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KC-Blätter · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 9

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Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 gegangen, während der jüdische Staat in der Hand der Römer war. erkennt das Urchristentum sowohl den jüdischen Gottesgedanken wie das Ideal des Gottesreiches an und behauptet nicht, in dieser Hinsicht anderes zu lehren. Wohl aber hinsichtlich des Weges seiner Verwirklichung. Während die Propheten Staat und Gesellschaft, Politik und Recht den sittlich-religiösen Forderungen unterstellten und den Bestand des Staates an die Erfüllung dieser Forderungen der Treue, Gerechtigkeit und Liebe knüpften, haben für das Evangelium die öffentlichen Institutionen in Staat und Gesellschaft ihren Wert verloren, zieht sich das Evangelium von dem Staat und seinen Einrichtungen zurück und verlegt das sittliche Ideal des Gottesreiches ausschließlich in die Seelen der einzelnen Individuen. Dadurch kommt in das Urchristentum der Zug von Weltfremdheit und Wellabgeschiedenheit, der sein hohes ethisches Ziel der Heiligung der Persönlichkeit außer Beziehung bringt zu den irdischen Grundlagen des menschlichen Lebens in Besitz. Familie. Gesellschaft, Staat. Die zur Staatskirche aufsteigende christliche Religion hat dieses Ideal des Evangeliums nicht festgehalten, sondern nach der Herrschaft über den Staat gestrebt und diese erreicht. Die mittelalterliche Kirche hat die Weltherrschaft innegehabt und Staat, Recht. Sittlichkeit, Wirtschaftsleben, Bildung nach ihren Dogmen durch ihren Priesterstand zu lenken gesucht. Die mittelalterliche katholische Kirche bedeutet ihrer Idee nach die Einheit der Menschheit auf kirchlich-dogmatischer Grundlage. Durch Renaissance, Reformation, die Begründung weltlicher absoluter Staaten ist diese Herrschaft der Kirche aufgelöst worden. Es entwickelte sich ein freies Wirtschaftsleben, eine kirchenfreie Wissenschaft, Kunst, Philosophie. Träger dieser Bildung und der neuen Wirtschaftsgesinnung ist das Bürgertum, das schließlich auch die Regierung der Staaten mehr oder minder in seine Hand nimmt. Die Demokratie stndet vor allem ihr Schwergewicht im englischen Weltreich, wo die Ideen religiöser, wirtschaftlicher, politischer Freiheit Grundlage des persönlichen und öffentlichen Lebens werden. In der Freihandelslehre gewinnt dieses System des bürgerlichen Liberalismus seinen Abschluß und scheint die Einheit der Menschheit auf ihrer Freiheit, wie sie in den Menschenrechten formuliert wird, begründet. Doch das 19. Jahrhundert erzeugt, zwei furchtbare Gegner dieses Liberalismus. Die Konstituierung von Nationalstaaten außerhalb des englischen Weltreiches zerreißt die wirtschaftliche und geistige Solidarität der Völker und führt in der Errichtung von Zollschranken usw. zur neo-merkantilistischen Förderung der nationalen Wirtschaft, in der Begründung der nationalen Geschichtswissenschaft zur Erfassung und Pflege der nationalen Eigenart. Der zum Imperialismus sich entfaltende Nationalismus bedroht den Frieden und den Kulturzusammenhang der Welt. Die nationale Idee in ihrer Steigerung zu rücksichtslosem Imperialismus vernichtet die Idee der Menschheit. Und andererseits erweist sich, daß die absolute wirtschaftliche Freiheit nicht den inneren Frieden und das Glück der Völker begründet. Im Gefolge der siegreichen kapitalistischen Wirtschaft erhebt sich der Schrecken der durch diesen Kapitalismus um ihre wirtschaftliche Selbständigkeit, Eigentum, Familie, alle menschlichen und bürgerlichen Rechte gebrachten arbeitenden Bevölkerung, im Gefolge des Liberalismus erhebt sich die soziale Frage. Die ihrer Lage sich bewußt werdenden Arbeiter erkennen die Gleichheit ihres Loses in aller Welt. Die Internationale des Proletariats erhebt sich gegen die Internationale des Kapitalismus. Die Einheit der Menschheit auf Grundlage einer umfassenden sozialen Organisation wird hier das heißersehnte und mit den Mitteln des politischen Realismus angestrebte Ziel. In der Not des Vaterlandes und den Opfern für das eigene Volk ist die Liebe zum Volkstum vertieft, der nationale Gedanke unvergänglich geworden. Die furchtbaren Verwüstungen des Weltkrieges haben aber zugleich die Zerstörung gezeigt, die der Imperialismus an der Menschheit zu verüben vermag. Die Idee eines Völkerbundes ist das Ideal der tiefgequälten Menschheit geworden. Eine gerechte Organisation der Völker soll der wilden nationalen Selbstsucht Schranken setzen, eine soziale Gesetzgebung der Staaten den Gegensatz von Bürgertum und Arbeiterschaft überwinden und die wahre Einheit des Volkes begründen helfen. Die Einheit des Volkes, die Einheit der Völker unter dem Ideal der Gerechtigkeit ist die Forderung unserer Zeit, war die Forderung unserer Propheten. Wer könnte diesem Ideal seine Gefolgschaft versagen! Acr Zionismus und die deutschen Juden. Der Verband der deutschen Juden und der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens geben eine Erklärung ad, in der sie versichern, daß die Juden Deutschlands keine völkische, sondern nur eine konfessionelle Gemeinschaft bilden und unlösbar mit dem deutschen Volke verbunden seien; die Zionisten, die das bestreiten, bilden nur einen kleinen Bruchteil der Juden Deutschlands. Die Organisationen meinen es nun zweifellos mit ihren Stammesgenopen sehr gut. Sie haben die Absicht, das Recht der Juden auf vollständige staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu erweisen. Das kann wirklich nicht schwer halten; aber man darf sich nicht zu dem Zweck in eine falsche, unhaltbare Position begeben, in der man seinen Feinden bedenkliche Angriffsflächen bietet

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