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KC-Blätter · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 38 (sequence 10)
Language
German
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eigenen Persönlichkeit, wie den beiden Gemeinschaften' denen wir angehören, der jüdischen und deutschen, dienen. Auch der Zionist empfindet das Erhabene, das Einzigartige dieses Gedankens, und dessen Unvereinbarkeit mit nationaljüdischer Theorie und Praxis. Aber er ist um den Ausweg nicht verlegen. Max Brod und die ihm folgenden Neozionisten behaupten, der Zionismus wolle ja dasselbe, er sei jedoch „ein notwendiger technischerKunftgriff", mit dessenHilfe man zur Menschheit gelange. Gerade dies sei das Ziel des Zionismus: eine Zusammenfassung aller jüdischen geistigen Kräfte, um der Welt Heiligung in Realilät zu bringen. Man staunt. Der Umweg über jüdischen Staat und Sondergemeinschaft soll ethisch höherstehend, praktisch erfolgversprechender sein, als der gerade Weg, den wir zur Menschheit einschlagen? Haben wir noch nicht genug technischer . Mittelchen und Kunstgriffe zur Erstickung des Menschlichen!? Blättert doch nur ein wenig nach in den Seiten jüngster europäischer Historie, ihr werdet euch eure Finger beschmutzen mit klebrigem Blut, daS wir einzig der Freude des Menschen am Umweg und Kunstgriff verdanken! Wem aber dieses Rückschauen zu mühevoll und quälend, der lese einmal nach, was Ludwig Rubiner in seinem flammenden Manifest: „Der Mensch in der Mitte" unter „Zion" auf Seite 144f. gesagt hat. Damit sollte für jeden Gewissenhaften diese zionistische Ausflucht erledigt sein. Herr Krojanker hat es auch gar nicht erst mit diesem Argumente versucht, höchstens es leise so zwischen den Zeilen angedeutet. Er macht es sich leichter und nimmt an Stelle sachlicher Widerlegung seine Zuflucht zum Hohn. Er spricht von unserer „abstrakten und verwäfferien Form der alten messianischen Idee", von der „Schamröte, die jedem ehrlichen K. C er ins Gesicht steigen muß", wenn er „diese verwaschene Menschheitsidee, die zu nichts verpflichtet, und die nichts erfordert", als Ziel seines Kampfes ausrufen hört. Er empört sich, „wenn Menschen, deren Ziel in Wahrheit mit der Zulassung zu Staalsämtern . erreicht ist. dies ,Gerede^ ansangen, diese ,Verlegenheilsphrasen'drechseln. Er meint, wir müßten eS selbst als Hohn empfinden und läßt uns'seine „persönliche Erbitterung und Schärfe fühlen". Ich laffe diese Zitate für sich selbst sprechen und stelle nur fest, daß eine alte Erfahrung wiederum bestätigt ist. Wo der Gegner keine sachlichen Argumente mehr hat, wo er die Schwäche seiner Position fühlt, sucht, er seine Hilflosigkeit hinter Schimpfen zu verbergen. Es dürfte dem ehrlichen Zionisten auch schwer fallen, eine Lücke unseres Gedankengebäudes aufzuzeigen oder und eines Fehlers zu überführen. Unsere Weltanschauung ist von der des Zionisten grundverschieden. Beide sind in sich abgerundet, einheitlich. Es sind zwei Kreise, die sich wohl teilweise decken, aber beide um voneinander entfernte geistige Zentren geschlagen sind. Wie der Zionist vom Primat des Judentums ausgeht, so wurzeln wir in dem Primat der Humanität, die als Synthese des Judentums und des Deutsch- . tums über beide den Blick erhebt. Gefühlsmäßig steht uns ein jeder beliebige Mensch, welchen Stammes, welcher Raffe, auch immer, der an geistiger Kultur uns verwandt ist, ebenso nahe wie ein Jude, aus andersartigem, oft abstoßendem sozialen, geistigen und sittlichen Milieu. Unser Herz erzitterte beim furchtbaren Zusammenbruch des deutschen Vaterlandes, ebenso stark, vielleicht stärker als bei der Kunde von irgendwelchen Pogromen. Stolzer schien uns die Hoffnung, daß aus der deutschen Revolution ein Reich der Freiheit und Gerechtigkeit erstehen möge, als die Ankündigung der Gründung eines jüdischen Staates in Palästina. Wer anders fühlt, mit dem werden .wir gar nicht erst streiten. Diese Entscheidung ist nicht Verstandessondern Willens- und Glaubenssache. Von unserem Standpunkt aus kämen wir auch nicht zu einer öffentlichen Bekämpfung des Zionismus. Wir wären so überzeugt von der Kraft unserer Idee, so sicher im Glauben an den unaufhaltsamen Sieg des reinen Ethos, daß wir gern auf die unerfreulichen Kampfesweisen, wie sie das jüdische Leben heute vergiften, verzichten würden. Aber der Zionist gestattet uns das nicht. Er bestreitet uns unser Judentum, proklamiert sich vor den Augen der gesamten Welt als den einzigen Vertreter des Judentums, betreibt skrupellos seine jüdische Parteipolitik im Namen unserer Gesamtheit. Demgegenüber dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen. Auch wir müffen an die Oeffentlichkeit treten, und mit derselben Wärme, demselben Eifer verkünden, daß ein jüdischer Staat und eine jüdische Volkheit uns nicht mehr und nicht weniger angeht, als irgendeine andere. Jüdisch sind wir nur unserem geistigen Aufbau, unserem sittlichen Temperament, unserer menschheitlich-religiösen Ueberzeugung und meist auch (was vor allem für die Orthodoxen unter uns gilt) unserem Kult nach. Staatlich und national gehören wir der Gemeinschaft an, die zufälliger- (oder notwendiger-?) weise uns mit ihrer Kultur erfüllt hat, der wir die Form, die Materie unserer Geistigkeit verdanken, d. h. für uns K. C.er, dem Deutschtum. Wie wir „auf dieser Basis mit dem von außen drängenden Problem fertig werden können" ist an und für sich unsere Sache, interne Angelegenheit des K. C.. Da man aber die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit unserer Praxis uns bestreitet, muß ich auch darauf etwas näher eingehen: Zunächst sind wir bewußt — jawohl, wir scheuen das Wort

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