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KC-Blätter · 1918-09-01 · Heft 24 (September 1918) · p. Seite 1146

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 24 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 1146 (sequence 11)
Language
German
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1146 französischen Tyrannei befreit. Auch Sie,!. A.H., waren so freundlich, »vie ich von meiner hier weilenden Mutter hörte, meinen Angehörigen gute Ratschläge betreffs meiner schnelleren Internierung zu geben, ivofür ich Ihnen meinen herzlichsten Dank ausspreche. Inzwischen hat der fast völlige Verlust der Sehkraft meines rechten Auges mich noch schneller in das ersehnte Land gebracht, als man daheim sogar erwartete. — Daß ich an das Jahr der Gefangenschaft nicht gerade mit Lust zurnckdenke, wird jeder begreifen. Am 5. Mai 1917 am . . . von Anamiten gefangen, schon in» zweiten französischen Graben von einen» Sergeanten beraribt und bedroht, unter den Fluchen und Würfen der Zivilbevölker»»ng, »vurden wir in ein enges Drahtpferch gebracht, ivo »vir, Offiziere und Mannschaften, bei Wasser »rnd Brot, tu strömenden Regen, ohne Dach, ohne Schutz, zwei und »nehr Tage „gestraft" wurden. Die nächsten Tage brachten wir auf durchnäßtem Sandbode»», aber wenigstens schon unter Zellen, in dem durch die letzte Offensive bekannt gewordenen ... zu; zwar erhielten »vir hier schon Warmes, morgens sogar Kaffee (was in französischen Gefangenlagern eine Seltenheit ist), aber inan wurde von Tag zu Tag schwächer: Schwüle Lllft, allgemeine Verda»mngsstörungen, behinderte Bewegungsfreiheit trugen besonders dazu bei. Nach 14 Tagen etwa schaffte man uns in Biehrvage»», 40 Mann zusammengepreßt, nach Orleans, um von dort auf ganz Frankreich verteilt zu werden. Fast drei Wochen »vurden wir in diesem für französische Verhältnisse recht großen Lager von ca. 3000Ma»»n mit Reis gefüttert. Morgens ein Trinkbecher Warrnwaffer mit Reiskörnern, mittags 2% Becher dicken Reis »md abends wieder dünneren Reis, das waren unsere drei Mahlzeiten. Allerdings - das muß ich besonders anerkennen — erhielten »vir dort wie überha»»pt bis Anfang 1918 600 Gramm Brot pro Tag. Mein Schicksal brachte mich um Mitte Juni vorigen Jahres nach Roanne (Loire), von dein außerhalb der Stadt. zwei rveitere Lager abhängig sind. Darin sind alle P. G. (prisonniers de guerre) untergebracht, die. am Arsenal, das hauptsächlich von den Deutschen errichtet wurde, beschäftigt sind. Wenn es vielen von uns anfangs auch sehr schwer fiel, sich an den Gedanken, für den Franzmann eine Waffen- und Munitionsfabrik zu bauen, zu gewöhnen, so lernten »vir, auch darüber hinwegzukommen. Was man auch für Frankreich tut, geschieht zum Schaden des Vaterlandes. Ich habe ebenso im Waffer beim Bau eines Wafferwerkes Sand schippen, wie in 20 m Höhe an» Elektrizitätswerk Beton mischen, Draht ziehen, Bohlen verhauen, Bahnen bauen rnüffen. So manchen Beruf zu erlernen war mir Gelegenheit geboten, aber ich Habs immer bei der Gelegenheit gelassen. Vier Monate brachte ich so als „Schwerarbeiter" z»», u»n da»»n plötzlich eine freiwerdende Dolmetscherstelle zu erhalten. Damit begann ein freieres Leben, die Schwielen verzogen sich allmählich von den Händen, und ich fand auch endlich wieder etwas Zeit, »nich geistig zu betätigen. Wie oft in den schweren Tagen habe ich mir einige Bbr. Bbr. herbeigesehnt, um mit ihner» wieder einmal wenigstens eine Kneipe zu ge,»ießen; die nächsten Tage wären ja un» so leichter geworden! Aber dies öde, ervige Dahinleben, dies moderne Sklaventuu» drohte uns nicht nur körperlich, sondern auch geistig zu erdrücken. Ich bekam Mitte Novernber plötzlich eine leichte E»»1zündung der