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KC-Blätter · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 8

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Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 an das Judentum. Wer sich nicht zum jüdischen Volke bekenne, trenne sich von der jüdischen .Gemeinschaft!! Nicht scharf genug kann dieser frivole und überhebliche Versuch einer Spaltung zurückgewiesen werden. Wir können von einem „jüdischen Volke" leider heute nicht mehr sprechen, wie es in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten unbedenklich geschehen konnte, weil in das Wort „Volk" ein politisch-nationaler Sinn hineingelegt worden ist. Wir reden von der jüdischen Gemeinschaft und verstehen darunter jene Masse, die durch die Vergangenheilswerle gemeinsamer Abstammung, gemeinsamer Geistes- und Leidensgeschichte wie durch die Zukunflswerte gemeinsanrer religiöser Ideale zusanlniengehalten wird. Zu dieser jüdtschen Gemeinschaft bekennen wir uns, dieser jüdischen Gemeinschaft, ihrem Bestehen und ihrer Zukunft, sowie jedem einzelnen Gliede, glauben wir den besten Dienst dadurch zu erweisen, daß wir uns nicht von den Tagesereignissen locken lassen, daß wir die nationale Lösung der Judenfrage, insbesondere in den Niederlassungsländern, bestimmt ablehnen. Verräter am jüdischen Volke nennt man uns. Eine Parallele fällt uns ein. Als einst der falsche Messias Sabbatai Zwi mit seinen magischen Lockuitgen das Judentum außer Rand und Band gebracht hatte, da mag man jene kühlen und nüchternen Männer, die nicht mit der Zeit und ihrer Beweguttg gingen, als die Verräter am Judentuin empfunden und gebrandmarkt haben. Sie haben aber trotzdem recht gehabt und wir danken es ihnen heute. Eine spätere Zeit wird auch uns vielleicht danken; denn wir, die wir unbeirrt nur an eine religiöse Zukunft unserer Gemeinschaft glauben und demgemäß handeln, wir werden recht behalten. ' Und traurig ist es nur, daß, bis diese Wahrheit sich durchgesetzt haben wird, unendlich viel jüdische Kraft sich in gewiß idealer Hingabe nutzlos weggeworfen haben wird. vr. Felix Goldmann (Thur., Soxo-Bav.). HcschichtedesIlenschyeitsgedankcns. Von Di-. Albert Lewkowitz. Dozent am jüd. thcot. Seminar in Breslau. In dem Zusammenbruch der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung, die das Fundament unseres bürgerlichen Lebens gewesen, der Wehrlosigkeit, mit der unser Vaterland dem Willen unserer Feinde ausgeliefert ist, rettet uns eine Hoff, nung vor Verzweiflung, die Hoffnung, daß nicht rohe Willkür von außen, Selbstsucht und Anarchie im Inneren die Herren Deutschlands werden können, werden dürfen, die Hoffnung, daß die Menschheit nicht auch im Frieden einander vernichten, sondern daß in Wahrheit eilt Wiederaufbau der Menschheit auf dem Fundament der Gerechtigkeit beginnen werde. Der Gedanke der Einen trotz aller nationalen Unterschiede der Völker und bürgerlichen Unterschiede der Klaffen doch einheitlichen sittlichen Ideen verpflichteten Menschheit ist die Hoffnung und das Ideal nicht allein unseres so schwer getroffenen Volkes, sonderir der überall so tief gequälten Menschenwelt. Wohl, daß die Sieger im Siegesräusche zunächst die schweren Wunden nicht gleich stark wie wir empfinden werden, die auch sie erhalten haben: die blutige Ernte des Todes unter ihrer blühenden Jugend, die Zerstörung wirtschaftlicher Gitter. die Vernichtung des Vertrauens zwischen den Völkern, das Meer von Haß, das nach dem Meer von Blut zurückgeblieben ist. Doch wenn Europa, wenn die Welt nicht ihren Kulturzusammenhang völlig zerreißen will, wenn sie eingedenk ist der sittlichen Ideen, die höher stehen als nationale Imperialismen, muß die Idee der Menschheit gerade den Siegern das Fundament des Neu aufbaus der Welt bedeuten. An den Siegern liegt es nun zu beweisen, ob sie in Wahrheit für die Sache der Menschheit den Krieg geführt haben. Auch an den in unserem Staate jetzt siegreichen Klassen, ob sie gewillt sind, eine Diktatur der Klasse oder die Herrschaft des freien Volkes aufzurichten. Das neue Zeitalter wird unter der Idee der Menschheit seiner Erneuerung, oder unter dem Kampf der Macht seiner Vernichtung entgegengehen. Unsere Pflicht als deutsche Juden ist es. zu wissen, daß es die jüdische Religion war. die der Welt das Ideal der Einen Menschheit gegeben, daß es unsere Propheten gewesen, die in der unerhörten Stärke und Reinheit ihres sittlichen Empfindens mit den Göttern der heidnischen Völker auch ihre Greuel in Kult, Staat und Gesellschaft verwarfen und das Ideal der unter dem Einen heiligen Gott in Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe geeinten Völkerwelt aufgerichtet haben. Das Reich Gottes auf Erden nannten sie die Ueberwindung der Gewalt und Unterdrückung durch Frieden und Gerechtigkeit. Von Israel ist der Gedanke des Gottesreiches ausgegangen als des höchsten Ideals unserer Religion. Und wie der Gedanke des Einen Gottes ist Israels prophetisches Ideal der Menschheit, des Gottesreiches auf Erden, in allen Weltreligionen, in der allgemeinen Entwicklung der Kultur festgehalten worden. Die Wandlungen dieses Ideals des Menschheirsgedankens im Laufe der Zeiten seien in den entscheidenden Zügen gekennzeichnet.MW V. Es ist nicht angängig, das Christentum tn seiner nahezu zweitausendjährigen Geschichte einheitlich zu beurteilen. Aus dem Judentum in der Zeit der nationalen Unselbständigkeit hervor^

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