KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 24 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 1166 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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1166 davon wirklich so fremd sein einer Gemeinschaft, die Denker und Dichter hat, — seit Generationen in Deutschland?! Welche Worte doch enden des jüdischen Dichters Huldigung für deutsche Tonkunst? „O Wiederkehr, o Wiederkehr" ... Zu tief, o Deutschland, bist du im Herzen aller deiner Söhne! Geschrieben während der Flandernschlacht, August bis November 1917. Anmerkung: Ich halte mich für verpflichtet, meine Leser auf zwei Aufsätze aufmerksam zu machen: Einem Teil meiner Gedanken, jedoch nachdem sie bereits ntedergefchrieben und fest, gelegt waren, bin ich in anderer unfertiger Form begegnet, in Briefen, abgedruckt in der „Neuen Rundschau", September 1915, von Alfred Weber: „Zukünftiges". Dort hat ein Frontsoldat anscheinend lose Gedanken entwickelt, die in einigen Punkten an das von mir Gesagte anknüpfen. Doch fehlt dort die besondere Einstellung auf das jüdische Problem in Deutschland. Die Briese sind lesenswert. Sodann weise ich auf „Glaubenspolttik", Scheffler, „Neue Rundschau", Oktober 1917 hin. Dort wird eine schriftliche Aeußerung Rathenaus zur antisemitischen Frage besprochen. PC □o Akademische und Allgemeine Nachrichten. Der national-jüdische Jugendtag. Am 6. und 7. Oktober fand in Berlin ein national-jüdischer Jugendtag statt. Datz es ein Wagnis war, in dieser Zeit mit einer derartigen Veranstaltung hervorzutreten, braucht kaum hervorgehoben zu werden. Glücklicherweise scheinen sich die Befürchtungen, die selbst sehr besonnene Leute hegten, nicht erfüllt zu haben. Freilich sind die Erwartungen der Veranstalter erst recht nicht eingetroffen. Dem Hamburger Israelitischen Familienblatt entnehmen wir folgende Schilderung: „In der Vorwoche fand hier der erste »rationaljüdische Jugendtag statt, der, wenn wir den Eindruck der offiziellen Berichterstattung wiedergeben, die Erwarttmgen nicht erfüllt hat, die seine Veranstalter auf dieses Aufgebot der zionisttschen Jungmannen gesetzt hatten. Martin Bub er in seiner tiefen, aber sich dem Stimmungs- und Auffafiungsniveau einer vielköpfigen Jugendversammlung kaum einfühlenden Art, vermochte für seine geistvolle»» Ausführungen kein Echo zu finden. Moses Calvary, der praktische Vorschläge für die vier Gebiete: das der jüdischen Vorstellungen (besonders in früher Jugend), der jüdischen Formen, des jüdischen Gemeinschaftslebens und des jüdischen Wisiens machte, scheint den Ton getroffen zu haben, der der Tagung angepatzt war. Walter Moses aber, der in revolutionärem Drange die Losung ausgab: „Was unsere Väter wert hielten, ist uns wertlos" hat mit dieser Fehdeansage gegen die Orthodoxie und gegen die Kreise im Zionismus, die sich vom „religiösen Zentrum" nicht entfernen wollen, eine Kluft aufgedeckt, die zu überbrücken die Reifen und Aelteren sich energisch werden bemühen muffen. Der zweite Berhandlungstag brachte die Referate von Walter Glaser über: „Die nationaljüdische Schule" und Walter Moses über „Berufsumschichtung und Palästinaarbeit". Im Anschlutz an die Beratungen des Jugendtages fand die Gründung der ersten Hechaluzgruppe in Deutschland statt. Die Mitglieder der Gruppe verpflichten sich, bei der ersten Möglichkeit nach Palästina zu übersiedeln, sich dort von ihrer eigenen Arbeit zu ernähren und sofort mit der Vorbereitung dazu zu beginnen. Das Turn- und Sportfest in Witzleben, das anlätzlich des Jugendtages abgehalten wurde, sollte vornehmlich zeigen, datz trotz aller Kriegsschwierigkeilen in den jüdischen Turnvereinen eifrig gearbeitet wird. Durch gute Leistungen fielen die Münchner, die Hamburger Vereine und die Sportsmannschaften des Blau-Weitz auf."- Die „Jüdische Rundschau" schreibt folgendermaßen: „So hat der Jugendtag den Beweis der Berechtigung seiner Abhaltung erbracht. Es wäre aber verfehlt, über diese Feststellung hinaus sich Täuschungen hinzugeben. Nach allem, was auf dieser Tagung sichtbar wurde, kann unserer Jugend kein größerer Dienst getan werden, als auszusprechen was ist. Ein Teil dieser Jugend, und gerade der, auf den wir große Hoffnungen setzen, ist in tiefe Verwirrung geraten. Er erklärt jegliche Traditton — auch die nattonalkulturelle — für sich völlig unverbindlich. Er weiß aber nicht, datz er, wenn er mit dieser Auffaffung Ernst machte, die Grundvesten des Zionismus, den er zu verwirklichen wähnt, erschüttern und vernichten würde. Nur die Hoffnung, datz es mit der Verwirklichung dieser Losung — wie mit mancher anderen — noch seine guten Wege hat, läßt die Gefahr geringer erscheinen. Aber diese Hoffnung ist ein schlechter Trost. Es gilt, eine wichtige zionistische Aufklärungsarbeit zu leisten." Wer diesen offiziellen Stil versteht, kann zwischen den Zeilen lesen, daß das obige Urteil nicht unberechtigt ist. Die Sensation des Tages, die Rede von Walter Moses, der in schöner Deutlichkeit erklärte, man müffe sich von allem Traditionellen lösen, konnte freilich keinem unerwartet kommen, der die Strömungen in der jüdischen Jugendbewegung aufmerksam verfolgt. Ein getreues Spiegelbild hat die neue Zeitschrift „Jerubbaal" gegeben, wo in jeder Nummer jener autoritätslose Geist, der hier gewaltet hat, wahre Orgien feiert. Es ist aber eine bewußte oder unbewußte Verkennung des Tatbestandes, wenn die Jüdische Rundschau Tränen ob dieser Feststellung vergießt. Denn wenn man diese Stimmung jahrelang gezüchtet hat, wenn man die jüdische Jugend systematisch gegen alle bestehende Autorität verhetzt hat, die dem Zionismus nicht in den Kram patzt, dann darf man sich nicht wundern, wenn diese Jugend kein Matz kennt und wenn sie jene Autorität, die bisher zur Autoritätslosigkeit verführt hat, nun in ihrem rasenden Laufe auch noch umstötzt. Was mit dieser jüdischen Jugend werden soll, die solchen Standpunkt einnimmt, kann einem viel Sorge machen. Der einzige Trost besteht darin, daß sie nicht so zahlreich ist, wie man fürchtet, und datz die Ernüchterung, die ja in den nächsten Zeiten kommen muß, sie wieder auf eine verständige Bahn zurückführen ivird. Von Einzelheiten sei hervorgehoben, datz sich auf dem Jugendtage eine deutliche Opposition gegen Buber geltend machte. Abgesehen davon, datz er mit seinen Ausführungen den Zeitungsberichten zufolge die Aufmerksamkeit nicht zu feffeln vermochte, müssen die Anschauungen des Misrachisten I)r. Barch eine solche kräftige Opposition bedeutet haben. Und das ist für den Gegner, der nicht rein anti-zionisttsche, sondern