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KC-Blätter · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 7

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Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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T es rund herauszusagen, daß der Anschluß an den jüdischen Volksrat der weniger gefährliche Weg sei! Aber sie können und werden sich wohl ganz gewaltig irren. Was ist der jüdische Volksrat in Posen? Was ist er selbst in Verbindung mit allen anderen Volksräten? Wird er imstande sein, seinen Anhängern einen größeren Schutz zu gewähren, als den seine Macht tatsächlich besitzt? Und diese Macht besteht einfach nicht. Im Augenblick. da die Polen den deutschen Gegensatz zugleich mit der deutschen Schwäche spüren, mag die Angehörigkeit zum jüdischen Volksrat, auf den die Polen zurzeit weniger achten, bequemer erscheinen. Aber es kommt noch anders! Deutschland ist gewiß ein verwundeter Löwe, aber kein sterbender. Es wird sich wieder aufraffen, und das neue demokratische Deutschland wird den Schutz, den es seinen Bekennern im Auslande angedeihen läßt, nicht von konfessionellen Gesichtspunkten abhängig machen. Würden sich die Posener Juden, wie es ja ihrer kulturellen Eigenart entspricht, rückhaltlos, womit selbstverständlich nicht „herausfordernd" und ^demonstrativ" gemeint ist, der deutschen Minderheit anschließen, so würden sie in späteren Zeiten auf denselben starken Schutz rechnen können, den die christlichen Deutschen bestimmt genießen werden. Dem jüdischen Volksrat sich anschließen, nationale Autonomie verlangen, sich das Recht durch internationale Abmachungen garantieren lassen, das sind alles Dinge, die sich theoretisch wunderschön anhören und praktisch auch nicht für einen.Pfennig Wert besitzen. Der zweite ungeheure Fehler der nationalen Autonomie liegt gerade für die Juden darin, daß sie letzten Endes trotz aller Klauseln doch eine Erklärung darstellt, nach der der Jude Ausländer ist. In Verbindung mit der Errichtung eines Staates in Palästina wird an dieser Tatsache nicht zu rütteln sein. Die Juden werden optieren müssen! Wer Ausländer ist, ist aber in der Praxis minderen Rechts. Die entstandenen nationalen Staaten, der polnische, der ukrainische, der tschecho-slowakische, der südslavische, der ungarische, der litauische und wie sie sonst alle heißen mögen, werden, selbst wenn sie, was ja noch gar nicht feststeht, den Willen dazu haben, staatsbürgerliche und nationale Rechte streng voneinander zu sondern gar nicht in der Lage sein. Im tschechischen und polnischen Staate werden — wie in anderem Zusammenhänge bereits ausgeführt worden ist — eben nur diejenigen, welche sich zur tschechischen oder polnischen Nation bekennen, in der Praxis Anteil an der Verwaltung haben. Selbst wenn die Staatsgrundgesetze etwas anderes darüber sagen, kann es keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß die staatsbürgerliche Gleichberechtigung nur denen zuteil werden wird, die sich national einfügen. In diesem Punkte steht es noch schlimmer als mit dem Schutze von Leben, Eigentum und Ehre. Denn hier wird jeder nationale Staat einfach alle anderen ausschließen. Die Ungarn werden keine Tschechen, die Tschechen keine Polen und die Polen keine Ungarn an der Leitung der Geschicke des Landes teilnehmen lassen. Das bedeutet aber, daß Juden, die zu einer nationalen Minderheit sich bekennen, zu Parias. herabgedrückt werden, da sie überall vom Staatsleben ausgeschloffen sein werden. Wie sehr dies, sich auch auf wirtschaftliche Fragen erstreckt, und was das für das Wohlergehen der Juden bedeutet, braucht gar nicht hervorgehoben zu werden. Die polnische und tschechische Boykottbewegung steckt heute erst in den Kinderschuhen. Wenn die nationale Autonomie die Minoritäten, deren Berechtigung bei Splittern starker Gemeinschaften gar nicht angezweifelt werden sollte, auch den Juden zuteil werden sollte, so fürchten wir sehr, daß es der Anfang einer furchtbaren Katastrophe werden könnte. Seien wir uns darüber klar. Man hat bisher im nationaljüdischen Lager eine Politik der Demonstration und Illusionen getrieben. Die Tatsache, daß heute die Palästinafrage aus diesem Stadium herausgetreten und zu einer praktischen Angelegenheit geworden ist, beweist noch lange nicht, daß die Behandlung der Golusprobleme den alten Charakter verloren hat. Früher war sie unschädlich, heute droht sie den schon so unglücklichen Ostjuden die furchtbaren Leiden nur zu verewigen. Es sei ausdrücklich hervorgehoben, daß die Ablehnung der nationalen Autonomie keineswegs eine Aufforderung zur Assimilation darstellt, keineswegs bedeutet, daß die Juden die ihnen besonderen Eigenschaften aufgeben. Die Erhaltung der jüdischen Sprache beispielsweise hat hiermit nichts zu tun. Gibt es doch auch in Deutschland genug Anhänger fremder Sprache — man denke an Wenden und Litauer —, die sich national bisher völlig eingefügt haben. Eins muß deutlich ausgesprochen werden. Wenn auch in der Palästinafrage ein Zusammengehen aller Teile der Judenheit nicht gefährdet ist, das Problem unserer nationalen Zugehörigkeit wird entschieden werden müssen. Es ist nicht unsere Schuld, aber das nationale Judentum stellt uns vor eine Entscheidung: Wir werden uns auf die eine oder die andere Seite stellen müssen, werden erklären müssen, ob wir in nationalen Fragen deutsch oder jüdisch empfinden. Eins aber sei damit betont: daß unsere Zugehörigkeit und unsere heiße Liebe zur jüdischen Gemeinschaft durch die Entscheidung auch nicht im geringsten erschüttert wird. Es ist für uns einfach die Entscheidung zwischen ewigen Werten und solchen politischer Natur. Man hat es in national-jüdischen Blättern gewagt, dem deutschen Juden zu sagen, diese Entscheidung für das Deutschtum bedeute eine Absage

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