KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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bindungsstudcntenlebens fügen zu wollen. Sie müssen wir zu den Kliegsansfällen rechnen, die wie jeder andere Verband auch der K. C. erlitten hat. So manch einer käme aber an sich gern zur Verbindung, er will aber die im Kriege allzulang entbehrte geistige Nahrung nun in doppelten Zügen in sich aufnehmen und erblickt daher in den studentischen Kneipereien mit dem manchmal darauf folgenden Studentenrausch ein unwillkommenes Hindernis. Wieder anderen hat der Krieg feste, ernste Prinzipien eingeprägt, und durch irgendein abschreckendes Beispiel „belehrt", erblicken sie im Alkohol den Todfeind. In diese Reihe gehört ein junger Krieger, dem zur Bekanntmachung mit unserem Verband die K- C. Blätter regelmäßig zugeschickt worden sind. In seinem Dankschreiben führt er ü. a. ans: „Davon, daß alle Juden, d h. alle dcutschnationalen, unbedingt ziisammenhalten müssen, mar ich längst überzeugt, schloß mich daher auch sehr früh dem Zentralverein an. Dem K. C. mich freilich ohne Vorbehalt anzuschließen, vermag ich nicht. ... Dem Jlldcntum ein Opfer zu bringen, wäre ich gern bereit, wenn ich es für nötig erachten würde. Weshalb aber sollte ich dafür meine Abstinenz au'gebcn. wo ich überzeugt bin, daß ich auch so für bas Judentum tatkräftig kämpfen kann, wie ich es schon bisweilen getan habe? ... Sollen wir alle diejenigen laufen lasten, die im Prinzip unseren Bestrebungen huldigen, die aber von unseren studentischen Gebräuchen einen einzigen, den des Kneipens, nicht mitmachen wollen? Schon wer den vorstehenden Brief gelesen hat, muß zugeben, daß dem K. C. dann manche Kraft verloren ginge, die sich zu einer gefährlichen Gegnerschaft auswachsen könnte. Indifferenz und glatter Durchschnittsgeist stellen keine Grundsätze auf, an denen sie hartnackig festbalten, daß lut nur der schon gefestigte Charakter und Energie. Leute mit solchen Eigenschaften adzuweisen, kann aber der K. C. sich einfach nicht leisten, und zwar um so weniger, als die Zukunft die Behauptung des selbstbewußten "Judentums auf deutsch vaterländischen Boden durch die politischen Gegenströmungen im eigenen Lager noch bedeutend erschweren wird, ganz zu schweigen von den Anfeindungen, denen das Judentum und damit auch der jüdische Student von seiten der durch die politische Umwälzung Ausgeschalteten ausgesetzt sein wird. Je stärker in solchen Zeiten der K. C. an mannhaften Charakteren ist, um so mehr kann er leisten in -seinem Kampfe um sein gutes Recht. Der Trinkkommcnt ist zweifellos ein wesentlicher Bestandteil studentischer Gebräuche, wesentlich zur Hebung der Kameradschaftlichkeit und als Auslösung jugendlich überschäuincnder Lebensfreude. Für den K C. ist er daneben noch ein Teil der Tendenz, zu beweisen, daß der jüdische Student auch in diesem Punkte dieselbe Klinge schlagen kann, wie jeder andere, und kein Knacker ist. Aber der wesentlichste Bestandteil des Sludenientums ist der Trinkkomment nicht und wird in Zukunft noch um so mehr an Bedeutung verlieren, als das Sludententum zweifellos immer mehr an geistiger Vertiefung gewinnt und sich der sog. ästhetischen Richtung zukehrt. Darum kann auch der K. C. auf diesen Punkt seines Tendenzprogramms immer mehr verzichten. Jndeffen bleibt aber folgendes zu berücksichtigen. Die große Mehrzahl aller Studenten wird auch in Zukunft manch fröhliche Stunde beim Glase Bier verbringen. Die Anwesenheit weniger Antialkoholiker wird ihnen die Freude am Biere nicht rauben, wie auch