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KC-Blätter · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 $ Akademische und allgemeine Wachrichten. Aufmunterung. Es ist höchst bedauerlich zu sehen, wie wenig Sinn und Interesse gerade Korporationsstudenten für soziale Arbeit in der Studentenschaft haben. Das hat natürlich seine Gründe. Einmal, meinen sie, vertrage sich ihre politisch-konservative Anschauung nicht mit sozialem Empfinden, was ich und viele andere aber durchaus nicht einsehen können. Der ausschlaggebende Grund ist der. daß, da sie meist airs wohlbadenden Kreisen stammen, ihr Geldbeutel es wirklich nicht spürt, wenn sie 10 M. mehr fürs Zimmer ausgeben müssen oder das Mittagessen l Mark teurer wird. Diese Teuerung kann für einen aus weniger wohlhabenden Kreisen stammenden Finken zur Lebensfrage werden. Entweder muß er sich Zimmer nehmen, die, im Winter ungeheizt, jeder Gemütlichkeit entbehren — und jeder, der Soldat war, weiß, wie sehr schlechte Wohnung die Arbeitskraft beeinflußt: oder aber, er muß sich seine Mehrausgaben für Wohnung ' und Nahrung mühsam durch Stundengeben verdienen. Schon aus Mitgefühl müßte jeder helfen, diesen weniger wohlhabenden Kommilitonen dos Leben zu erleichtern. Jetzt jedoch beginnt die Not auch den wohlhabenderen Studenten empfindlich zu treffen. Man mag noch so viel Geld anlegen wollen, ein freies Zimmer gibt cs nicht mehr. Und kann man es einem zumuten. 4—5 M. für ein Mittagbrot auszugeben? Die studentischen Mittagstische sind infolge der aus dem Felde zurückkehrenden Kommilitonen überfüllt und bieten keinen Platz. Alles drängt sich zu ihnen, weil sie verhältnismäßig gutes und billiges Essen gewähren. Mögen diejenigen, die im warmen Zimmer sitzen und eine gute Pension erwischt haben, nicht gleichgültig an den vielen anderen vorübergehen, die tagaus, tagein nach Zimmern suchen lind sich viel Vergnügen versagen müssen, nur um ihr Essen zu bezahlen! An fast allen Universitäten bestehen studentische Wohnungsnachweise, studentische Mittagstische und ähnliche soziale Hilfsorganisationen. Schließt Euch ihnen an! Unterstützt sie, wenn auch nur mit Geld, am besten aber mit tätiger Arbeit! Nicht nur der einzelne, sondern die ganze Verbindung! Franz Neumann (Saxo-Bavariae) stuä. iur. Leipzig. Reform des deutschen Korpsstudententums. Die Gegnerschaft, die im deutschen Korpsstudcntenmm, wie dem Waffenstudententum überhaupt, seit geraumer Zeit schon in den konfessionellen und freien Siudentenverbindungen, neuerdings auch in der Waudervogelbewegung erwachsen war, hat nun doch dazu geführt, daß man sich innerhalb der schlagenden Verbände zu einigen zeitgemäßen Reformen entschlossen hat. Die unmittelbare Anregung dazu ist von einigen Alten Herren ausgegangen, in der Absicht, das Korpsstudententum den veränderten Zeitverhältnissen anzupassen. So strebt man, wie vr. Fuchs in der deutschen Hochschulzeitung ausführt, in erster Linie eine eifrigere Studienbctätigung an, damit der einzelne die durch den Krieg verlorenen Jahre rasch einholen und möglichst schnell sein Examen machen kann, schon mit Rücksicht darauf, daß der Staat nach dem Friedensschluß zu seiner wirtschaftlichen Erholung von allen seinen Angehörigen die vollste Kraftentfaltung beanspruchen muß. Auch der Betätigung des Sports gedenkt man größere Pflege zu widmen als vor dem Kriege. Die heikelste Reformfrage ist die Mcnsursrage. Schon im Staatsinteresse ist eine Einschränkung der Sabclmensuren dringend zu wünschen; durch geeignete