KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 24 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 1161 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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1161 deutsch und spanisch empfinden und beidenReichen ein wirklich wertvolles Glied sein kann, so wenig kann man Deutschtum und jüdischen Nationalismus mit einander vereinen. Daß diese Konstruktion ein großer Irrtum ist, geht daraus hervor, daß sie keineswegs einen geschichtlichen Grundsatz in seiner Anwendung auf jüdische Verhältnisse, sondern nur einen künstlich geschaffenen Beschwichtigungsversuch für das pochende Gewissen manches Nationaljuden darstellt. Eine große Rolle spielt nun weiterhin in allen theoretischen Diskussionen die Frage des Messianismus und der Mission des Judentums. Der Zionismus macht insbesondere den liberalen Religionsjuden zum Vorwurf, daß die Mission einfach eine Erfindung fortschrittlicher Rabbiner sei und daß der Messianismus nicht mehr dem Sinne der jüdischen Ueberlieferung genüge. In etwas gemilderter Gestalt richten sich die gleichen Anklagen auch gegen die Orthodoxie. Die Angegriffenen behaupten wiederum, daß die Mission im Wesen und im Worte des Judentums begründet und daß das nationaljüdische messianische Ideal alles andere als das der Bibel sei. Ohne bestreiten zu wollen, daß von liberaler Seite die Misfionsidee parteimäßig stark ausgebeutet worden ist und daß auch die Ausdeutung des messianischen Gedankens sich von der überlieferten Lehre sehr weit entfernt, muß doch betont werden, daß auch hier von nationaljüdischer Seite für neue Ideen alte Begriffe verwendet werden, wobei dann dem historischen Judentum der Vorwurf gemacht wird, daß es sich nicht auf die modernen Wünsche eingestellt hat. Im nationaljüdischen System, das aus Konzentration, Loslösung von der Welt und jüdisches Eigenleben eingestellt ist, das von der These ausgeht, das jüdische Volk sei ein Volk wie jedes andere auch, war Mission ein Zeichen von Hochmut und ein Versuch zur Verwischung nationaler Gegensätze, demgemäß also zu verwerfen. Dabei beging man aberden Irrtum, den rein religiösen Missionsgedanken, von dessen Vorhandensein das alte Schrifttum ebenso zeugt wie die mittelalterlichen Religionsphilosophen, politisch auszufassen. Statt durch Lehre und Beispiel den Gedanken der Einheit Gottes zu verbreiten, sollte es angebliche Aufgabe der Mission sein, für die Ausbreitung -er jüdischen Religion, vielleicht auch der jüdischen Macht zu sorgen, und daß diesem selbst konstruierten Gedanken eine Bekämpfung gelten durfte, war klar. Und wie man gegen eine Mission zu Felde zog, die man zum Zwecke der Befehdung erst geschaffen hatte, so war es mit dem Messianismus ähnlich. Das historische Judentum träumt von der Rückkehr nach Palästina, von dem Aufbau des Tempels unb der Aufrichtung des jüdischen Reiches durch den Sproß aus dem Hause Davids als Krönung der menschlichen, sittlichen Arbeit, als äußeres Zeichen dafür, daß eine Zeit menschlicher Vervottkommnnng und ewigen Friedens angebrochen sei. Das Nationaljudentum will umgekehrt unbekümmert um den Zustand der Menschheit mit Mitteln der Politik ein Reich errichten. Meint es nun, daß unter den vielen erhofften Vorzügen dieses Reich auch dem sittlichen Fortschritt der Menschheit dienen werde, so mag man vor solchem Optimismus Achtung haben. Was dieser Messianismus aber mit dem jüdischen Begriff zu ttln haben soll, ist nicht ersichtlich. Und daß er den wirklichen messianischen Beruf des Judentums empfindlich stört, braucht kaum bewiesen zu werden. Polittk und Religion sind und bleiben Gegensätze, denn jene wurzelt in der Zeit, diese in der Ewigkeit. Polittk verdirbt nun einmal den Charakter. Und wenn nach jüdischer Auffassung Aufgaben religiöser Natur uns beschäftigen sollen, so ist es selbstverständlich eine Schwächung des messianischen Berufs, wenn jüdische Kraft systematisch und. als Selbstzweck vergänglicher Politik nutzbar gemacht wird. Der Zionismus will sich zuweilen auf die Hälfte einigen und behauptet, daß mit dem Wirken für den Messianismus durch das Diasporajudentum sich sehr wohl ein jüdisches Staatsleben, ein nationaler Messianismus vertrage. Er weist darauf hin, daß zur Zeit Philos ein solches Nebeneinander von geistigem Judentum und jüdischem Staat bestanden hatte. Der Irrtum liegt im Vergleich der damaligen Zeit mit der heutigen. Der jüdische Staat störte den messianischen Berus nur darum nicht, weil er ein absterbendes Wesen war, Eierschalen, die das flügge Huhn noch auf sich umhertrug. Innerlich war vornehmlich durch das prophettsche Wirken der messianische rein religiöse Charakter des Judentums längst entschieden, und schon die Tatsache, daß es eine so kräftige Diaspora gab — eine im Zeitalter der Staatsreligionen sonst unbekannte Erscheinung — beweist, daß die jüdische Staatsidee längst vor der Zerstörung des Tempels innerlich erledigt war. Es wäre auch die so sichere sofortige Einstellung aus die neuen Verhältnisse ganz unerklärlich gewesen. Dem ägypttschen Judentum war es nicht vergönnt, Träger der Entwicklung zu seinaber jene Teile, die das Judentum erhielten, mögen sich wohl in der äußeren Form von ihm unterschieden haben, im Geiste glichen sie ihm! Philos Zeit bekämpft den Staat nicht, weil sie ihn bereits überwunden hat. Heute hat Philos Zeit, wenn auch im pharisäischtalmudischen Gewände, gesiegt. Ihm würde ein jüdischer Staat, der die Polittk ins Judentum hineinträgt, Fehde ansagen müssen, und der Streit