Hornhaut des rechten Auges. Ich »neidete mich krank, »vurde jedoch für gesund befunden und zum Arbeitsplatz geschickt. Nach vier Tagen wagte ich mich wieder z»»u» Arzt, der nunmehr einsah, daß er etwas „verbockt" hatte und »nich, allerdings erst nach weiteren zwei Tagen, ins Lazarett schickte. Der Herr „Chefarzt" war natürlich auf Urlaub, ein anderer für unsere Baracken nicht vorhanden, so daß ich wieder 8 Tage ohne fachgemäße Behandlung blieb. Was Wunder, daß ich inzwischen immer weniger sehen konnte, daß die E»»tzündung iminer schlim»ner geworden, Hvrnregenbogenhaut und P»»pille eine gleiche rötlichgelbe Farbe annahmen?! Der Chefarzt kümmerte sich auch »veiter nicht sonderlich um mich »»nd sandle »nich, da er die Erfolglosigkeit seiner „?iqüre" »»nd den Schaden der Einspritzung »nerkte, in ein Augenhospital nach Clermont-Ferrand, »vo aber nichts mehr zu helfen »var. Drei Atonale wurde ich dort behalten — leider gar»z erfolglos — »»nd kam dann nach Roanne zurück, »vurde glücklicheriveise bald von der Schweizer Kom- »nission unters»»cht und für „intemable" befunden. Aber noch »nußte ich sechs Wochen, wenn auch arbeitslos, im vo,n Ungeziefer geplagten Ha»»ptdepot zubringen, »»m dann endlich z»»r Ausfahrt reif zu fein. Nach kurzem Lyoner Aufenthalt verließen wir das Land der hohen K»»ltur — »virklich ohne Beda»»ern. Die Ueberschreitung der Schrveizer Grenze löste endlich den Alpdruck, der a»»f allen n,onateu»»d jahrelang gelegen hatte, und nunmehr sah man nur noch zufriedene Gesichter. Und ir» der Tat — »vir könne»» glücklich sein, es ist herrlicher u»»d freier hier, als wir uns gedacht. Natürlich sind wir noch in erster Reihe Soldaten, aber allmählich puppen »vir uns iinmer »»»ehr z»»m Zivilisten, »venig stens innerlich heraus. Die letzte Woche brachte ich in Luzern, Bern »u»d Zürich z»l. Als ich ins Züricher Pfauen theater z»»r Wedekindpremiere ging, stieß ich hocherfrerrt und so ganz ahnungslos auf einen K. C.er Max Hein», mit dem ich mein drittes Sernester bis zum Kriege in Berlin verbracht hatte. Die drei Tage, die ich »nit ihm zusamn»en war, hörte ich so manches Erfreuliche über den K.C. und die einzelnen Kbr. Kor., aber auch tiefe Betrübnis erfüllte uns, wenn wir von den vielen gefallenen Brüder»» sprachen. Mögen wir in Zukunft von so schweren Verlusten verschont bleiben und nur noch alle Gutes voneinander vernehmen. Zu diesem Zwecke bitte ich Sie, lieber A. H., vielmals, mir die K. C.-Blätter (wenn rnöglich auch die alten vom März 1917), einsenden zu wollen. Ich wäre Ihnen jedenfalls zu großem Danke verpflichtet. Der heutige K.C.-Tag, dem ich gar gern beigewohnt hätte, wird hoffentlich einen recht gedeihlichen, feuchtfröhlichen Verlauf nehmen. Mögen wir bald wieder alle daheim sein und dann einen Friedens-K.-C.-Tag veranstalten können! Für heute aber sende ich Ihnen treue bbr. Grütze Ihr Fritz Loewenberg (Lic„ Sprev.). Hauptverbandsplatz, den 30. Juli 1918, nachm. 3 Uhr. Lieber Alter Herr! Eine traurige Pflicht diktiert mir diese Zeilen. Unser lb. Kbr., Ober- und Batl.-Arzt l)r. Fritz Lamfromin traf heute morgen 3/4ll Uhr in schwer verw»»ndetem Zustande auf dem »nir nahe gelegenen Hauptverbandsplatz ein. L. hat einen Granatsplitter.Steckschuß an der rechten Schädelseite, sein Zustand ist sehr bedenklich, schwerer Schok, so daß er mich nicht mehr erkannte. Um l/,i2 Uhr ist er in das Feldlazarett abtransportiert »vorden. Sobald.»nir etwas Näheres bekannt »vird, werde ich Sie davon in Kenntnis setzen. Herzlichen Gruß Ihr tr. Bbr. Gustav Sturmthal ».Bav.). Wegen Raummangel mutzte auch diesmal wieder ein Teil de: Feldpostbriese für die nächste Nummer zuriickgestellt werden.

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