KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 24 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 1140 (sequence 5)
- Language
- German
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1140 er unsrer Sache einen neuen Kämpfer gewann. Das Semester, das erste und letzte, das er erlebt, ging zu Ende. Am letzten Taq bekam er seinen Gestellungsbefehl. Mit heiterer Freude wurde er Soldat und ruhig und selbstverständlich nahm er all die kleinen Leiden der Ausbildungszeit auf sich. Dann kam er zur Front und tat still seine Pflicht. Er wustte, warum er draußen stand, und daß er als Jude für Doppelles kämpfte. Als er erkrankte, kam er noch einmal nach Hause. Der Tod der Freundin, eines blühenden Mädchens, den er auf Urlaub miterleben mußte, erschütterte ihn tief, und gab ihm eine gewisse Resignation, als er dann wieder ins Feld zog. In der Garnison hatte man ihm daS Leben recht schwer gemachtso war er glücklich, als er die freie Luft des Feldes wieder um sich hatte. Der Sommer draußen war für ihn trotz alles Schweren schön. Bor dem Herbst und Winter fürchtete er sich. Ihm wurde so traurig zu Mut, wenn alles um ihn her grau, neblig und kahl wurde und er einsam unter Menschen von anderm Denken blieb. Aber er brauchte eS nicht mehr zu erleben, der letzte Tag des SommerS war der letzte feines Lebens. Ihr, die ihn nicht gekannt, werdet an diesem Leben nur vielleicht daS eine besonders finden, daß eS gar so kurz war und auch dafür wird man gleichgültig. Aber ihr, meine lieben Bundesbrüder, die ihr unserem Fritz in seine offenen Augen geschaut, die ihr ihn habt sprechen hören in seiner lieben gewinnenden Art, die ihr seinen warmen Händedruck gespürt, ihr wißt, daß es in diesem jungen Herzen glühte, daß er seinen Idealen gern alles gegeben hat, daß etwas Ganzes aus ihm geworden wäre. Ihr werdet ihn nicht vergeffen, denn unser Wahlspruch, amico pectu8, hosti frontem, hat ihn wirklich durchs Leben in den Tod geführt. Noch ein Gedicht von ihm will ich Euch sagen, in dem er sein Geschick fast geahnt. Doch einmal werden Friedensglocken läuten Und auS dem Land, das in Ruinen liegt, Und aus den jammervollen Kriegeszeiten Ziehn, die erlöst, die da gekämpft, gesiegt. Und Freud und Jubel werden lauter tönen Im Herz der Heimat, daS den Seinen harrt. Den Lebenden und den aefallnen Söhnen Wird dann ein Denkmal, wie noch keines ward. Ob ich nun leben oder fallen werde. Gib diesen Lag, o Herr, der deutschen Erde! Er, der Verschollene, wird diesen Tag nicht erleben können. Und bezeichnet auch kein armselig Kennzeichen die Stelle, an der er ruht, im Herzen derer, die ihn gekanntwird ihm ein Denkmal entstehen aere perennius. Wenn wir eS erleben sollten, daß in einem glücklichen Frieden wieder Freude herrscht und studentischer Liedersang und Becherklang, dann werden wir inmitten einer hoffentlich glücklicheren neuen Generation doch immer an unsre Kampfgenossen, die ihre Ideale mit dem Leben bezahlen mußten, denken. Dann erinnert sich vielleicht auch einer au Fritz Meyer. Paul Meyer, (Bavariae, Frlburgiae) cand.med., Leutnant d. R. Dem Nachruf aus liebendem, trauerndem Bruderherzen sei ein Wort der Erinnerung angefiigt von einem, der Fritz Meyer nicht gekannt hat und der ihn trotzdem lieb gewann. Denn der Entschlafene verstand die seltene Kunst, Briefe zu schreiben, die ihm Freunde schufen, in denen sich der Seele ganzes Wesen offenbarte. Unter all den Hunderten von Schreiben aus dem Felde, die an dieser Stelle vom Lun und Treiben unserer Brüder ebenso Kunde geben wie von ihren! Hoffen und Wollen, nahmen die seinen gewiß den ersten Platz mit ein. Nicht will ich seine Gabe, zu beobachten und zu schildern, rühmen, wertvoller war, daß aus jeder Zeile der ganze Mensch sprach, ein idealgesinnter Mensch, den die unsinnige Roheit und Grausamkeit des Krieges in tiefster Seele schaudern machte und der trotzdem freudig dem eisernen Gebote seiner vaterländischen Pflicht folgte, ein treuer Jude, für den die Tendenz feiner Verbindung Ausdruck der Lebensanschauung war. Noch sehe ich sie vor mir, diese sorgsam überlegten und doch jugendlich frischen Briefe mit ihrer klaren und sicheren Schrift, die das Bild des Menschen selber bot, einer strebenden und ringenden Persönlichkeit, die aber doch in ihren Grundlagen und Zielen so fertig war. Ein Kartellbruder schrieb mir jüngst, die Nachrufe für unsere gefallenen Freunde seien in ihren Lobeserhebungen oft allzu überschwenglich. Er mag recht haben. Der Rückblick auf ein vergangenes Leben vergrößert vielleicht das vorhandene Gute und stempelt es leicht zur charakteristischen Eigenheit. Und dennoch hat er nicht recht. Denn in der Reihe unserer Toten gibt i es nur wenige, die nicht über den Durchschnitt hervorragten, von denen nicht die deutsche Judenheit viel erwarten konnte. Nicht die Leistung macht ja des Menschen Wert aus, sondern die Gesinnung und das.Streben! Fritz Meyer war noch sehr jung, er hat kaum Gelegenheit gehabt, sich an hervorragender Stelle zu betätigen, in ihm steckte aber Kraft und Wille! Und darum übertreiben wir nicht, wenn wir ihn zu unseren Besten rechnen. Nicht seine Verwandten und Freunde trauern um ihn, nicht der K.C., sondern ein größeres: unsere Idee und unsere Zukunft. F. G. Max Aron. (Licariae) Die schönsten und sorglosesten Jahre meines Lebens, zugleich aber auch die Jahre, in denen! zuerst der bittere Ernst unseres Kampfes um j die Rechte des Juden den jungen Studenten aus j dem harmlosen Gedankenkreis der Schuljahre j herausgerissen hat, treten vor meine Augen,! wenn ich daran denke, daß Max Aron nicht mehr! unter uns ist.! Es hieße wirklich seinen Charakter verkennen, : wenn man von ihm all das Gute und Herrliche