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KC-Blätter · 1918-11-01 · Heft 25 (November 1918) · p. Seite 6

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Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 25 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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AekdpoMiefe. DaS K. I. V hat in der Nummer 4—5 seines neuen Organs sich wiederum mit dem K. C. beschäftigt und sich heftig gegen ihn und seine Ideen gewandt. Auf die sachlichen Angriffe des „Jüdischen Willens" wird von anderer Seite an anderer Stelle eine Antwort erteilt werden. Nur dem Kapitel der Feldpostbriefe will ich in der letzten Kriegsausgabe als Redakteur der Zeitung einige Bemerkungen widmen. ' Die Veröffentlichung unserer Feldpostbriefe verfolgte keinerlei Tendenz. Sie waren weder für die Oeffentlichkeit geschrieben, noch für sie ausgewählt. Wenn wir sieim öffentlichen Hefte erscheinen ließen, so lag das einfach daran, daß wir einerseits keinen Grund sahen, der uns zu einer Geheimhaltung zwingen mußte, daß aber andererseits Eltern. Geschwister, Freunde und Bekannte unserer Bundesbrüoer die vertrauliche Beilage nicht erhalten. Unsere Feldpostbriefe waren die Lebenszeichen unserer Brüder, die persönliches Erleben schilderten und ihren. Freunden in der Heimat von ihrem Wohlergehen Kunde geben wollten. Und in dieser Entstehungsgeschichte liegt begründet, warum die kritische Sonde, die von jeher in den bequemen Klubsesseln des K. I. V. an den Aeußerungen schwer im Schützengraben kämpfender, ideal gesinnter Menschen angelegt wurde, so wenig jüdische Betrachtungen fiiidet. Ich darf annehmen, daß der K. I. V. seine eigenen Feldpostbriefe als die erstrebenswerten Ideale ansieht, und da muß ich gestehen: In der Etappe zionistische Ortsgruppen zu gründen und galizischen Juden endlich einmal beizubringen, was wahres Judentum ist, in der Oeffentlichkeit den jüdischen Feldgeistlichen anzurempeln und zu verhöhnen — der übrigens, und das mag die Lösung des seltsamen Rätsels bringen, dem K. C. angehört —. dazu haben die K. C er im schweren Kriegshandwerk nicht die Zeit gehabt, selbst wenn sie die Befähigung zu solchem Tun beseffen hätten. Die Stil- Übungen der Füchse über jüdische Probleme habe ich nicht als zur Veröffentlichung geeignet empfunden. Das persönliche Erleben der Menschen sollte zum Ausdruck kommen, nicht aber die klügelnde Darstellung dessen, was Tendenzabende füllen kann. Es fehlt mir ja der vergleichende Maßstab, da ich zunächst 2000 Feldpostbriefe von K. I. B ern durchlesen müßte. Ich fürchte aber, daß, abgesehen von einigen wenigen ausgewählten Beispielen, die allermeisten wahrscheinlich denselben Inhalt gehabt haben werden, nämlich Schilderung der äußeren Erlebnisse, Betrachtungen über das Wachsen oder Abnchmen des Antisemitismus und was sonst den Jntereffenkreis eines Soldaten ausfüllt, der ganz von der Aufgabe, .für sein Vaterland zu kämpfen, ergriffen ist. Ich habe die Redaktion erst während des Krieges übernommen. Würde ich aber heute noch einmal anfangcn und eine Entscheidung zu treffen haben, ich würde mir auch durch weitere hämische Bemerkungen die beschriebenen Richtlinien nicht ändern laffen. Das geistreiche Vergnügen aber, hinter dem warmen Ofen die Zeilen schwer kämpfender Helden mit Spott und Hohn zu übergießen, würde ich wiederum der Redaktion des K. I. V. gern überlasten. , Wenn nun ferner bemängelt wird, daß der Ton dieser Feldpostbriefe das allgemein Studentische etwas zu sehr betont, wenn unsere Bundesbrüder im vierten Kriegsjahre noch immer drei „Ganze" Vorkommen und sich „löffeln", so sind das eben Dinge sehr gleichgültiger Natur, abgegriffene Umgangsformen, bei denen man sich nichts denkt, die man nur anführt, wenn man absolut etwas sucht. Und wenn es auf eine Frage des Geschmacks hinauskommt, so wage ich nicht zu