KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 39 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht.— assimilatorisch, d. h. wir suchen die Berührung der nichtjüdischen Umwelt, wollen, geistige Verschmelzung und gegenseitige Durchdringung. Und folgen hierbei, getreu altbewährter Methode, der besten jüdischen Ueberlieferung. Denn nicht erst in der Diaspora, auch schon in Palästina entkeimten aus der Befruchtung jüdischen Geistes mit fremdem die kostbarsten Blüten. Schon Abraham war Chaldäer, Moses vom Aegyptertum und seiner Priesterweisheit tiefst beeinflußt, das Prophetentum zum guten Teil - ein Kind babylonisch-persischen Geistes. Angeregt durch den Hellenismus schufen die 'Weisen der Missionszeit ihre unsterblichen Bücher.. Die mittelalterliche Wissenschaft wuchs erst auf dem Baum arabisch-maurisch-spanischer Kultur. Nur in Amsterdam ist Spinoza denkbar. Die glänzenden Geister eines Mendelssohn, einer Rahel. Heines, Börnes leuchteten auf, als französische und deutsche Art mit jüdischer sich vermischte. Und die neue Geistigkeit, das köstlichste Produkt Europas (Deutschlands vor allem) ist nur denkbar und verständlich aus ihrer stark jüdischen >Note. Dies Verdienst darf das assimilatorische. Judentum mit Stolz für sich beanspruchen, daß es zur Vermenschlichung der Welt, zum künftigen Sieg des Völkerversöhnungsgedankens sein gut Teil beigetragen hat. So ist unser höchster Stolz zugleich unsere tiefste Bescheidenheit. Das ist das unendliche Geheimnis unserer Aüserwählung, daß wir gerade durch unsere Zerstreuung über die Völker ein Ferment der Menschheit bilden, daß wir die Fackel sind, welche die Welt dereinst vielleicht zum Leuchten bringen kann. Kein Glied der Menschheit ist unnütz, eine jede Gemeinschaft kann Träger der Zukunft sein. Aber wenn die Aufgabe aller anderen Menschen in der Pflege des ihnen spezifischeigentümlichen, ihrer sondergearteten, nationalen Kultur beruht, so fühlen wir uns berufen, in der Durchdringung fremden Wesens mit dem unfern schönste Früchte der Menschlichkeit zur Reife zu bringen. Auf dieser Grundlage beruhen die vier wesentlichen Prinzipien unseres Verbandes, die schon von den alten Viadrinen verkündet wurden und unverändert bis auf diesen Tag geblieben sind. Sie gewinnen daraus den geistigen Nährboden, der ihnen. Berechtigung und Lebendigkeit verleiht. Der Kampf um die Gleichberechtigung. Nicht Selbstzweck, wie anfangs schon gesagt, dient er dem Ganzen. Er gibt unserer individuellen Persönlichkeit erst die Möglichkeit freier Entfaltung, schafft Selbstbewußtsein, Geradheit, Stolz. Manneswürde. ' Läßt alles Duckerische und Kriecherische abstreifen. Fordert Mut, rücksichtsloses Sich-Einsetzen für das Uebermaterielle, das Ideale. Er fördert die Auslese der Führernaturen, deren wir im Kampf um die größte und schwerste. Aufgabe der Menschheit mehr denn .alle anderen bedürfen. — Als sittlicher Kampf, Kampf um das Recht als solches, ist er zugleich Arbeit, für die Menschheit und im besonderen für unser deutsches Volk. Wo immer wir auf Zurücksetzung. Ungerechtigkeit. Lüge und Heuchelei stoßen, treibt uns der kategorische Imperativ zum Handeln. Und doch wohl zuerst da, wo es uns selbst betrifft. Sollte etwa Eintreten für eigenes Recht weniger sittlich sein, als Einstehen für fremdes? Wollen wir dem Ethos überall zum Siege verhelfen, so beginnen wir mit der Vernichtung des feindlichen Prinzips da. wo es uns am nächsten und drohendsten entgegentritt. Um Deutschlands willen muß in Deutschland jede Zurücksetzung eines Menschen wegen seiner religiösen, seiner ethischen, oder wie anders gearteten ehrlichen geistigen Ueberzeugung mit der Wurzel ausgerottet werden. — Uno daß nicht zuletzt dieser Kampf dem Judentum hilft, daß er zu seiner Erhaltung, freien Entfaltung, seiner Festigung eonäitio sine qua non bedeutet, das auch nur mit einem Worte noch zu begründen, kann ich mir versagen. Die Pflege der studentischen Form. Auch sie ist besttmmt, uns zu geeigneten Trägern des Kampfes zu machen und will unser Ich erziehend beeinflussen, es bilden, mit Lebenskraft und -freude stärken. Nur aus der strengen Schule freiwillig angenommene rDisziplin erwächst die Führernatur. Nur auf dem ewig sonnen beschienenen Tummelplatz leichtlebiger, selbstvergessener Jugend erblüht die unversiegbare Vitalität. Nur im Zauber wirklichkeitsentrückter Romantik liegt Renungsmittel vor dem Philistertum. Wenn wir diese Lebensformen, die gewiß nicht hebräisch-palästinensische Ueberlieferung atmen, bewußt uns zu eigen machen, tun wir es nicht nur aus äußerlichen Rücksichten, wir tun es in der ausgesprochenen Absicht, auch hierdurch unseren jüdischen religiösmenschheitlichen Gedanken der Verwirklichung näher zu bringen. Denn, ich sagte es ja, nur erstreben die gegenseitige Durchdringung von deutscher und jüdischer Art, wir wollen die geistige Verschmelzung und sind überzeugt, durch die Angleichung der äußerlichen Lebensformen sinnlose Hindernisse zu beseitigen, welche der Propagandierung unserer Idee im Wege stehen. Die jüdische Exklusivität. Anscheinend steht sie im krassen Widerspruch mit dem zuletzt Geäußerten! Es ließe sich doch ohne Zweifel, das Ziel der Asstmilierung weit leichter in paritätischen Vereinigungen erreichen? Inniges Zusammenleben von Juden und Christen im Rahmen einer Verbindung ist ja geradezu die bestmögliche Form des Wirkens für den Menschheitsgedanken? Diesen sehr berechtigten Einwurf will ich nicht mit dem aus realem Erleben geschöpften Argument entgegentreten, daß es solchwirklich paritätischen Studentenvereinigungen nicht gibt, daß sie entweder, , von Christen gegründet, Prozentjuden aufnehmen, die