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KC-Blätter · 1918-09-01 · Heft 24 (September 1918) · p. Seite 1145

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 24 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 1145 (sequence 10)
Language
German
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1145 Kameraden spät abends in ein großes Sammellager gekommen und hatte nach den Erzählungen der Franzosen, die unterroegs mit uns sprachen, erwartet, daß wir uns wenigstens dort einmal waschen könnten und warmes Esten bekämen. Auch von einer guten Unterkunft in Baracken erzählte man uns, — doch nichts von alledem. Fmmer etwa 100 Mann wurden wir in durch Draht getrennte Pferche gesperrt und waren nun »ms selbst überlassen. Biele fielen vor Schwäche um und mußten auf dein schlarmnigen Boden liegen bleiben. An einen Schlaf war bei dieser kalten, feuchten Witterung nicht zu denken. So liefen »vir die ganze Nacht von einer Seite zur anderen, um uns z»r erwärmen, oder es bildeten fich Gruppen, wo sich alle aneinander lehnten, um sich nicht in den Schmutz zu legen. So ging e8 für mich fünf Nächte, für andere auch sieben oder acht. Eine Verpflegung gab es in dieser Zeit nicht, ab und zu w»»rden einige Brote in die Menge geworfen und glücklich war, wer ein Stück erwischen konnte. ^Bon hier ans kam ich in ein anderes Samniellager, in dem besiere Verhältnisse herrschten. Zu je sechs Mann konnten wir u»»8 ein Zelt baue»», bekamen Stroh als Unterlage und geregelte Verpflegung; fast immer Bohnensuppe. Biele bekamen die Ruhr, andere merkten fetzt Erfrierungen an den Zehen. Geld und Uhren wurden hier auch denen abgenommen, die bisher noch etwas durchgebracht hatten und nur selten bekamen eS die Besitzer wieder in ihre Hände trotz dauernder Reklamationen. Einmal dursten wir auch ein kaltes Bad nehmen, aber das Ungeziefer »vurden wir nicht loS. Durch eine Bombe eines de»»tschen Fliegers hatten wir leider auch etwa 30 Tote und 70 Berwimdete zu beklagen. Bon hier aus gingen auch Leute täglich zur Arbeit» oft noch im deutschen Feuerbereich. Die Verwundeten wurden erst nach etwa drei Wochen zur Behandlung inS Lazarett geschickt, meist »varen die Wunden dann schon voll Eiter. Die vielen Schwerverwundeten meiner Kompagnie hatten die Franzosen beraubt und im Unterstand liegen lallen. Nach sechs Tagen wurde dieser durch einen deutschen Gegenstoß zuriickerobert, und nur noch vier Mann wurden gerettet. Die anderen »varen durch Handgranaten u»»d Gas umgebracht worden. Bon Jonscherry für Besle aus »vurden wir mit der Bahn, immer 40 Mann in einem verschlolle»»en Waggon, weiter ins Land gebracht. Nach zweitägiger Fahrt ka»n ich noch To»rrs an der Loire in das Lager der deutschen Kriegsgefangenen. Hier hatte ich, nachdem ich mich von den Strapazen der ersten Wochen erholt hatte, dadurch, daß ich in einem Lazarett bei deutschen Kameraden beschäftigt und a»»ch dort vekösttgt »vurde, ein ganz erträgliches Leben. Natürlich »vor die Behandlung unserer Kranken auch nicht immer ganz einwandfrei, aber ich habe mich bemüht, ihnen zu helfen, soweit ich es konnte. Unsere Kameraden, die in Kürze durch das neue Abkonkmen von den Feffeln der Gefangenschaft erlöst werden, »verden ja alle genug zu berichten haben. Es läßt sich denken, daß jetzt schon bedeutend besiere Berhältt»ille herrschen als in den ersten Kriegsjahren, da durch unsere Gegenmaßregeln schon viel erweicht w»»rde. Schon lange haben unsere Gefangenen drüben auf das Zustandekommen dieser Beschlüße gewartet, endlich ist es gelungen. Mögen sie, unter ihnen auch einige Kartellbrüder, recht bald gesund die Heimat Wiedersehen. Erst wer lange fer»» der Heimat und unter fremden Menschen weilt, lernt sie erst »nieder richttg schätzen und lieben. — Letzte Woche hatte ich hier Gelegenheit, an einem Gottesdienst unseres Kbr. Herrn Di*. A. Lazarus teilzunehmen. Mit kbdrl. Gruß Paul Treitel lSprev.'». . . ., 35. 