KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWW 14 worden, und so finden wir nur wenig auf deutsch-völkischen - Ideen fußenden AntiiemitismuS. wie er im deutsch-akademischen Frauenbund, dem kleinsten der vier Verbände, seinen Ausdruck gefunden hat. Während der Verband der katholischen Studentinnenoereine und die deutsch-christliche Bereinigung studierender Frauen religiösen Cbaraktcr haben, steht der Verband dcrStudcntinnenvcreine Deutschj landS auf vollkommen Partei- und religionsloser Grundlage und umfaßt Studentinnen aller Konfessionen und Gesellschaftsklassen. Hier ist die Abstraktion von allen Vorurteilen fast vollkommen durchgefnhrt. hier gilt nur der Mensch. So kommt in unserm Verbände ein harmonisches Zusammenwirken der verschiedensten Elemente zu ernster Arbeit zustande, ernstes Streben und heitere, herzliche Geselligkeit eint uns zu fröhlicher Kameradschaft und fester Freundschaft. Ich habe diesen Eindruck als Vorsitzende des Studentinnenvereins Breslau gewonnen und ihn auf unserm diesjährigen VerbandStag in Marburg, wo ich Vertreterinnen und Mitglieder aller 18 Verbandsvereine zu beobachten die Möglichkeit hatte, bestätigt gesunden. ES ist uns also die Möglichkeit gegeben, ohne Verleugnung unserer Religionszugehörigkeit, ohne Demütigung einem paritätischen Verband, der nicht nur aus Juden besteht, wie die der Studenten, anzugehören. Ich möchte noch auf den Vorteil Hinweisen, der für die GleichberechtigungSidee daraus erwächst, wenn Juden und E Christen außerhalb deS Berufes und der üblichen Umz gangsformen miteinander verkehren, einander kennen - lernen, vor allem sich alS gleich empfindende, gleich 1 strebende Menschen sehen lernen. Wie wichtig der pcr- - sönliche Verkehr zur Erzielung der gesellschaftlichen Glcich- - bercchtigung ist, liegt auf der Hand; ich erinnere auch an? den Aufsatz „Der neue Jude" m der vorletzten Nummer Z der K. C.-Blätter, in dem dieser Gedanke zum Ausdruck ■ kommt. Hier haben wir einmal so günstig liegende Ver- : hältnisse, und da soll ein Keil zwischen jüdische und christ- : liche Studentinnen geschoben werden, denn wenn einmal ein jüdischer Verein da ist, werden sich vielleicht die sich Z ihres Judentums bewußten Studentinnen zum Eintritt 8 verpflichtet fühlen. Und nicht nur das! Sobald Studen- - tinnenvereine mit K- C.-Tendcnz entstehen, werden sich 1 die Zionisten ebenfalls bemühen, zionistische Vereine ins ß Leben zu rnfen, wie eS tatsächlich schon in München ge- ' schehen sein soll, und es wird die häßliche Spaltung i zwischen Zionisten und Nichtzionisten in die jüdische; Studentinnenschaft getragen, wo sie glücklicherweise bis ) jetzt noch nicht besteht. Ich hoffe, überzeugend dargelegt zu haben, daß die Notwendigkeit zur Schaffung rein jüdischer Studentinnenvereine nicht besteht, ja daß der Idee der Gleichberechtigung und damit der K- C.-Tendenz mehr gedient ist, wenn wir in engem Zusammenschluß mit unfern christlichen Kommilitoninnen bleiben, als wenn wir uns künstlich von ihnen trennen. Edith Peritz, cand. med. (Breslau). Erwiderung. i Unsere Kartellschwester Edith Peritz hat eine Angelegenheit behandelt, die eigentlich längst erledigt ist. Für den K.C. seit seiner Gründung! Denn was! an Argumenten für die paritätische Vereinigung hier vorgebracht wird, wurde einst auch der alten Viadrina ■ und dann dem K. C. vorgehalten! In einer Welt von j Engeln würde Edith Perms Aufruf berechtigt erklingen, bei uns Menschen ist die Praxis aber anders! Die beste z Antwort gibt daS vorliegende Heft, daS unS von der Z Berliner Studentinnenverbindung Hevellia, die K. C.