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KC-Blätter · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 12

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Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 ziehen. Wie aber eine Zeitschrift, die verständig sein will, j derartige Dummheiten aufnehmen konnte, würde unvcr-! stündlich sein, wenn man nicht wüßte, daß gewissen Leuten i kein Mittel zu töricht und zu schlecht ist. wenn es nur ' der Hetze gegen das Bestehende dient. Artikel wie den j vorliegenden zu veröffentlichen bedeutet schon nicht mehr j harmlose Narretei, es ist einfach gemeingefährlich. ZuKunftsfraiM im K. G. Don Zahnarzt Hans Scherbe! (Saxobavariae).! Den im Wirbel der Revolution zusammengebrochcnen „guten alten" Zeiten eine Träne der Wehmut nachzuweinen, wäre wohl vergebene Mühe. Wir Deutsche und Jf. C er müssen uns nur der veränderten Lage absindcn. Wenn wir auch manches Vergangene vermissen und in der Erinnerung loben, manches ist auch verschwunden, j was längst zum alten Eisen gehörte und was nur durch j Pietät und Tradition vielleicht zu lange gehalten wurde. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Revolution nicht spurlos an den Korporationen vorübergehen wird und daß wir ihre Erscheinungen sowohl im inneren als auch im äußeren Verbindungsleben fühlen werden, ja sogar schon fühlen. Gewiß gilt das weniger für die Tendenz. Der Antisemismus ist in Deutschland trotz der großen Opfer verluden nicht allein nicht zurückgegangen, sondern er erhebt jetzt sein Haupt drohender wie je zuvor, und wir werden in der Zukunft noch schwere Kämpfe auszufechten haben. Da jedoch die wirtschaftlichen Fragen den einzelnen jetzt mehr betreffen und die gesellschaftliche Sonderstellung verwischt werden wird, glaube ich. daß der Kampfplatz nicht so sehr in der Studentenschaft als in der breiten Oeffentlichkeit liegen wird. In der Frage der Stellung des K. C. zum Zionismus werden wir in den bisherigen bewährten Bahnen wciterschreiten. Ein Eingehen auf die wichtigen und interessanten Probleme, die uns der Zionismus unter der jetzigen veränderten politischen Lage bietet, würde zu weit führen und auch nicht in den Rahmen dieser Betrachtung gehören, die auf das äußere Verbindungsleben hinzielcn. Im Gegensatz zu den Tendenzfragen werden wir in den Kommentfragen (im weitesten Sinne) unsere Stellung merklich revidieren müssen. Hier ist die Revolution mit zwei Punkten des Studentenlebens in Konflikt geraten: dem Duell. und dem Bierkomment. Die herrschende demokratische Richtung steht beiden Dingen feindlich gegenüber. Von der Sozialdemokratie ist bekannt, daß sie das Duell in jeder Form auf das schärfste verurteilt. Es sind natürlich reinpolitische Gründe, die sie hierzu bewegen. Jedenfalls können wir mit Sicherheit annehmen, daß von dem Mensurbetrieb, wie wir ihn vor dem Kriege gehabt haben, in der Zukunft nicht viel übrig bleiben wird. Das geht schon daraus hervor, daß verschiedene alte Verbindungsstudenten, die jetzt in der Regierung sitzen, ihre Verbindungen auf eine Revision des Prinzips der unbedingten Satisfaktion drängen und geraten haben, in der Mensurftage sehr vorsichtig zu sein. Wir müssen abwarten, wie sich diese Dinge in der nächsten Zeit entwickeln werden. Wir können und werden diese Fragen nur in Uebereinstimmung mit den andererr schlagenden Verbänden lösen, aber zu Aenderungen wird es gewiß ^kommen.' .Auch (der Bierkomment hat durch die Revolution einen schweren Stoß erlitten, allerdings ist das auch eine Erscheinung des langen Krieges. Vieles sieht heute bei Kriegsbier kindisch und verrückt aus, was wir früher in heiterer Laune gern mitgemacht haben. Die schweren Jahre