4. 1918. Sehr geehrter Herr Kartellbruder! ES ist he,»to das erste Mal, daß ich im Felde ei»,en Bbr. treffe und zwar »rnter den merkrvürdigsten Umstände»». Die Freude ist nach den Erlebniffen des gemeinsanr »nitgemachten Bormarsches besonders groß. . Mit kbdrl. Gruß Ihr Bogelstein lLic.j. Sehr geehrter Herr Kbr.! Fch »verde zu einen» Berrvundeten geholt und treffe Bbr. Bogelstein, der als krank »»ach hinten geht. Da der Abtransport sich verzögert, können »vir noch einige Zeit Erinnerungen auffrischen. Herzl. Gr»rß Herlitz sLie.s. . . ., 25.1.1918. Lieber A. H. Mainzer! Gestatte mir, Dir a»»s den» heilige»» Lande die herzlichste»» Grüße z»» senden. Seit einiger Zeit liegen wir hier in . . . und warten die Regenzeit ab. die uns den ganze»» Betrieb lahmgelegt hat. Hoffe Dich bei bester Gesundheit. Mir geht es immer gut; nachdem »nan sich an das Klima geivöhnt hat, kann »na»» es hier gut auShalten. Bor einigen Tagen ist »nir der „Eiserne Halbmond" verliehen worden. Nochrnals herzlichen Gruß Dein tr. Bbr. Paul Wolff. ..., 5.7.1918. Lieber A. H.! Erst jetzt, nachde»»» ich in ei»»e halbwegs ruhige Brigadereserveftellrmg gelangt bin, kann ich »nieder eirrmal ein Lebenszeichen von mir senden. Kurz, ich befinde mich in einem richttge»» Sodom und Gemorrha. Der Engländer läßt mit seinen Pbosphorgranaten Feuer a»rf »»ns regnen, verpestet die L»rft mit verderblichen Gasen »rnd behämmert uns n»it alle»» Kalibern. Den Anmarschweg »»nd die Fl»»ßübergängc hält er unter einem ziemlich präzisen Feuer. Mit einern winzigen H8»»fleir» von etwa 265 Mann verteidige»» wir einen großen Abschnitt und halten ihn. Welche Suwlne van Nerven »n»d physischen Kräften in dem Ausdruck „halten" inbegriffen ist, läßt sich nicht ausdrücken. Wie durch ein Wunder bin ich bisher unversehrt geblieben und hoffe, glücklich aus dem Schlamassel herausz»»kommen. — Der K. C.-Tag ist gewiß glänzend verlaufen. Hoffe»»1lich zeittgt er Ergebniffe, die sich für die Zukunft segensreich beivähren »verden. Die herzlichsten Grüße sendet Dir in alter Treue Dein Bbr. Berthold Krebs (Thur.). In» Felde, 25. 6. Lieber Alter Herr! Ich mache Dir die Mitteilung, daß ich au» 15. April in der „großen Schlacht" am oberen Handgelenk d»»rch Granatsplitter verwundet lbereits z»»»n zweiten Males aber bei der Truppe verblieben bin. Augenblicklich geht eS »»ns nicht gerade glänzend. Es geht imrner »nu»»ter von einer Offensive in die andere hinein. Z»»letzt hat »nein Regiment die Schlacht zwischen . . . »»nd . . . »nitgemacht. Es gab harte Kämpfe gegen diesen zähen Gegner, vor allem machten uns seine Tanks zu schaffen, die aber von unserer genau schießenden Arttllerie zu Dutzenden zur Strecke gebracht worden sind. Heute bekam ich die Abstimmungen zum K. C.-Tag. Ich gla»rbe aber nicht, daß meine Abstimmung bei dem augenblicklich sehr unregelmäßigen Postbetrieb z»»r rechten Zeit ankommen wird. Herrgott, wenn doch n»»r erst »nal wieder Friede im Lande wäre und ich endlich einmal meine lb. Ghibellinia besuchen könnte! Mit Freude und Hochachtung habe ich in den K. C.-Blättern gelese»», wie D»», lieber Alter Herr, die Fahne der Saro-Bavaria hochhältst! Biele herzl. Grüße Dein tr. oberschlesischer Landsmann »rnd Kbr. Loebinger (Ghib.). Luzern," Bier»oaldstättersee, 29. 6. 1918. Lieber! Alter Herr Mainzer! Wie wohl a»rch schon zu Ihnen! die Kunde gedrungen sein rvird, bin ich seit ca. 5 Wochen ' in der Schweiz interniert und damit glücklich von der

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