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KC-Blätter · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 35

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Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 35 (sequence 7)
Language
German
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jetzt ist es nicht der Nätionalbegriff gewesen, der uns aufrecht erhalten hat. Die Gründung des Palästinastaates löst auch die Judenfrage der Diaspora noch lange nicht. Und. ein anderes kommt noch hinzu: Religiöses Judentum ist zugleich ethisches Judentum (nicht auchumgekehrt). Die Jugenderziehung schöpft aber aus der Ethik ganz andere Werte als aus dem stark politischen Begriff Nation, für den auch die gemeinsame Kultur nur etwas durchaus Zufälliges sein muß. Deshalb erscheint mir unsere jüdische Erziehung, über die man sich drüben offenbar eine grundfalsche Vorstellung macht, da man annimmt, sie bestände nur in der Anleitung zum Fechten und Trinken, nicht nur viel wertvoller, sondern auch viel wahrer. Ein Blick in die Organe der beiden Verbände bestätigt das: drüben alles unter den Hut der Nationalidee gebrächt, ob es paßt oder nicht; hier alles freier, frischer, natürlicher, jüdischer dargestellt. Ich wiederhole, der Kampf zwischen uns und dem Zionismus soll und muß ausgefochten werden, aber wir verlangen, daß es ein ehrlicher und offener Kampf sei; bleibt das K.J. V. bei seinen bisherigen Mitteln und vermag es das Sachliche nicht von dem Persönlichen zu trennen — unter dem Persönlichen ist auch die Gesinnung zu verstehen —, so wird man es uns auch nicht verübeln können, wenn wir zu den gleichen Mitteln greifen. Glaubt das K. I. V. das Recht zu haben, uns nicht als jüdisch bezeichnen zu müssen, so stehen wir nicht an, ihm dasselbe zu sagen. Denn wahrlich! es kostet viel Ueberwindung, ein reines Nationaljudentum noch als Judentum anzusprechen. Und wenn am Schluß des hier in Rede stehenden Aufsatzes der Herr Verfasser die kühne Prophezeiung aufstellt, daß der Weg derer unter uns, denen es ernst mit dem Judentum sei, eines Tages zum Zionismus führe, so kann er uns dadurch nicht die feste Hoffnung nehmen, daß die große Menschheitsidee des Judentums, für die wir leben und kämpfen, durch alle Wirrnisse der Völker sich siegreich Bahn brechen wird. Dann aber werden die, die die Aufgabe des Judentums weit kürzer gesetzt haben, uns sich längst angeschlossen haben, wenn sie nicht in ihrer Idee erstarrt sind. Dr. Kurt Alexander (Badeniae-Bavariae, Rhenosilesiae, Nassooiae). II. Wes e n. Nachdem im Vorstehenden die Form des Krojankerschen Artikels gebührende Würdigung gefunden hat,, soll nunmehr die sachliche Erwiderung erweisen, welcher Gedanke — der des K. C. oder des K. I. V. — die Bürgschaft einer jüdischen Zukunft in sich trägt, welcher dem inneren Gesetz der jüdischen Entwicklung und Aufgabe getreu. einzig den tiefsten Lebensnotwendigkeiten des Judentums gerecht wird. Die folgenden Ausführungen wollenden Kernpunkt des geistigen Streites herausgreifen, 8me ira et studio, in innerer Wahrhaftigkeit und nach ehrlicher Ueberzeugung. Eins allerdings ist die unerläßliche Voraussetzung einer derartigen Auseinandersetzung: Wie wir dem Gegner die bona Ldes nicht absprechen, so verwahren wir uns dagegen, daß man drüben an unserer Aufrichtigkeit zweifelt. Der Zufall oder die tragische Ironie hat es anscheinend gewollt, daß in demselben Heft, in welchem das K. I. V. die grundlegend tiefste" jüdische Idee des K. C, als „unehrlich" oder „Verlegenheitsphrase" bezeichnet, dieses selbe K. J. V. sich genötigt sieht, gegen „eine unwürdige und oberflächliche Polemik", gegen „Ungerechtigkeit und gegnerische Böswilligkeiten" Verwahrung einzulegen (vgl. Einzelheiten S. 314 ff.). Da nun das K. I. V. sich begreiflicherweise unbehaglich dabei fühlt, wenn es „der Außenwelt als ein Haufe von albernen Fatzken erscheinen muß, welche bierselig und händelsüchtig durch die zionistische Bewegung torkeln", so mag es daraus erkennen, wie unvornehm die gleichen Unterstellungen sind, die es sich uns gegenüber erlaubt. Oder hat Herr Krojanker etwa recht, wenn er behauptet, daß unser Ziel „nur die Gleichberechtigung der einzelnen Juden und deren größtmögliches Wohlergehen" ist, daß, „wenn wir darüber hinaus die Gleichberechtigung auch für das Judentum erstreben", wir dies höchstens um des formalen Gerechtigkeitsprinzips willen tun, nicht aber zu Nütz und Frommen des Judentums als religiösen Gedankens, als lebendigen Endziels? Ist der Kämpf um die Gleichberechtigung tatsächlich Selbstzweck und nicht nur Etappe auf dem Wege? Weist unser Gedankenbau „hier eine Lücke auf", insofern, als wir kein letztes Ziel aufzustellen hätten? — Ich stelle diese Fragen nicht nur rhetorisch, jeder K. C.er muß sie sich heute in aufrichtiger Selbstprüfung vorlegen. Der Schwere und Tragweite bin ich mir vollkommen bewußt. Aber ich weiß, es wird keiner, es wird vor allem auch nicht die Jugend des K. C. mit „Ja" darauf antworten. Sonst wäre der K. C tarsächlich das, was der Zionist von ihm behauptet, ein groteskes, auf den Aussterbeetat gesetztes Zerrbild einer jüdischen Bewegung, der krampfhafte Versuch einer absterbenden materialistischen Generation, ihren Schmerz „über die Schwierigkeit in der Erlangung der Achselstücke" in Schönheit sterbend auszuweinen. Dem ist eben nicht so. Viele unserer Führer, und nicht nur der Führer, die große, große Zahl unserer Mitkämpfer wissen tätsächlich um die spezifisch jüdische Aufgabe des K. C. Sie sehen vor sich ein bluterfüllt wesenhaftes jüdisches Ideal und nehmen entschlossen den Kampf um seine Verwirklichung auf. Nach ihnen nur, nach der

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