KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 25 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Universität beziehen bei unserer lieben Verbindung in -Breslau, die damals (1905—1907) nur eine sehr geringe Anzahl von Mitgliedern zählte, so daß er der großen Mehrzahl besonders der westdeutschen Verbandsbrüder , völlig fremd blieb. Desto tiefer aber hat uns, seine Genossen froher'Stunden, sein allzu früher Tod im Innersten getroffen. Gerade durch die geringe Anzahl von Aktiven, die unsere Verbindung in den genannten Semestern hatte, war damals das Zusammenleben der Bundesbrüder besonders innig und es kannte einer den andern wohl besser als in den späteren Jahren, da sich die Mitgliederzahl mehr als verdoppelte. So kennen auch wir wenigen, die mit Bruno Goldstein zusammen aktiv gewesen sind, ihn besonders gut, und diese Kenntnis seiner Persönlichkeit läßt uns den Schmerz über seinen Heimgang unsäglich tief empfinden. Denke ich an meine zwei Fuchsensemester zurück, so ist es mir wohl eitel Freude, wie jedem, der mit dem Herzen dabei gewesen ist; es war eine fröhliche Zeit, von etwas urwüchsiger Art, die yon des Gedankens Blasse noch wenig angekränkelt war. Und mitten im^BMe-mrein er Erinnerung steht unser Fips, einer, bei dem die schäumenden Wogen der Jugendlust gar oft jauchzen^himmelan drangen. Sein goldener Humor,, der^aÜM die beste Seite abgewann, hielt die Stimmung Äöer» auf-der Hohe, mochte er die Blitze seines schärfen ' Witzes auf der Kneipe oder beim Mittagstisch in der .Kaschemme* funkeln lassen. Wie oft hat er durch die ihm eigene Art an sich' unbedeutende Vorfälle in der von seinem Humor verklärten Weise zu schildern, die Stimmung des ganzen Kresses seiner Zuhörer auf den Höhepunkt gebracht. Doch war er nicht etwa ein fader Spaßmacher; wenn es darauf ankam, dann trat der Kern seiner Persönlichkeit zutage und es war dann offenbar, daß es andere Eigenschaften als nur sein Humor waren, die ihm die Herzen seiner Freunde erobern mußten. In den Ferien nach seinem ersten Semester hatte ein Verbandsbruder, der ihm nahestand, eine Kontrahage. Der Gegner verweigerte dem Kartellbruder mit Rücksicht auf den zwischen seiner Korporation und der Verbindung des Kartellbruders bestehenden Verruf die Genugtuung für ' eine schwere Beleidigung. Entrüstet über dieses Verhalten zwang unser Fips durch körperliche Zurechtweisung den andern, ihm die Genugtuung zu geben, die er dem Verbandsbruder verweigert hatte. So setzte er sich mit seinem Blut für seine Freunde ein und hielt ihnen die Treue. Diese restlose Hingabe für die, die ihm nahe standen, schon in den ersten Zeiten seiner Aktivität, .mußten - ihm von Anfang an Liebe und Achtung gewinnen. Sie hat er bis zum Schluß verdient, denn wie er sich oben mit seinem Leben eingesetzt hatte für seine Freunde, so tat er es später, wenn man ihn um ändere Hilfe anging, uneigennützig und edel half er, so oft man ihn änrief, dabei immer , bestrebt, von seinen Leistungen das wenigste Aufheben zu machen. Hilfreich und gut, so wird er in seinen Freunden sortleben, ein lieber Kerl. - Diese Eigenschaften allein hätten genügt, , um ihm in der Verbindung ein bleibendes Andenken zu sichern. Gefestigt wird es durch das, was er innerhalb des Körporaüonslebens im besonderen leistete. In jüdischen Fragen war er wohl bewandert und seine Stimme galt auf dem Konvent im Punkte der Tendenz viel. Ebenso war er aber in rein studentischen Angelegenheiten erfahren und betätigte sich bei deren Lösung nicht nur; auf dem Konvent, sondern vor allem auf,deck Fechtboden und auf Mensur mit ganz besonderem <Äfolg; zu seiner Zeit war .der kleine Goldstein* innerhalb der schlagenden Verbindungen Breslaus eine wohlbekannte Persönlichkeit, der unsere Färben nach außen aufs würdigste vertrat und erheblichen Anteil daran hatte, daß sich die eigenen Waffen, die kurz vorher angeschafft worden waren, in der besten Weise' einführten. Wie er selbst strenge Disziplin hielt, so verlangte er ein Gleiches auch von den andern, und tat auf diese Weiseals Chargierter und als Mitglied des Ehrenrats mehr als der Durchschnitt. Auch die Verbindung wird, Ms er, ihr geleistet, nicht, vergessen. Sein allzu früher Tod hat die schönsten Hoffnungen, die er eben> im Begriff stand zu verwirklichen, jäh zerstört. Im Jahre 1917 hatte er geheiratet mnd^war wenige Wochen vor seinem Tode Vater eines Knaben geworden. Unmittelbar vor seinem Tode wollte er sich den eigenen Herd gründen, an dem>er mit Weib und Kind vereint den Stürmen des Lebens trotzen konnte. Er hat seinen Traum, mit seiner Frau und dem Sohn> an denen er mit unendlicher Liebe hing, auf eigener Scholle zu wohnen, nicht mehr verwirklichen können. Vernichtet sind damit auch die Hoffnungen, die seine Familie an ihn knüpfte. Einem der bedeutendsten oberschlesischen Kaufmannshäuser entstammend und selbst von anerkannt hervorragenden kaufmännischen Fähigkeiten ließ er erwarten, daß er in feinem Beruf dereinst ganz besonderes, leisten und den Glanz seines Hauses noch strahlender gestalten würde. Ein allzu hartes Geschick hat seinem Wirken ein Ziel gesetzt, noch ehe er den Höhepunkt erreicht hatte. Sein Werdegang weicht von der Lebensbahn der großen Mehrzahl der Verbandsbrüder erheblich ab. Nach Beendigung seiner Gymnasialzeit wandte er sich der Landwirtschaft zu. Nach mehrjähriger Lehrzeit auf einem der Gräflich Schaffgotschschen Güter in der Nähe seiner Vaterstadt Beuthen O.-S. verwaltete er ein Gut im Posenschen. Von dort aus bezog er Ostern 1905 di? Universität Breslau,