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KC-Blätter · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 3

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Journal
KC-Blätter
Volume
1919
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 die geschichtliche Entwicklung bedingten Art der deutschen Judenheit -Rechnung getragen werden mutz. Als selbstverständliche Tatsache wird der tiefgreifende, innere und äußere Unterschied zwischen den östlichen und westlichen Juden feststehen: drüben die kulturell wurzellose Masse, die /oinschaftlich und politisch aus der unmöglichen und unwürdigen Enge hinausstrebt, hier kulturell festverwurzelte Kreise, die auch wirtschaftlich und politisch mit ihrer Umwelt zu einein einheitlichen Ganzen zusammengewachsen sind. Gerade die oben erwähnten neuen jüdischen Tatsachen der Weltgeschichte sollen und werden durch ihre unausweichbare Körperlichkeit den wirklichen Verhältnissen zum Rechte helfen. Die neue Gestaltung der Palästinafrage zwingt die zionistische Bewegung, endlich zur praktischen Tat überzugehen und an den Realitäten des Lebens ihre Gefühle und Ideen nachzuprüfen. Es wird sich zeigen, daß das Baseler Programm nichts anderes fern kann als die kolonisatorische Sicherung der oft jüdischen Müssen, ihre Befreiung aus geistiger, wirtschaftlicher und politischer Vergewaltigung, ern Werk, das seit jeher die Mitarbeit der deutschen Juden gefunden hat und in der neuen Enlwickluitg erst recht finden wird. Dagegen werden die sogenannten jüdischen »Gäste" im deutschen „Wirtsvolk" durch ihr selbstverständliches Bleiben beweisen, daß sie mit allen ihren Lebensfasern im deutschen Gemeinwesen wurzeln, daß man mit ihrer Degradierung zum »Gast" den wirklichen Dmgen Gewalt anzutun versucht hat. Dasselbe wird sich erweisen, wenn die nationaljüdische Forderung der politischen und kulturellen Autonomie der Juden bei ihren jetzigen ..Wirtsvölkern" für die Weftjuden in die wirkliche Tat übergeführt werden soll. Daß wir deutschen Juden uns selbst durch jüdisch-nattonale Volksräte von der deutschen Gemeinschaft absperren sollten, daß wir uns selbst das Recht nehnten sollten, an den von uns — als Deutschen, nicht als Juden — mitgeschaffenen geistigen Gütern der deutschen Kultur weiter zu arbeiten, ist dem Fühlen und Wollen der deutschen Juden allzu fremd, ihren inneren Bedürfnissen zu widersprechend, als daß ein solches Verlangen hier Boden finden könnte. Gerade diese Mitarbeit an deutscher Kultur als eigener Kultur wird der unerbittliche Prüfstein dafür sein, daß unser deutsches Kulturempfinden nicht ein Aushilfsgewand ist, das wir nach Bedarf an- und ausziehen können, sondern daß wir der Gemeinschaft, die wir mit unserem Geist und unserem Herzen haben ausbauen und mit unserem Blut haben sichern helfen, in unlösbarer, innerer Einheit velbunden sind, daß wir geistig und seelisch verkümmern müssen, wenn wir von dem Kulturkörper losgetrennt werden, in dessen Lebensftrom wir als lebendiges Glied eingefügt sind. Noch freilich sind wir'alle von einem solchen inneren Gleichgewicht als Juden und als Deutsche reichlich fern. Noch wogt alles unter dem verwirrenden Einstuß der letzten Begebenheiten haltlos durcheinander. Es gilt, mit rühriger, ordnender Hand den Bau 'neu aufzurichten. Auch für dieses Werk ist willenlose Unrätrgkeit größte Sünde, auch hier bedeutet es schwerste Gefahr, wenn etwa einseitige, wirklichkeitsfremde Theorien den Grundriß für den.neuen Bau festlegen sollten. Also erst recht hier: Auf zur Arbeit! Jeder sei sich der Verantwortung der Stunde bewußt und wirke an seinem Platze mit voller Kraft! Die deutsche Judenheit. die in ihrer überwiegenden Mehrheit bisher immer ihr gutes jüdisches Herz mit gesundem Wirklichkeilsempfinden zu vereinigen gewußt hat. darf auch in dieser Zeit der Gefahr nicht versagen. vr. David Krombach W (Thuringiae). Umschau. All unser Denken und Empfinden steht unter dem Eindruck der gewaltigen äußeren und inneren Umwälzungen der letzlen Monate. An eine solche Lösung hätte gewiß kein Deutscher gedacht! Keiner hätte geglaubt, daß wir uns so schimpflichen Waffenstillstandsbedingungen beugen müßten und daß das so feste Gefüge des Deutschen Reiches wie ein Windhauch im Sturm der Revolution vergehen könnte. Gewiß haben die zermürbenden Kriegsjahre die Ereignisse vorbereitet. Ter Trümmerhaufen aber, zu dem unsere äußere und innere Politik gelangt ist, ist dennoch ganz überraschend entstanden, und wir werden das plötzliche und darum um so grausamere „vae vietis“ voll auszukosten haben. Wenn wir nun vom jüdischen Standpunkte, und insbesondere von dem des K. C. aus zu den Ereiglliffen des Tages Stellung nehmen wollen, so wird ganz gewiß uns alle ein Gefühl beherrschen. Noch niemals werden wir unseren inneren Zusammenhang mit unserem deutschen Vaterland.so stark empfunden haben wie in den Tagen seiner Not. Der Gedanke, daß das kerndeutsche Elsaß verloren gehen soll, will uns und will uns nicht in den Kopf hinein. Und wenn wir daran denken, daß der polnische Nachbar seine Hände auf Posen gelegt hat. daß er seine begehrlichen Finger nach Oberschlesien und Weftpreußen ausstreckt, so ergrerft uns ein ehrlicher Zorn, daß die Früchte hundertjähriger deutscher Kultur so schnöde verloren gehen sollen. Grimme Trauer erfüllt uns, daß die Ohnmacht des neuen Deutschland den schmachvollen Räubereien nicht Halt zu gebieten weiß. Wir deutschen Juden aber haben in diesen schweren

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