diese den Andersgesinnten ihre Bierfröhlichkeit nicht verargen werden. Ein gutes Auskommen beider Richtungen miteinander ist also sicher, die Gefahr gegenseitiger Bekämpfung ist ebensowenig gegeben, wie die Gefahr, daß künftige Stiftungsfeste im Milchhäuschen abgehalten werden müßten. Der Streit über den Alkohol wird bald verstummen gegenüber den großen idealen Bestrebungen des gesamten Studentenwesens und insbesondere des K. C. Darum darf keiner ausgcschlosten werden, selbst wenn er der geschworenste Feind jeden Tropfens Alkohol Rechtsanwalt vr. Sewald Jaffe (Lic.) Düsseldorf. Stndcntlnncnvcreine mit K. G.-Hcndenz. Auf dem diesjährigen K. C -Tage ist der Gedanke eines Slndentinnenverems nrit K. C -Tendenz besprochen und seine Ausführung als erstrebenswert erachtet worden. In München rvar sevon irn Sornmerseinester mit Unterstützung der Licaria ein derartiger Verein ins Leben gerufen und vom Rektor genehmigt worden. Seine Hauptaufgabe war, die jüdischen Studentinnen zu positiver jüdischer Arbeit auf deutsch-vaterländischem Boden anzuhalten. sie mit jüdischen Fragen und Problemen vertraut zu machen. Trotzdem ich persönlich eine eifrige Verfechterin des K. C.-Gebankens bin urrd die paritätischen Vereine der Studenten als eines aufrechten Indens nicht würdig erachte. halte ich spezifisch jüdische Vereine für Studentinnen für vollkommem unangebracht, einerseits im Jntereffe der Studerrtinnenschaft. arrdererscits, und was auch im Rahmen dieser Ausführung besonders wichtig erscheint, vom Standpunkt unserer Austastung vom Judentum betrachtet. Den ersten Punkt möchte ich. trotzdem er eigentlich nicht hierher gehört, ganz kurz streifen, da er zrrm Verständnis der Verhältnisie beiträgt. Die Studentinnenschaft hat eine gemeinsame Ausgabe. die sie, ganz im Gegensatz zur Studentenschaft, zusammenhält und zu gemeinsamer Arbeit und gemeinsamem Vorgehen zwingt, das ist der Kampf um die Gleichstellung mit den nrännlrchen Kommilitonen, die zum großen Teil erreicht, aber noch immer starken Angriffen ausgesctzt urrd noch nicht ganz gesichert ist. So "sind die vier^ großen Verbände der Strrdentinnenvereine im Begriffe, sich zu diesem Zwecke zu einer losen Arbeitsgemeinschaft zusammenzufchließen. Es geht durch die Studenlinnenschaft ein Bestreben der Zusammenfaliung aller Kräfte, und es wäre töricht, eine Zersplitterung wünschen zu wollen. Und nun der für uns wichrigere Punkt. Ein spezifisch jüdischer Verein muß dort, wo er nicht durch ein spezifisch jüdisches Programm oder durch Absperrung anderer gleichartiger Vereine notwendig wird, der Idee der Gleichberechtigung schaden. Tie beiden Vorbedingungen sind nicht gegeben. Die Beschäftigung mit jüdischerr Problemen allein kann nicht den Inhalt eines Studenrinnenvereins ausmacherl. Das gehört in die jüdischen Jugendvereine, die überall vorhanden sind, dazu braucht man keinen besonderen Verein der Studentinnen. Und selbst wenn man einem solchen Verein seine Berechtigung nicht versagen wollte, so wäre doch der'Schaden, den er der Gleichberechtigungsldee zuiügt. groß genug, um den Tlutzen aufzuheben. In Sludentinnenkreisen herrscht kaum Antisemitisnms. Abgesehen davon, daß der gemeinsame Kampf, die gemeinsame Aufgabe, wie vorhin schon angedeutet, einen solchen Luxus nicht zuläßt, sind die Studentinnen modernere Menschen, die, frei von Vorurteilen, ihre Mitmenschen nach dem Wert ihrer Persönlichkeit und ihrem Verdienst beurteilen. Sie sind nicht wie ihre männlichen Kommilitonen durch die Ueberlieferung ihrer Korporation in alte Vorurteile gedrängt