- :j Tendenz aufweist, berichtet. Das Münchener Beispiel hat gewirkt. Nachdem es überall schon zionistische Studentinnenoereine gibt, werden sich auch die deutschgesinnten , weiblichen Kommilitonen jüdischen Glaubens allenthalben organisieren, und das tun sie nicht aus Ucbcrmut, sondern weil es immer mehr sich als dringend erforderlich hcrausstellt. Der unnachsichtliche Kampf gegen alles Paritätische im akademischen Verbindungswesen muß auch den Frauenvereinen gelten, selbst wenn in ihnen vorläufig noch wirkliche Parität herrschen sollte und sie demgemäß nicht, wie die Studcntenvereine dieser Art, Brutstätten der Gleichgültigkeit und des Abfalls sind. Tenn man kann solche Probleme nicht lokal lösen. Wenn die Studenten jüdische Verbindungen gründen, wenn unser Recht im jüdischen Zentralverein verfochten wird, wenn wir unS gesellschaftlich in jüdischen Logen vereinigen, um von vielen anderen Dingen nicht zu reden, dann darf man nicht für das kleine Teilgebiet der Studentinnen sich trennen und erklären, daß hier Abschluß schädlich sei. Muß man immer abworlen, bis der Antisemitismus da ist? Abgesehen davon, daß er bei den Frauen schon vorhanden ist — nur einer von vier Verbänden nimmt noch Juden auf und in ihm mehren sich die Zeichen drohender gänzlicher „Verjudung" — gelten diese Argumente ebensolange, bis die Frauen die .Höhe" ihrer männlichen Kommilitonen erreicht haben, also vielleicht noch zwei bis drei Jahre? Und was dann? Dann haben die Nationaljuden, die früher als wir aufstehen, die Positionen besetzt. In der kleinen Stadt stoßen wir beim Werben für den Zentralverem oder die Loge auf folgende Beweisführung: „Antisemitismus?" Gibt eS nicht! Wir spüren hier nichts! Kommerzienrat Meyer ist Stadtrat, und ich bin im Vorstand vom vornehmen Geselligkeitsoercin „Kasino". Solche Krähwinkelpolitik darf auf akademischem Boden nicht getrieben werden. Wenn die Studentinnen es auch nicht — noch nicht — merken, notwendig ist auch bei ihnen der jüdische Verein durchaus, denn die Feuerwehr muß schon eingerichtet sein, bevor der Brand ausgebrochen ist. Edith Peritz redet von „gemeinsamen" Aufgaben aller Studentinnen. Ja, erkennen denn die antiscmlttschen und christlichen Damen der drei Verbände diese nicht auch an und arbeiten sie nicht für sie? WaS sollte die organisierten Jüdinnen hindern, es gleichfalls zu tun? Und warum erkennen jene Edith Peritzs Argumente nicht an und schließen Jüdinnen aus? Hier scheint doch wohl etwas nicht zu stimmen. Oder muffen wieder ausgerechnet die Jüdinnen das gefährdete allgemeine Jntereffe retten? Was tut der paritätische Verein für die jüdischen Probleme? Erzieht er seine jüdischen Mitglieder zu selbstbewußten Juden? Erweckt er Jntereffe für die jüdische Vergangenheit und jüdische Zukunft? Vermittelt er jüdische Kenntnisse? Ich fürchte sehr, daß man auch bei den paritätischen Studentinnen ebenso scheu und schnell über alle diese Dinge hinweghuscht wie bei den paritätischen Jünglingen, deren Vereine — nach Edith Peritz — „eines aufrechten Juden nicht würdig sind". Und die kostbare Zeit der Jugend darf nicht ungenutzt verstreichen. Junge Juden muß man aber in der Jugend erfassen, erziehen und festigen. Und der parilätische Verein verhindert diese Arbeit zum mindesten, wenn er die junge Seele nicht für jüdisches Denken und Wollen ganz unempfänglich macht. Die ganze Beweisführung von Edith Peritz, die ja eine eifrige Verfechterin deS K. C -Gedankens ist, beruht darauf, daß es bei den Frauen nicht so böse sei wie bei den Männern. Die Studentenverbindungen seien eben mit Vorurteilen und Uebcrliefer ungen belastet! DaS ist nun zunächst ein Irrtum, denn wenn eS nach den Ueber- Ueferungen der Burschenschaften beispielsweise ginge, würde sie durchaus liberal sein! Nach meinen Nachrichten sieht sie aber auch sonst zu rosig, macht doch die antisemitische Bewegung in der Studentinnenwelt riesige Fortschritte. Darüber aber wird sie bestimmt mit mir einig sein, daß die dahingehende Tendenz — flehe den % r, I r