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KC-Blätter · 1918-07-01 · Heft 23 (Juli 1918) · p. Seite 1128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 23 (Juli 1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 1128 (sequence 24)
Language
German
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1128 nennen — viele solcher Ni chtS-alS-Trotzjuden? Sind nicht auch sie, oft ohne eS fich selbst zu gestehen, durch Familienüberlieferung, -geistige Werte, soziale Jntereffen mit ihren „Äampf. genosten gegen daS Unrecht deS Antisemitismus" verknüpft? Und schließlich ist daS Trotzsudentum der Ausgangspunkt aller jüdischen Bewegungen der neuesten Zeit, den Zionismus nicht ausgenommen, gewesen. Ist doch Theodor Herzl durch den Dreyfuß-Prozeß und die damit verbundene Judenhetze zu seinem Werke „Der Judenstaat" (1896) veranlaßt worden. Der Trotzjude jedenfalls, der nach dem Eintritt in unseren Verband veranlaßt worden ist, sich mit jüdischer Geschichte und dem Einfluß der Juden auf die Weltkultur und besonders auf die deutsche Kultur zu beschäftigen, wird fich bald überzeugen, daß die Juden trotz aller ihrer Fehler, die wir nicht leugnen wollen, die aber zumeist das Ergebnis ihrer Unterdrückung, des Ghettos, find, nicht Geringschätzung, sondern die höchste Bewunderung verdienen. Er wird auf der anderen Seite die Notwendigkeit erkennen, an sich selbst zu arbeiten, um sich der Väter würdig und den neuen an die Judenheit gestellten Anforderungen gewachsen zu zeigen. Er wird selbstbewußt, aber nicht selbstzufrieden werden, ohne sich durch Beifall oder Mißachtung „germanischer" und nationaljüdischer Chauvinisten beeinflußen zu lassen. Das schlimmste Schimpfwort für den „negativen" Juden ist „Assimilant". Auch unter dieser Worthüife versteht jeder etwas anderes, was ganz natürlich ist, da ja daS Wort keinen Ausschluß gibt, woran der Assimilant fich anpaßen will. Dem zionistischen Werberedrrer dient das Wort oft dazu, den Täufling mit allen nicht „nationalen" Juden in eine Klasse zu stellen. Wenn auch die meisten Juden unter Aßimilation Abstreifung der Ghettospuren (und nicht des Judentums) verstehen dürsten, so wird man doch auch diesen vieldeutigen Ausdruck am besten vermeiden. Endlich fei noch vor den Wörtern.,0 bjek- 1 i v" und „s u b j e k 1 i v" gewarnt. Jede Meinung«. Sußerung, insbesondere im Parteikampse, ist „subjektiv". Der Volksversammlungsredner aber will seinen Hörern weismachen: Objektiv junparteiisch?), daS bin ich! Subjektiv find die anderen, die Gegner! Ich glaube, diese wenigen Beispiele werden genügt haben, um darzulegen, welche wenig ersprießliche Rolle die Schlag- und Fremdwörter im Parteikampfe spielen, und wieviel unnützer Streit durch ihre Ausmerzung vermieden werden könnte. Freilich werden auch durch die klarsten Begriffsbestimmungen niemals die Parteigegensätze ausgeglichen werden könne», da die Parteiwähl in erster Linie durch Wille und Gefühl und erst in zweiter Reihedurch den Erstand, den ^Diener des Willens", wie ihn Schapen- Hauer genannt hat, vorgenommen wird. Die Beseitigung der schwammiges 'Fremd- und Schlagwörter dürfte aber zur Milderung der Kampfesformen und vielleicht auch dazu beitragen, daß die Gegner fich gegenseitig etwas bester verstehen lernen und einander näherkommen. Damit wäre mehr zu erreichen als durch Abhaltung von Verständigungsoersammlungen, aus denen die einzelnen Parteien ihr gesamtes Rüstzeug an SchlagwSrtern Vorbringen und aneinander vorberreden. Unser „Schlagwort" sei: Durch Klarheit zur Wahrheit! Nachfolgender Auftuf geht uns zur Veröffentlichung zu: Lin wan-erverein ans -e« va-en der U.L.-Tenden;. Wir stehen im Zeitalter der Jugendbewegung: Die Jugend will eigene Werte von sich aus schaffen. Wer indeffen genauer hmfieht, bemerkt, daß all die Jugendvereine, die auf gewiste Ziele hinsteuern, von dieser oder jener politischen oder sonst welchen Richtung der Alten oder Aelteren beeinflußt und angeleitet werden. Dies ist der Fall, beim jüdischen Wanderbund „Blau-Weiß", der im letzten Jahrzehnt durch unermüdliche Arbeit einen ungeheuren Aufschwung genommen hat; und mit ihm der Zionismus: Denn aus ihm gehen immer miederbegeisterte Vorkämpfer der zionistischen Sache hervor, Leute, die ihr anfangs vielleicht mit nur mäßigem Jntereffe qegenüberstanden. Damit ist der K. C.-Tendenz Kumps angesagt worden, den sie mit gleichen Waffen zu führen bisher unterlassen hat. Die Spaltung ist da, und fie muß infolge des Vorgehens der Zionisten auch in die Jugend getragen werden, deren viele wegen des Mangels an . Gegenwirkung noch ohne weiteres dem Zionismus anheimsallen. Deffen ist man sich in Breslau, der Stadt, aus der ja K. C. und Centralverein ihren Ursprung herleiten, zuerst bewußt geworden, und es ist dort swie bereits jetzt auch in Oppeln und Ratibor) eine Bereinigung deutscher Jugend jüdischen Glaubens, „Die Kameraden" gegründet worden, welche auf der Grundlage eines Wandervereins, der typischen Aeußerumi der Jugendbewegung, entgegen dem „Blau-Weiß", Stärkung in Deutschtum und Judentum anstrebt. Auf Wanderungen soll der Geist erfrischt und der Körper gekrästigt werden, auf Heimveranstaitungen soll sich die Jugend über die

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