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KC-Blätter · 1918-09-01 · Heft 24 (September 1918) · p. Seite 1141

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 24 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 1141 (sequence 6)
Language
German
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1141 sagen wollte, was ihn über den Durchschnitt der Menschen hinanshob, er war zu bescheiden, um auch nur einen Augenblick den Mittelpunkt des Gedankenkreises bilden zu wollen. Wenn ich es trotzdem versllche, denen, die ihn kannten, in Erinnerung zu rufen, was er uns war, und denen, die ihn nicht kannten, zu künden, was wir in ihm verloren haben, so tue ich es nur, um die Empfindungen wiederzugeben, die mein Herz an der Bahre dieses guten freundes beseelten. Es ist uns überdies ein Herzensbedürfnis, dem schwergetroffenen Vater und den trauernden Brüdern zu sagen, wie wir mit ihnen fühlen, wie wir mit ihnen die schmerzhafte Wunde empfinden. Max Aron war für den K. C. und seine Ideale geboren. In streng religiösem Hause erzogen, war er ein Jude durch und durch, überzeugt von den hohen ethischen Werten des Judentums, wie er sie von Kind auf im Herzen ausgenommen hatte. Es erschien selbstverständlich, daß er als der jüngere Bruder eines Kartellbruders sofort zu uns sich bekannte. Er war aber der Grübler, der nichts hinnehmen konnte, wie es ihm geboten wurde und für den es Gegenstand langer Ueberlegung bedeutete, ob das Ideal des K. C. auch in Einklang zu bringen ist mit den Gedanken, die er sich selbst über Juden und Judentum gemacht hatte. Und als er sich zu dem Entschluß durchgerungen hatte, wurde er einer von denen, für die der K. C. ewig Gegenstand des Nachdenkens gewesen ist. Uttd wenn er aus eine Lücke in seiner idealen Aufsaffung vom K. C. stieß, dann begannen für ihn Tage der Unruhe) mit jedem suchte er Unterhaltung über das Thema, das ihn beschäftigte und wenn er bei diesen Besprechungen entdeckte, daß die Lücke für ihn nicht zu überbrücken war, dann erklärte er offen und ehrlich, er könne nicht weiter ein Ideal vertreten, das ihn nicht befriedigt und gab mehrfach dem Gedanken Ausdruck, er wolle lieber aus dem Verband austreten, als sich selbst untreu werden. Diese inneren Kämpfe, die er überwand, und sein Bestreben, alle Zweifel zu beheben, haben es bewirkt, daß für ihn die Sache des K. C. Herzenssache wurde und daß seine innerste Ueberzeugung die Stütze für ihn geworden ist, wenn er als Student oder später im Leben Kämpfe für die Sache des Judentums durchzusechten hatte. Eine Grüblernatur habe ich ihn oft genannt. Wenn andere lustig waren und im Taumel der Studentenjahre alles Häßliche auf Erden vergessen hatten, dann saß Max Aron beim Kneiptisch und überlegte, ob auch solche Dinge in den Rahmen seines Ideales paßte. Und auch hier hat er den Berg von Bedenken überwunden und alle Freuden eines schönen Studentenlebens durchkostet. Auch auf Mensur hat er glänzend seinen Mann gestanden und nicht mit der Wimver gezuckt, selbst, als bei einer schweren Säbelpartie die Kraft eines von allen Studenten gefürchteten Fechters seine eigene Kunst lahm legte. Tiefgründig und zielbewußt, wie er im Leben war, wurde er es auch im Beruf. Unvergeßlich sind mir die Zeiten, als wir gemeinsam zum Examen unS vorbereiteten und wie er immer wieder, wenn die Straft eines Mitarbeiters versagen wollte, anspornte uud vorwärts trieb. Ein seltenes Geschick fügte eS dann, daß wir vier Kartellbrüder an einem Tag das Referendarexamen bestanden. Die Freundschaft der Studentenjahre wurde noch vertieft, als wir bis Kriegsausbruch zusammen an Gerichten tätig waren und ich kann es bezeugen, mit welcher Hochachtung alle Vorgesetzten von ihm sprachen und wie alle von ihm erwarteten, daß er als Jurist einmal sehr Tüchtiges leisten werde. Der Krieg hat unS auseinandergeriffen; nur selten habe ich Max Aron noch gesehen, wenn er hier nach Saarbrücken kam und feine alten Freunde aufsuchte. Voll Begeisterung hat er es erklärt, daß er jetzt endlich Gelegenheit gefunden habe, auch fein Ideal als Deutscher ln die Tat umzusetzen, und um so bitterer ist es für ihn gewesen, daß er auch als Soldat das Ziel seines Strebens erst nicht erreichen konnte, weil er ein Jude gewesen ist. Die Jahre des Kampfes um das Deutschtum find auch Jahre des Kampfes um. sein Judentum gewesen, und es wirkt erschütternd, wenn man bedenkt, daß er kurz, nachdem er zum Offizier befördert worden ist, als Opfer dieses Kampfes dahinfinken mußte. Wir alle haben in Max Aron viel verloren, wer aber, wie ich, ihm innerlich nahestand, und wer sich zu seinen Freunden zählen durfte, wird es verstehen, wenn ich um ihn trauere, wie um einen Bruder. Wir wollen und werden ihn nicht vergeffen, mit Max Aron ist uns ein Stück aus dem Herzen gerissen und wenn in späteren Jahren von all den tapferen Helden gesprochen wird, die aus unserer Mitte Opfer des Krieges geworden sind, dann wollen wir seinen Namen mit an erster Stelle nennen und ihm danken für die Treue und für die Liebe, mit der er für uns deutsche Juden gekämpft hat. vr. Robert Köster jLic.) Walter Goldschmidt. (Ghibelliniae.) Schlicht und treu, wie Dein Wesen, sollen die Worte deS Gedenkens sein, die ich Dir, mein lieber Conleib und Freund, nachrufe. In Dir,

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