entscheiden, ob Hedadrufen und Schalomsagen. besonders von seiten solcher, die gar kein Hebräisch können, etwa klüger ' und geistreicher ist. Sollte aber damit vielleicht chie Assimilationssucht des K- C. gegeißelt;sein, so liegt hierin, um mich ganz milde auszudrücken, eine gewisse Unaufrichtigkeit. Das Heft des „Jüdischen Studenten" vom November 1918 enthalt folgende bezeichnende Stelle: „Dazu kommt, daß wir, die wir über alles Unjüdische beim K. C., über den Opportunismus der Assimilanten so gut zu spotten wissen, durch das Festlegen des Kartells auf die unbedingte Satisfaktion etwas so Unjüdisches, mit unserer Erziehung zum Volljuden so Disharmonierendes bei uns eingefuhrt — nicht bloß geduldet — haben, daß jedem Außenstehenden Unbefangenen dieser innere Widerspruch auffallen und zu denken geben muß. Ich stimme ganz Franz Meyer zu, daß es für unsere Jungen geradezu eine jüdische Tat sein müßte, wenn sie sich auch von diesem Rest Ghettojudentum losmachen und frei jedem erklären könnten, daß sie als selbstbewußte Juden derartig deutsche Sitten nicht mitmachen könnten." So lange K. J.Ber selber über eigenes Ghettojudentum und Assimilation so beweglich zu klagen wissen, dürfte wohl die Zeit noch nicht gekommen sein, da man anderen Vorwürfe macht. Besonders haben es dem K. I. V. diesmal, zwei Briefe angetan und zwar vornehmlich unter Berücksichtigung dbr Tatsache, daß der Redakteur ein Rabbiner ist. Es gilt in parlamentarischen Kreisen bekanntlich als eine Unanständigkeit, die Privatverhältnisse eines Abgeordneten in die Debatte zu ziehen. Und etwas Aehnliches soll, wenn ich recht unterrichtet bin, auch für die Presse gelten. Immerhin muß ich aber Stellung nehmen. Zunächst nimmt die K J.V. Anstoß an einer etwas burschikosen Schilderung des Vorgehens der Deutschen im Angriffskrieg. Es mag gewiß vom allgemein menschlichen Standpunkte traurig sein, wenn man sich über den Sieg freut, der so viel unschuldiges Blut verschlingt. Aber der Krieg ist nun einmal kein Kaffeekränzchen, und wenn die Herren vom K. I. V. so zarte Nerven haben, so tut mir das leid. Hoffentlich ist es überall und immer der Fall, nicht nur, wenn es gilt, einen jüdischen Bmder seiner abweichenden Gesinnung wegen zu verdächtigen. Der Ton dieses Briefes über den „hopsenden Tommy" mag gewiß von der Heimatwarte aus gesehen etwas „forsch", meinetwegen sogar etwas roh erscheinen. Ich habe aber als Redakteur nicht den Beruf, Männer im Feuer zu dem Sittenkodex zu bekehren, der in der Redaktionsstube des „Jüdischen Willens" herrscht. Ich weiß, daß der Verfasser dieses Briefes es an Moral, Takt und sittlicher Größe mit seinen Kritikern aufnimmt. Seine Freunde wiffen es auch, und das genügt. Das Hauptparadestück ist aber die „Weihnachtsfeier", und bei ihr verweilt der K. I. V. mit einem besonderen Behagen. In der Eile des Gefechts und in dem Bestreben, den K. C. möglichst der Hinneigung zum Christentum zu bezichtigen, hat man übersehen, daß eS sich um den Bericht eines Kompagnieführers handelt, der für die Weihnachtsfeier der ihm unterstellten Leute sorgt. Und das dürfte wahrscheinlich seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit sein. Von irgendeiner inneren Anteilnahme ist auch für einen ganz böswilligen Kritiker keine Rede. Im Gegenteil! Wenn der Briefschreiber sagt: „Die Weihnachtslieder kenne ich besser als die alten Heidelberger Lieder," so muß ich offen sogen, daß andere diese Parallele von Weihnachts- und Kommersliedern, die gewiß den Mangel an rnnerlichem Mitempfinden verrät, gestört hat. Der Kompagnieführer beschreibt, wie seine Kompagnie ihr Weihnachten feiert. Mit etwas gutmütigem Spotte berichtet er, daß er die Weihnachtslieder so oft gehört hat, daß sie ihm geläufig sind wie die Kommersgesänge. Ich überlasse öS getrost dem Urteil eines jeden ruhig objek-

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