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KC-Blätter · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 36

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Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 36 (sequence 8)
Language
German
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Intensität ihres Wollens, der Reinheit ihres Gedankens ist Der Geist des K. C. zu bewerten. Auch hier gilt der Satz: ..Die Ideale der Besten, sind Norm." Wenn Mitläufer auf Irr- und Abwege geraten, lau und gleichgültig beiseite stehen, so ist das kein Einwand gegen die Richtigkeit einer geistigen Bewegung. Es ist die Tragik eines seden Bundes, der sich die Verwirklichung idealer Forderungen zum Ziel gesetzt hat. Auch das K. I. V. empfindet es schmerzlich und antwortet auf diesbezügliche Vorwürfe mit den treffenden Worten, die ich nur ein ganz klein wenig variiere (vgl. Einzelheiten S. 314f): ..Niemand von uns wird leugnen wollen, daß zwischen unserer Wirklichkeit und unserem Ideal eine Kluft besteht, die auch unsere Besten nicht überbrücken . . . Man wird sagen müssen, daß aus . . . unserer Erkenntnis allzufrüh ein tönendes Bekenntnis geworden ist. das ehrlich und überzeugend erst nach der Tat wirken könnte. Ja, es gibt einen Standpunkt der Unbedingtheit, von dem aus gegen alles, was jetzt in unseren Reihen geschieht, der Vorwurf des Phrasenrauchs und der Tatenferne, des Uebereifers im Aufstellen von Programmen und der Lässigkeit in ihrer Durchführung zu erheben ist. Vorwürfe dieser Art aber treffen nicht nur . . . (den K. C.) . . ., sie treffen . . . (die gesamte Jugend Europas) . . . Und es bleibt zu wünschen, daß sie immer wieder erhoben werden, damit wir immer wieder die Distanz zwischen Gewolltem und Erreichtem schaudernd ermessen und zu verringern bemüht sind." Ehe ich nun auf die Rechtfertigung unserer Idee und die Wiederlegung der zionistischen selbst eingehe, muß ich noch einen Irrtum, der unserem Bekämpfer in seinem Aufsatz unterlaufen ist, richtigstellen. Ich gebe zu, daß die Begründer des K. C. und seine ältesten Verfechter den jüdischen Gedanken, wie ich ihn darstellen werde, nicht klar genug herausarbeiteten, obwohl er ihrem Tun zugrunde lag. Sie haben ihn nicht von Anfang an, so wie es heute geschehen muß, offen auf ihr Programm geschrieben. Der Gedanke, so uralt und ewig menschlicher ist, entstammt in seiner klaren Formulierung, neuen Ausdrucksform und unwiderstehlichen Verbreitung erst dem letzten Jahrzehnt, weil vorher die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung fehlte. Die Kinderjahre des K.C. besaßen ihn nicht. Aber wir „verdanken ihnnichtdemZionismus", dem sind wir nicht „für unsere ganzes geistiges Leben ewig verpflichtet". Es ist nicht wahr, daß wir ^längst an völliger Erstarrung eingegangen wären, wenn uns nicht der Kampf gegen die zionistische Ideologie Gelegenheit geboten hätte, Stück für Stück davon zu übernehmen". Die Ursache unserer jugendlich geistigen Auffrischung liegt tiefer, der Beobachter der zionistischen Entwicklung wird auch im dortigen Lager ganz parallele Wahrnehmungen machen "können. Die Anfänge desK.C.wie "des Zionismus stecken noch in der materialistischen' Epoche Europas, die jetzt im Weltkrieg ihren katastrophalen Zusammenbruch erlebte. Unter der hohl gewordenen Form aber regte'sich bereits eine Geistigkeit, eine Bewegung der neuen Jugend, der Expressionismus, wie man es mit einem literarischen Schlagwort bezeichnet. Wir Juden, mit unserer geistigen Beweglichkeit und Empfänglichkeit, gleichsam der Seismograph für das ideeliche Leben der uns umgebenden Kulturwelt, spürten die unterirdischen Ströme zuerst und erprobten die neue Erkenntnis auf dem weiten Kampffeld unserer innerjüdischen Bewegungen. Behend wandelte sich der Zionismus zunächst, der vordem verknöchert und starr die Massen der Jugend nicht zu entflammen vermochte. Er setzte an Stelle des politischen Ideals das kulturpolitische, Herzl waxd abgelöst von Achad Haam. Nicht ganz so schnell, aber mit größerer Folgerichtigkeit und ernsterem Verantwortungsbewußtsein machte sich der K. C. die Ergebnisse der europäischen Geistesrevolution zu eigen, es trat jene Erscheinung ein, die Walther Rathenau die Substitution des Grundes nennt. Eine lebensfähige und lebenswichtige formale Bildung, wie es unser Verband ist, erfüllte sich — ohne seine Ziele zu ändern — mit neuem Inhalt, schöpfte seine Existenzberechtigung aus anderen geistigen Quellen, als denen, die zu seiner Gründung Anlaß gewesen waren. Ohne daß die äußerliche Form sich änderte, wandelte sich unsere Idee, sie ward vergeistigt und gereinigt, indem sie an Seüe ichbeschränkten Vorteils das Ethos setzte. Und damit kommen wir zur Kernfrage. Nach der Seite wird die Schale des Lebens sich neigen, auf welcher die höheren ethischen Werte sich finden. Nicht mit Argumenten, die sich aus der Realität ab leiten, nicht mit Wahrscheinlichkeits-. rechnungen und Zukunftsprophezeiungen, nicht mit Gründen der Bequemlichkeit und des materiellen Vorteils, sondern einzig mit der Kraft der Idee, wie sie den historischen Notwendigkeiten und dem normativen, dem wertsetzenden Wollen der heutigen jüdischen Jugend entspricht, soll der K C.-Geist hier dem Geiste des Zionismus entgegentreten. Es ist ein höchst wundervolles Erlebnis unserer Generation, wie sich in uns dieEinheit des historisch Gegebenen und Notwendigen mit den Förderungen der Zukunft urplötzlich herstellt. Woran das Judentum unserer Väter krankte, was es' nahe an den Untergang führte, die zwiespältige Zerrissenheit zwischen jüdischer Realität und geistig-menschlichem Wollen besteht für uns heute nicht mehr, und damit ist auch die tiefste Ursache zum Zionismus beseitigt. In uns brausen die Ströme jüdischen wie deutschen wie reinmenschheitlichen Wesens zusammen zur vollen Harmonie und unser geeinter Wille gewinnt

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