Besetzung der Ehrengerichte hofft man eine Garantie dafür zu erlangen, daß künftig nur in wirklich ernsten Fällen auf schivere Säbel erkannt wird. Was die Bcslimmungsmensurcn anlangt, deren erzieherischer Wert ja nicht geleugnet werden kann, so will man sie Kriegsverlctzten wemgstens zun^Teil. unter gewisien Voraussetzungen auch ganz erlassen. Die Leipziger Studentenschaft und die Revolution. Am Sonnabend, den in. November 1018, erhielt unser Erstchargierter Wohlgemut!) die Aufforderung, zu einer Versammlung aller Waffeustudcnten zu erscheinen. Der Zweck der Versammlung war die Gründung oder viel-; mehr Erweiterung und Festigung des Leipziger Waffenringes, um gegen eventuelle Forderungen des A.- und S.-Rates sofort verantwortlich handeln zu kö»rnen. Mitten in die Diskussion über die Fragen der Aufi gäbe der unbedingten Satisfaktion nsw. platzte ein j Kommilitone mit der Nachricht herein, daß der,^lkadej mische Kulturbund", eine Vereinigung stark sozialistischer! Studenten, einen Putsch plane: er wolle in einer Stu- - dcntenversammlung, zu der nur Nichtinkorporierte Zutritt : haben sollten, einen Studeiitcnrat wählen und diesen . dem A.- und S.-Rate als Vertreter der gesamten Studentenschaft darbieten. Was dann aus den Verbindungen; geworden wäre?! Dagegen mußten wir sofort etwas unternehmen und am folgenden Sonntag beschlossen wir die Einberufung einer allgemeinen Stiidentenversammlung, deren Vorl bereitung ich übernahm. Die am Dienstag im „Schloß Drachenfels" tagende \ Versammlung hatte einen glänzenden Verlauf. Nach; heftiger Diskussion wurde ein Wahlausschuß gewählt, : der die Vorbereitungen zur Wahl eines lä gliedrigen „Studentischen Vertrerungsausschusies" treffen sollte. Es wurde mir angeboren, meine Verbindung — als einzige jüdische — möge einen Kandidaten für den Ausschuß aufstellen; ich lehnte ab und handelte damit im Einverständnis mit meiner Verbindung; unsere Gründe mögen gelegentlich an anderer Stelle erörtert werden. Am folgenden Dienstag fand die Wahl statt, und sie hatte für uns Verbindungsstudenten einen Erfolg, mit dem wir nicht unzufrieden zu sein brauchten. Bald bewies der „Studentische Vertretungsausschuß" seine Berechtigung. Eines Morgens wehte auf der Universität die röte Fahne. In der Nacht wurde sie heruntcrgeholt. Am nächsten Tage wehte sie wieder. Da berief der Ausschuß für abends eine allgemeine Studcntenversammlung in die Wandelhalle der Universität. Nach leidenschaftlichen Reden beschloß die von Herrn eauä. pdil. Landahl trefflich geleitete Versammlung, die roten Fahnen sofort hernnterzuholen. Einige Minuten späicr sielen sie. Inzwischen hatte der A- und S.-Rat, benachrichtigt durch einen Herrn vom Kulturbund, bewaffnete Vertreter. entsandt. die noch in den Räumen der Universität Landahl und Herrn ermä. iur. Meyer, der nach des erstercn Verhaftung die Versammlung leitete, verhafteten und, nach dem^Polizeiamt abführten. Die Erbitterung der Versammlung erreichte ihren Höhepunkt. In geschlossenem Zuge zogen wir alle vors Polizeiamt, um für die Freilassung unserer Kommilitonen zu demonstrieren. Nach langem Unterhandeln gab der A - und S.-Rat die Verhafteten „im Interesse der Aufrechterhalrung der össemlichen Ordnung" frei.' Infolge dieser Vorgänge trat der erst vor zwei Wochen gewählte Rektor, Herr Geheimrat Hölder, dem die ganze Geschichte über den Kopf gewachsen war, zurück, und an seine Stelle trat der bisherige Prorektor Herr Geheimrat Kittel.

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