KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 raffcnantisemitischen „deutsch-akademischen Frauenbund" — vorhanden ist. Und damit ist auch von ihrem Standpunkt aus die Entscheidung gefallen, und es gibt nur noch eins: den jüdischen Stu'deminnenocrein! Bisher findet man nur in Berlin (Hcvcllia) und München (Bund deutscher Studentinnen jüdischen Glaubens) Vertreter dieser Gattung, Ich benutze aber diese Gelegenheit, um alle Kartellverbindungen herzlich zu bitten, baldmöglichst eine solche Gründung in die Hand zu nehmen. In Leipzig, wo die Verhältnisse ungünstig liegen, soll cs glerchfalls versucht werden. Unbedingter Erfolg ist aber gesichert in Breslau und Frankfurt, vielleicht auch in Heidelberg und Königsberg. Gehen wir nicht an diese Aufgabe, so nimmt uns der Zionismus das Material fort, uild unsere Ideen bleiben ohne Träger. Es muß bestimmt gelingen, zu Beginn des nächsten Semesters mit einem Kartell von mindestens vier Vereinigungen aufzumachen, die in engem Bunde mit den K. C.-Verbindungen arbeiten können. Jetzt ist die beste Zeit und die darf nicht verstreichen. Daß unserer lieben Kartellschwester Edith Peritz, die zu einer Zeit aktiv wurde, als man von jüdischen Vereinen noch nichts mußte, ihr paritätischer Bund ans Herz gewachsen ist, begreife ich und fühle cs besonders tief nach! Uebcr den Personen steht aber die Sache! Und wenn, hoffentlich recht bald, auch Breslau in Verteidigung des ältesten K. C.-Nuhmes mit einer Schwcstervereinigung beginnt, hoffe ich die in der jüdischen — nicht paritätischen — Wunder- und Jugendbewegung so bewährte Kraft von Edith Peritz an der Spitze der neuen Gründung zu sehen. Or. Felix Gold mann (Thur., Saxo-Bav.). Studentische Selbstverwaltung. Don vr. Lothar Dessauer, Stuttgart (Saxo- Bavariae, Bavariae-Badcniae). Schon in den Jahren vor Kriegsbeginn und vor allem während des Krieges hat der soziale Gedanke in der Studentenschaft immer weiter Fuß gefaßt. Aber wie alle großen umwälzenden Ideen begegnete auch diese großen Schwierigkeiten namentlich in der inkorporierten Studentenschaft. Auch hatte die Bewegung an den meisten Hochschulen den großen Nachteil, daß sie von jugendlichen, heißspornigen Köpfen geleitet wurde, die den Wald vor Bäumen nicht sahen und Ideen durchführen wollten, wie dies in Utopia möglich sein kann, aber nicht in unserem deutschen Vaterland. Der Krieg nun brachte in der Hauptsache den theoretischen Kampf zum Verstummen und die deutsche Studentenschaft, soweit sie nicht wehrfähig war, erkannte es jetzt mit gesundem Blick, daß sie jetzt dazu berufen ist, den leidenden Volksgenossen beizustehen und die vielfach bestehende Not lindern zu helfen. Es entstand an vielen deutschen Hochschulen unter eigener Selbstverwaltung die Einrichtung eines nationalen Studentendienstes, der interko^orativ ist und seine Tätigkeit im Laufe des Krieges außerordentlich ausdehnte. Es wurde landwirtschaftliche Hilfe geleistet, jUnterrichtskurse für Arbeiter und verwundete Beamte eingerichtet, Theatergruppen gebildet usw. Diese Art studentischer sozialer Betätigung und Selbstverwaltung, nämlich die Arbeit des Studententums in der Beziehung des Studenten auf sich selbst und auf seine Umwelt zu sehen, dieser „Tübinger Gedanke", wie er iit der einschlägigen Literatur genannt wird, deckt sich im großen und ganzen mit den Marburger Forderungen des „Dienstes am Studenten". Mit diesen Forderungen, die durchaus dem Zug der Zeit entsprechen, müssen auch wir Korporationsstudenten uns befassen und dürfen sie ruhig zu den unseren machen. Der neue, frische Geist, der in die Studentenschaft eingezogen ist. der Wille zur sozialen Verpflichtung und zur Mitarbeit an den gemeinsamen Aufgaben des deutschen Volkes, das alles soll auch durch uns gefördert werden. Dagegen müssen wir einen scharfen Strich machen zwischen diesen Forderungen und dem Ansinnen der radikalen Kreise, die in dem ehemaligen heißspornigen Tübinger Freistudenten, vr. meä. Hermann Kranold, ihren Führer sehen. Diese fordern und haben dies nicht nur in ihren eigenen Kreisen ausgesprochen, sondern auch jetzt während der Revolution in den verschiedenen „Räten geistiger Arbeiter" verkündet (siehe Berlin), daß sie die Eingliederung der Studenten in die Verwaltung der Hochschulen als eines gleichberechtigten Faktors fordern und die studentische Selbstverwaltung solange als ein Torso ansehen, solange sie nicht volle Mitwirkung an der gesamten Hochschularbeit sei. Damit hätten die Studenten es zum Beispiel in der Hand, ihre Hochschullehrer selbst zu wählen. Wenn man nun bedenkt, wie sehr — und dies glücklicherweise — der einzelne Student seine Auffassung im Laufe der Zeit ändert, bis er sich endgültig zu einer festen Lebensauffassung durchgerungen hat, so läßt sich das Chaos und das Unheil ermessen, das für unser Universitätsleben, die Studentenschaft selbst und die Wissenschaften insbesondere entstehen würde, wenn die eben genannten Tendenzen Oberwasser gewinnen würden. Unser Vaterland ist tief in Not. Sorgen wir Akademiker dafür, daß uns wenigstens eines erhalten bleibt: deutscher Geist und deutsches Wissen. Hochfahrende, in der Luft schwebende Utopien und Menschheitsbeglückungsideale führen uns nur auf Abwege und verzetteln unsere Kraft. Unsere Losung muß sein: Pflege des akademischen Gemeinschaftsgedankens und Erziehung der Studentenschaft für den akademischen Lebensberuf. O