sind nicht spurlos an uns vorübergegangen. Wo immer ftohe Studenten zusammensitzen werden, wird auch der Alkohol nicht fehlen, aber die Trinksitten muß der Geist und nicht die Form beherrschen. Deswegen soll nicht der Abstinenzbewegung das Wort gesprochen weiden. Bierkomment und Mensur, soweit sie nicht zur Bekämpfung des Antisemismus diente, waren uns in erster Linie Mittel zur Erziehuitg unserer Mitglieder. Wenn nun diese Erziehungsmittel fortfallen oder wesentlich eingeschränkt werden, was haben wir als Ersatz? Bei der Beantwortung dieser Frage drängt sich uns der Vergleich mit den außcrdeutschen Studenten auf, die besonders in England ihre Korporationen auf dem Sport aufgcbaut haben und uns darin weit voraus sind. Wohl ist mir bekannt, daß auch unsere K. C.-Verbindungen, dem Sport nicht verständnislos gcgenübergcstandcn haben (ich verweise auf die Ausführungen meines Bbr. Werl in den K. C.-Blättern über das Rudern), aber es war doch immer nur das Bestreben einzelner. Die Verbindung und der K. C. nahmen keine Stellung dazu. Wir müssen den Sport in der Zlikunft viel intensiver betreiben. Besonders fehlte bisher immer das stärkste Mittel zum Sportanreiz: der Wettbewerb unter den Korporationen. Nur wenn wir die Ausübung des Sports in unser Programm ausdrücklich aufnehmen, werden wir etwas leisten und zugleich auch das Mittel haben, das wir suchen als Ersatz für die durch die Revolution verloren gegangenen Methoden zur Erziehung unserer jüngeren Mitglieder. Ich möchte mich nicht auf eine bestimmte Sportart festlegen, es spielt da der persönliche Geschmack, die Kostenfrage und die Eigenart des llnioersitätsortcs viel mir, auch halte ich das für nebensächlich. Das Turnen rechne ich mit unter die Sportarten. Um den Wettbewerb, den ich für das wichtigste Mittel zum Sportanreiz halte, einzuleiten, möchte ich vorschlagen, daß alljährlich, vielleicht zum K. C.-Tag eine Sportmeisterschaft des K. C. im Einzelspiel und zwischen den K. C.-Korporationen ausgetragen werden soll. Der erste Preis (am besten einen Wanderpreis) wird vielleicht vom G. A., die nächsten Preise werden sicher von sportbegeisterten Alten Herren gestiftet werden. Natürlich kommen hier mehrere Sportarten in Betracht, z B. Ttlrnen, Rudern, Schwimmen. Tennis usw. Meine Ausführungen erheben auf Vollständigkeit keinen Anspruch, sie sollen nur eine kurze Anregung sein. Wollen wir auch für die Zukunft lebensfähig bleiben, so müssen wir uns mit Tatsachen abfinden und uns den bestehenden Verhältnissen anzupassen suchen. Dinge, die nicht mehr in unsere Zeit pasten, weiter fortzuschleppen, ist Energievergeudung. Es handelt sich um unsere Zukunft und auch in Korporationsfragen ist Stillstand Rückschritt. Ale Aufnahme vorrAntiakkoholikern in den K. K Die großen Umwälzungen im Reiche, die nicht nur da? Schicksal der Staatsgesamtheit betreffen, sondern tief in das Einzelleben jedes Staatsbürgers eingreifen und Zweifel und Fragen aufwerfen, die meist Lebensfragen sind und daher die ganze Erwägungskraft und Entschlußfähigkeit erfordern, lagen Fragen wie die hier aufgeworfene als nicht brennend erscheinen. Das ist zweifellos richtig, aber man muß nicht alle Fragen unbeantwortet lassen, bis sie brennend geworden sind, ihre Beantwortung erheischt vielmehr schon der Augenblick, in welchem sie zeitgemäß geworden sind. Zeitgemäß ist die Frage der Aufnahme von Antialkoholikern gerade im gegenwärtigen Augenblick geworden. Die allgemeine Demobilisierung macht manchen jungen Mann frei, der jetzt der Universität zustrebt. Manche von ihnen, werden in den langen Kricgsjahren zu alt geworden sein, um sich dem Zwange des Ver-

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