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KC-Blätter · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 41 (sequence 13)
Language
German
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Stelle,- wo er, diese unsere Auffassung mit warmen Worten begrüßt: .So beginnen die neuen Juden, düs jüdische Gefühl in sich zu entdecken. Und von dem nicht mehr fernen Tage an, da alle guten Juden ihre Augen öffnen und sich selbst erkennen werden, beginnt eine neue Epoche in der jüdischen Geschichte... Diese neue Antwort, die öffentlich mit klaren und deutlichen Worten laut in die Länder des Westens hinauZruft... sie erscheint mir sehr wichtig als schönes Symptom für die Zukunft." v . . Keiner ist unter uns, der nicht „eine schöne Erfüllung" — ich wiederhole diese bespöttelten Worte.— in der Stärkung und Erneuerung der jüdischen- Seele, der edlen jüdischen Geistesart erblickte. Es ist auch keineswegs so, daß wir „aus Angst, nicht für Vollgermanen zu gelten" (welch' seltsame Unterstellung!) etwa die notwendigen materiellen Grundlagen für die Schaffung eines geistigen Zentrums in Palästina als überflüssig und bekämpfenswert ansähen. Obwohl das geistige Zentrum in Spanien keineswegs ein autonomer, politisch gefestigter Sonderstaät war, und doch „befruchtend auf die gesamte Judenheit wirkte"! Mögen die Juden aller Länder, die eine „innere Knechtschaft", eine geistige oder leibliche Not erdulden, von der sie sich nicht anders als durch Auswanderung befreien-zu können ^wähnen, sich zusammenschließen, wo und unter welcher Form auch immer sie es wünschen. Einen Wert für uns bedeutet die neue Gründung erst, wenn sie zur Kräftigung und Erhaltung des reinen religiösethischen jüdischen Geistes beiträgt. Einen Femd und erbitterten Gegner aber wird sie immer dann und nur dann in uns finden, wenn sie sich für das alleinseligmachende Judentum ausgibt und so das allseeligmachende, universale Wesen unserer Gemeinschaft durch ihren Partikularismus verfälscht. . . . Ich bin fest überzeugt, daß bei einigem guten Willen auf beiden Seiten, eine Einigung zwischen dem zionistischen und dem K. C.-Standpunkt sich herbeiführen ließe. In fünfzig oder hundert Jahren wird man vielleicht mit Lächeln nur auf unsere Zeit zurückblicken, da unsere Richtungen, die beide, vom Willen zum Judentum durchglüht, mit allen Mitteln seine Erhaltung anstreben, sich schroff befehdeten *). Denn auch der Zionismus hat es heute eingesehen, daß Zion nicht endgültige Lösung des Problems bedeuten kann — die *) Gerade als ich diese Worte niederschrieb, kam mir die Nr. 59 des Jahrgangs 1918 der ^Jüdischen Rundschau" zu Händen. Der Artikel „Unsere Teilnahme an der deutschen Politik" von Werner Fraustädter, dessen Lektüre ich allgemein empfehlen möchte, gibt meinen Gedanken die schönste Betätigung Zwischen seinen und meinen Ausführungen ist nicht der geringste Unterschied mehr vorhanden. letzte Delegiertentagung der deutschen. Zionisten insbesondere das Lichtheimsche Referat beweisen es mit nicht zu überbietender Deutlichkeit. Auch die Zionisten schicken sich an, Golusarbeit zu Leisten. Die Majorität der Juden wird für alle Zukunft in der Diaspora leben müssen und für sie gilt es, die Judenfrage zu lösen. Die Lösung aber kann nur lauten: Wir machen ernst mit der Mission des Judentums als des Trägers des religiös-ethischen Menschheitsgedankens und wir bewahren als kostbarstes Gut die jüdische Seele in ihrer eigengearteten Prägung. vr. Erwin Seligmann (Ghibelliniae, Nassoviae,) Aer Zionismus und die landwirtschaftliche Besiedelung Palästinas durch Inden. Von-Austriacns. Anmerkung der Redaktion: Als zweiten aus der Serie der informatorischen Artikel veröffentlichen wir heute eine Auseinandersetzung über die Kolonisationsbestrebungen in Palästina aus der Hand eines berufenen Sachkenners. Gerade im heutigen Augenblicke, da der Zionismus seine Triumphe feiert, wird es nicht uninteressant sein, den wirklichen Anteil dieser Bewegung im praktischen Aufbau des Heiligen Landes kritisch zu beleuchten. Es geschieht dies nicht wegen der Frage der Priorität, die ganz genug sehr nebensächlicher Namr ist. Die Ausführungen sollen vornehmlich em Urteil darüber ermöglichen, ob und wie weit es dem Zionismus gelingen wird und kann, politisch errungene Vorteile in Zukunft in wirklich praktischer und nützlicher Arbeit zu sichern. _ In Deutschland hält man allgemein den Zionismus und seine positiven Leistungen — tue landwirtschaftliche Besiedelung Palästinas durch Juden—für eine Schöpfung Theodor Herzls, der im Jahre 1896 seine berühmte Broschüre „Der Judenstaat" veröffentlichte und im Sommer 1897 den ersten Zionistenkongreg nach Basel berief. Der Name ist indessen mindestens 10 Jahre, die Sache ungefähr 30 Jahre älter. Der Name wurde in den Kreisen des 1885 in Lemberg entstandenen Vereins „Zion" geprägt. Anfang der 80 er Jahre hatte der ehemalige Bamberger Rabbiner vr. I. I. Kodak (bekannt auch in der Wissenschaft des Judentums durch seine Jahrbücher „Jeschurun") ein gebürtiger Lemberger. nach seiner Vaterstadt zurückgekehrt, dortselbst einen Leseverein „Mikra Kodesch" gegründet, der nicht gedieh; und schließlich einzuschlummern drohte. Einige junge Leute, unzufrieden mlt der Schläfrigkeit und Enge, die in diesem Vereine herrschten, begründeten den neuen Verein „Zion", mit einer doppelten Aufgabe. Einerseits sollte die immer mehr schwindende Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur unter der Heranwachsenden Generation dnrch Selbststudium und Veranstaltung von öffentlichen Vorträgen gefördert und dadurch das sinkende jüdische Selbstdewußtsein ge-, hoben werden; andererseits sollte die immer mehr zunehmende Auswanderung der Inden nach Amerika — . eine Folge der seit Jahren eingetretenen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage — nach Palästina gelenkt und dort der landwirtschaftlichen Ansiedelung zugeführt werden. Gegen Amerika herrschte eine starke Abneigung aus zwei-

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