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KC-Blätter · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 43 (sequence 15)
Language
German
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lich der Berliner Vertrag von 1878 den Juden in Rumänien volle bürgerliche und politische Gleichberechtigung gewährleistet harre, begannen Regierung und Behörden dieses Landes die Juden gesetzmäßig und systematisch zu unterdrücken und zu verfolgen, so daß diese schließlich gezwungen waren, zum Wanderstab zu greifen. Zugleich brachen im Frühjahr 1881 die Pogrome in Südrußland aus. Damals begann die große Judenauswanderung aus dem Osten, die sich in zwei Strömen ergoß; der eine, breitere ergoß sich in mächtigen Wellen nach Amerika, der andere, viel schmälere floß nach Palästtna. Das war eigentlich keine Wanderung, sondern eine Flucht, die Gehetzten und Verfolgten suchten für sich und ihre Familien eine Zufluchtsstätte. Eine planvolle Auswanderung nach Palästma zwecks Gründung von Ackerbaukolonien begann erst im Sommer 1862, und schon bis 1884 waren die ersten sechs Kolonien, gegründet. Die Tätigkeit ging auf gleicher Grundlage und nach gleichen Methoden bis 1897, also bis zum Auftreten Hcrzls, vorwärts, in welchem Zeitpunkt es bereits 25 Kolonien in Palästina gab. Die Auswanderung nach Amerika hatte ursprünglich keinen kolonisatorischen Charakter, nur vereinzelt suchten Juden in der Landwirtschaft Beschäftigung, teils als Selbständige, teils als Angestellte. Erst Ende der 80 er Jahre fing man dort an, sich um die Ansiedelung von Juden als Landwirte oder als Einzelfarmer zu bekümmern. Auf sichere Basis wurde diese Arbeit gestellt durch die im September 1891 vom Baron Moritz Hirsch ins Leben gerufene Jewish Colonisation Association (JCA.), die seit 1893 hauptsächlich in Südamerika arbeitete. Die Ergebnisse dieser beiden Zweige der Mischen Kolonisation, der amerikanischen und der palästinensischen, stellen sich in den für das Jahr 1912 vorliegenden Ziffern (jüngere stehen mir nicht zur Verfügung) folgendermaßen dar: (Die nachstehenden Zahlen sind dem American Jewish Bear Book und den Jahresberichten der JCA. entnommen. Die Palästina betreffenden Ziffern entstammen den zahlreichen amtlichen und nichtamtlichen zionistischen Publikationen, unter denen der erste Platz folgenden zwei Werken gebührt: Rüppin, „Die Juden der Gegenwart", 2. Aufl., Köln und Leipzig 1911, und Nawratzki, „Die Milche Kolonisation Palästinas", München 1914. Letzteres ist vollgestopft mit Zahlen und Daten, die aber einer starken Nachprüfung bedürfen. Erstercs ist, obgleich seine Angaben etwas älteren Datums sind, ungleich zuverlässiger, der Verfasser lebte nämlich jahrelang in Palästina als Leiter des zionistischen „Palästinaamtes", fungierte also gewissermaßen als zionistischer Landwirtschafts- und llnterrichtsminister und kennt die Dinge aus eigener Anschauung. Nawratzki dagegen schöpft aus gedruckten Quellen, von denen ihm jedoch die wichtigsten, nämlich die hebräischen und russischen, wegen Unkenntnis dieser Sprachen unzulänglich sind. Er versichert zwar, im Herbst 1911 einige Monate in Palästina zugebracht zu haben, aber da der Herbst auch in Palästina nicht einige Monate dauert, so können nur einige Wochen gemeint sein. Beide Verfäffer sind jedenfalls nicht verdächtig, zuungunsten des Zionismus zu färben.) _ Amerika: In Kanada gab es 12 Siedelungen und 53 Einzelfarmen. die zusammen 828 Familien mit 3482 Seelen zählten; ihr Landbesitz bezifferte sich auf 55000 ha. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika gab es (schätzungsweise) 3718 Farmerfamilien mit 18590 Seelen, ihr Besitz an Land betrug ungefähr 140 000 ha (American Jewish Bear Book 1912.) (Nawratzki' versichert zwar S. 514: „Die Zahl der jüdischen Farmer in den Vereinigten Staaten wird auf 30000 geschätzt", allein ich konnte seine Quelle trotz eifrigen Nachsuchens nicht entdecken; diese Zahl scheint bedeutend übertrieben.) Diese Siedelungen sind mehr oder weniger gefördert und unterstützt worden von der JCA oder kleineren mit ihr zusammen arbeitenden Gesellschaften. wie der Jewlsh Agricultural and Industrial Ald Soicety in Neuyorkund anderen. In Argentinien, wo die JCA. allein tätig ist, siedelten Ende.1912 4520 jüdische Familien mit 2 »040 Seelen. Davön waren 3135 Familien eigentliche Grundbesitzer, die sich in einer Gesamtzahl von 17414 Seelen von den Erlrägnisten der Landwirtschaft ernährten, der Rest bestand aus Handwerkern, Händlern, Lehrern, Angestellten, Beamten usw. Der bestellte Boden umfaßt 183185 da. Doch befindet sich im Besitz der JCA. bereits eine Bodenfläche von 569000 ha in Argentinien und weiteren 92000 ha in der brasilianischen Provinz Rio Grande do Sul; ihre Kolonisation hat also die Möglichkeit einer großen Ausdehnung. In Palästina betrug der Landbesitz der Juden im Jahre 19 >2 annähernd 44000 ha. davon entfielen 27256 ha auf das Westjordanland. „Die bebaute Fläche einschließlich^der erst kurz zuvor angekauften, daher noch nich t kultivierten (aber für den Anbau bereitgestellten) Terrains, dürfte über 50 % betragen" (Nawratzki). Mit anderen Worten: die bebaute Fläche betrug wohl etwas über 20000 ha. Auf dieser Bodenfläche siedelten im Jahre 1912 33 Kolonien mit einer Bevölkerung von.10000 Seelen — nach Nawratzki. Nach Ruppin waren im Jahre 1910 in den palästinensischen Kolonien etwa 6000 Seelen, also.1000 Familien als Landwirte ansässig. Daneben lebten noch etwa 2000 Seelen als Lehrer, Handwerker, Tagelöhner, Angestellte usw- In der Summe von 10000 Seelen, die Nawratzki angibt, sind auch die landlosen jüdischen Arbeiter mit inbegriffen, deren Zahl sich nach seinen verworrenen Angaben jedoch nicht genau bestimmen läßt. Es sollen ihrer, die 1911/12 eingcwanderten Jemeniten mit inbegriffen. 3—4000 sein, eine Zahl, die nach allen sonstigen Angaben viel zu hoch gegriffen scheint. . y Vergleicht man die Ergebnisse der palästinensischen mit denen der amerikanischen Kolonisation, so erscheint erstere ganz kümmerlich, besonders wenn man bedenkt, daß die amerikanische im Jahre 1912 noch nicht volle zwei Jahrzente alt.war, während die palästinensische bereits 35 Jahre zählte, als Theorie aber anderthalb Jahrzehnte vorher eingesetzt halte. . Der Anteil des eigentlichen Zionismus, nämlich der von Herzl 1897 angefachten Bewegung, schrumpft in nichts zusammen. Man muß nämlich wlssen, daß sämtliche palästinensischen Kolonien 1897 auf einem toten Punkt angelangt waren, nicht leben und nicht sterben konnten. Im Jahre 1899 übernahm die JCA. nach langen Unterhandlungen die Verwaltung; dieselbe JCA., die mitsamt ihrem Stifter von den Zionisten seit jeher als antizioniftisch, antiuational, antijüdisch. „assimilatorisch" verschrien war. Die Verwaltung der JCA. sanierte nicht nur die alten bestehenden Kolonien, denen der Arem auszugehen drohte, sondern erweiterte den Landbau, stellte ihn auf eine gesunde Basis, erwarb neue Terrains hinzu, führte langsam eine geordnete Wirtschaft ein, gründete acht weitere Kolonien, darunter eine Musterfarm, aus der tüchtige junge Landwirte hcrvorgehen. Erst seit dem Jahre 1899 datiert das Gedeihen palästinensischen Kolonien. Die Mitwirkung des Zionismus beschränkt sich, nach Ruppins eigenen Worten, ^gegenwärtig (191 l) darauf, die allgemeinen Bedingungen der Ansiedelung durch Auskunftserreilung, Schaffung und Förderung von Parzellierüngsgesellichaften, Bildung von Genossenschaften. Gewährung sicherer Kredite durch eine eigene jüdische Bank zu erleichtern". Die

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