnot in den Palästinensischen Kolonien aufgefordert, während gleichzeitig Wunder über deren Emporblühen erzählt wurden. Das har seit dem Eingreifen der JCA. angefangen, anders zu werden. Körnerbau, Weidwirtschaft, Geflügel- und Gemüsezucht wurden eingeführt. Aber das kann natürlich nur sehr langsam vor sich gehen. In Argentinien dagegen wird auf der Hälfte der bestellten Ackerfläche.Weizen und Gerste gepflanzt, auf der anderen Flachs, Hanf, Gemüse usw. Keine Luxuspflanzen. Eine ausgedehnte Weidwirtschafl und Geflügelzucht wird betrieben. Es kann kommen, daß die Kolonisten kein Geld haben, aber daß sie verhungern, könnte nur die Folge schwerer Mißernten oder ähnlicher Elementarkatastrophen sein. Von den 183105 Hektar angebauter Bodenfläche der jüdischen Kolonien in Argentinien waren Ende 1912 90683, also beinahe die Hälfte, mit Weizen, 40720 mit Hanf, 16962 mtt Hafer, 6249 mit Roggen und Gerste, 22558 mit Mais, 5 846 mit Luzerne bepflanzt, usw. An Rindvieh besaßen die Kolonisten 59415, an Schafen 13130, an Zugtieren (Pferden, Maulesel usw.) 66713 Stück. Es könnteauf den ersten Blick scheinen, daß die Schuld an dem dürftigen und langsamen Gedeihen der palästinensischen Kolonien der Bodenbeschaffenheit des Landes zuzuschreibcn sei. Indessen trifft dies nur in einem sehr geringen Maße zu. Allerdings ist in Amerika jungfräulicher Boden in Fülle vorhanden, und dieser ist leichter urbar zu machen um der Kultur zugcführt zu werden als ein Land wie Palästina, welches mehrere Jahrhunderte lang vernachlässigt und verwahrlost war, ein Schauplatz verheerender Kriege, der Zankapfel gieriger Eroberer. Allein, die Haupthindernisse der Entwicklung der palästinensischen Kolonisation

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