KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 24 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 1142 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1142 der mir von all meinen Consemestern am nächsten stand, verkörperte sich für mich die Erinnerung an die leuchtend Hellen, unvergeßlich schönen ersten Freiburger Studienjahre. Und wenn einer nach dem anderen von den Freunden, die mit uns jung und froh waren, dahinsanken, so hofften wir alle, daß Du nach Beendigung des Krieges die Stütze und der Wiedererrtchter unserer verwaisten Ghibellinia sein würdest. Denn an Liebe zur Verbindung, an aufrecht entschloffener Kraft, an ernstem Pflichtgefühl kamen Dir nur wenige Bundesbrüder gleich. Schon als kraffer Fuchs sielst Du unter der großen Korona eine- Freiburger Sommersemesters auf durch Strammheit, Entschloffenheit, Eifer, Begeisterung und Tatkraft. Sehr bald wußtest Du dir eine Stellung auf dem Konvent und die Achtung aller Inaktiven und alten Herren zu verschaffen, Du wurdest bald Chargierter und Erstchargierter und leitetest die Verbindung in vorbildlicher Weise. Selten war das Verbindungsleben in Freiburg so harmonisch nach innen, so stramm nach außen wie unter Deiner Aegide. Du verstandest eS, ohne die Zügel der BerbindungsdiSziplin zu lockern, Dir oie Herzen aller Bundesbrüder zu gewinnen und Dir in Freiburg unter der Philisterschast und im Jugendverein gleichfalls Ansehen und treue Anhänglichkeit zu erringen. Und mehr noch schlugen Dir die Herzen der Mädchen zu. Dein innerlich heiteres und doch norddeutsch gemäßigtes Temperament wirkte unwiderstehlich und Du verstandest es, die Freuden der Jugend in vollen Zügen zu kosten. Du warst der echte rechte Student in Allem, was Du tatest. Du standest Deinen Mann auf der Kneipe wie auf dem Fechtboden,' auf der Mensur wie in dem Tanzsaal. Der Student warst Du, für den all die ewig heiteren unvergänglichen Lieder unseres Kommersbuchs gedichtet sind, der, das Ideal des K. C.erS, unbefangen in köstlicher Naivität daS romantische Urbild des deutschen MusensohnS verkörpert. Aber, auf daß Dein Bild nicht schiefe Züge gewinne, Du warst nicht leichtsinnig und oberflächlich und äußerlich, nein, dein stets wacheS untrügliches Pflichtgefühl gab Dir hohes Streben und eisernen Fleiß, ließ Dich Interesse gewinnen für alle Bestrebungen unserer Tendenz und des Gesamtjudentums, führte Dich in den Vorstand des Jugendvereins und spornte Dich auch vor allem zu unablässiger Arbeit in deinem Berufe an, an dem Du mit deiner ganzen Seele hingest. Unermüdlich warft Du auf dem Präpärierboden und in späteren Semestern im Kolleg. Du bestandest ein gute- Examen, und das war dein größter Schmerz, der Dir immer wieder das innere Gleichgewicht raubte, daß Du in den letzten Jahren als Schwerverwundeter und Invalide nicht in eine Universitätsstadt kamst, um Deine Studien beenden zu können. „Was Du anpacktest, tatest Du als ganzer Mann, was Du liebtest, dem gabst Du dich mit ganzer Seele hin. Deine Treue gehörte nicht nur dem Beruf, der Verbindung, dem Studentenleben, sie gehörte dem Judentum, dessen altheilige Traditionen Du in scheuer Ehrfurcht hieltest, sie gehörte Deiner meerumspülten nordischen Heimat mit dem zurückhaltenden aber zuverlässigen Wesen ihrer Bewohner, sie gehörte dem Dir eng verbundenen Freundeskreis, mit dem Du trotz alles unruhvollen Kriegserleberis in ununterbrochener Korrespondenz standest, sie gehörte aber — und hier am tiefsten verwurzelt — vor allem Deiner Familie, Deiner innig geliebten Mutter, deren Stolz und Abgott Du warst. Wenn man von einem Menschen sagen kann, daß eS ihm schlechter gegangen, als er es verdiente, so gehörst Du zu diesen. Ganz zu Anfang des Krieges wurdest Du, der du als Kriegsfreiwilliger bei den Jägern eintratst, durch einen Rückenmarkschuß auf den Tod verwundet und lagst lange bange Wochen unter furchtbarsten Leiden im Lazarette. Dein einziger Trost war, daß es in Freiburg, deinem über alles geliebten Städtchen sein durfte. Deine kräftige zähe Natur überwand endlich fast wie durch ein Wunder die tödliche Verletzung und es blieb nur eine Beinlähmung zurück, die sich langsam aber stetig besserte. Vor allem danktest Du die Genesung der unermüdlichen Pflege und opfervollen Hingabe Deines Arztes und Freundes Weißkopf, unseres unvergessenen Bundesbruders. Er hat mit rührender Sorgfalt und bewundernswerter ärztlicher Kunst die Heilung — fast möchte ich sagen — erzwungen. Dann wurdest Du nach Lübeck versetzt, wo Du in opfervoll hingehender Arbeit die ganze Zeit hindurch als Feldhilfsarzt an einem Lazarette tätig warst. Du littest schwer, körperlich wie seelisch, das Aussichtslose deS nimmer endenwollenden Krieges zermürbte Dich. Du sehntest Dich unablässig nach friedlicher Arbeit, nach deinem Fretburg und deinen Freunden. Und nun, wo die Erfüllung vielleicht nah vor der Türe steht, kam der tückische, sinnlose Zufall. Du infiziertest Dich bei einer Leichensektion infolge einer kleinen Wunde am Finger. Die Entzündung wurde vernachlässigt, zu spät erkannte man die allgemeine Sepsis, Operationen konnten nichts mehr retten und nach einer Woche qualvollen Leidens wurdest Du erlöst. In Lübeck war eine UeberführungSfeier mit großem Gefolge, in deiner Heimat Cuxhaven wurdest Du beigesetzt und nicht einmal die letzten studentischen Ehren konnten die BundeSbrüder Dir