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KC-Blätter · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 4

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Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Stunden begriffen, auf welchen Posten wir uns zu stellen haben. Wir wissen, daß wir schwer milzuarbeilen haben werden, auf daß ein neues freies, glückliches, starkes Deutschland sich aus den Trümmern erhebt. Wir K. E.er sind Menschen von den verschiedensten politischen Richtungen. Dem konservativen Charakter der jüdischen Religion entsprechend gibt es unter uns eine große Anzahl von konservaiiv — das Wort ist natürlich nicht im parteipolitischen Sinne zu verstehen — gerichteten Naturen. Viele andere haben sich innerlich wie äußerlich den fortschrittlichen Parteien angeschlossen, und manche mögen auch auf dem Boden der deutschen Sozialdemokraiie gestanden haben. So verschüden wie unsere polnische Stellung niag auch unser Urteil über die Revolution sein. Blanche mögen trotz ihrer freiheitlichen Richtung der gesetzmäßigen Evolution den Vorzug gegeben haben, andere werden die Ereignisse der Revolution als die Vorbedingungen für den künsligen Ausbau eines glücklichen und freien Deutschlands betrachten. W»r können und wollen darum vom Standpunkte des K. C. zu den Ereignissen keine posiiive Stellung nehmen. Die Verschiedenheit der politischen Gesinnung schließt es aus. Dennoch aber dürfen wir auf den einen einigenden Boden Hinweisen. Einig werden wir alle sein in dem Bekenntnis zum deutschen Vaterlande, in dem glühenden Wunsche, ihm zu dienen, in der Hoffnung auf seine künftige Größe. Unbedingt sind damit die Richtlinien für die politische Haltung des K. C.ers gegeben. Wir legen uns auf kein Parteiprogramm fest, aber wir bekennen uns zum Vaterlande! Und gerade jetzt, da dieses Bekenntnis weniger Ehren und Lohn als Blühe und hartes ausdauerndes Arbeiten bedeutet, ist es in seiner schlichten Aufrichtigkeit von besonderem Werte. Vor den großen politischen Forderungen verblassen natürlich die akademischen Soiiderfragen ein wenig. Es ist noch nicht vorauszusehen, wie die Revolution auf das Leben der deutschen Korporationen und auf das Studentenleben überhaupt wirken' wird. Aus äußeren wie aus inneren Gründen ist es nicht nur möglich, sondern sogar wahtscheinlich. daß der gesamte Betrieb tiefgreifende Aenderungen erfährt. Daß ein radikal sozialistisches Slaalswesen die Mensur und das Couleurtragen einfach verbietet, liegt durchaus im Bereiche der Möglichkeit. Andererseits aber wird der Ernst der Zeit auf die Fröhlichkeit des Studentenlebens dämpfend einwirken. Die Notwendigkeit, bald zu einem wirtschaftlichen Ziele zu gelangen, wird auch den jungen Studenten zwingen, mehr Zeit als bisher seiner eigentlichen Ausbildung zu widmen. Die wirtschaftlichen Verhältniffe werden den Studenten veranlassen. mit einem recht knappen Wechsel auszukonunen und so wird es noch viele Umstände geben, die vielleicht auf eine Umwandlung der bisherigen Zustände drängen. Für jene Verbindungen, dte einfach auf dem Prinzip der Geselligkeit beruhen, denen der Korporationsbetrieb Selbstzweck ist, werden diese Fragen erhebliches Kopfzerbrechen bedeuten. Es kann natürlich nicht verschwiegen werden, daß auch im Erziehungssystem des K. C. die scheinbar äußerlichen Dinge, wie unbedingte Satisfaktion. Couleur und Kne'pkomment eine bedeutende Rolle spielen. Hier sind sie aber nur Mittel zum Zweck. Tie K. C.-Verbindungen sind und bleiben in erster Reihe Tendenzvereinigungen, und auch die soeben genannten Erziehungsmittel sind restlos der Teirdenzerziehung untergeordnet worden. Wir haben darum etne feste Grundlage und können den kommenden Dingen mit einer ruhigen Gelaffenheit entgegenschauen. Die K C. Verbindungen haben ihre unendlich großen Aufgaben auch dann noch, wenn ein großer Teil ihrer bisherigen inneren Veiätigungsgediete und Erziehungsmittel ihnen genommen wird. Wir haben es stets betont, daß wir nur ein Teil der deutschen Studentenschaft sind, und in diesem Augenblicke erhält dieser Satz einen praktischen Sirrn. Nicht unsere Aufgabe ist es. voranzugehen und die Grundzüge des künftigen deulscheir Sludentenlebens zu beeinflussen. Wir werden uns nach demjenigen richten, was die großen schlagenden Verbände beschließen werden. Es ist besonders bei unseren zioitistischen Feinden Sitte geworden, den K. C. der Nachäfferei der Korps und Burschenschaften zu bezichtigen. An sich können wir diesen Vorwurf ganz gelassen ertragen. In diesem einen Falle wollen wir ihn aber gern annehmen. Wenn die deutschen Studentenverbände beschließen sollten, die Mensur fallen zu lassen, so wird der K. C. nicht als einziger Verband bei der alten Meinung verharren. Und wenn die Couleur allgemein abgeschafft wird, wird auch der K. C. allein sie nicht beibehalten. Damit ist unsere Stellung zu den Umwälzungen gegeben. Daß wir im übrigen die Pflicht haben, auch am allgemeinen akademischen Leben energisch mitzuarbeilen, ist erfreulicherweise von - allen Korporationen sofort begriffen worden, und sie haben sich in teilweise recht kluger Politik bemüht, in den neuen UnioersilälsauSschüffen Stellung und Einfluß zu gewinnen. Ich persönlich glaube nicht, daß die neue Zeit so umwälzend die Grundlagen unseres studentischen Korporattonslebens verändern wird. Sollte es der Fall sein, so steht schon heute die künftige Richtung des K. C. fest. Neben einer vertieften geistigen Erziehung seiner Mitglieder wird er sich vornehmlich dem Sport in jeglicher Gesta't widmen. Auch für unsere Stellung in jüdischen Fragen

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