KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 23 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 1127 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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1127 . Derlei schöne -Ausdrück* oder Worthüifen finden wir auch reichlich tat allgemeinen deutschen Parteienkampfe (von Reventlow bis ScheidewcmuZ wie tot) besonderen j üd Ls chen Hartei-, leben. Man nehme irgend etnefüdische Zeitschrift, ganzgleich welcher Richtuüg, zur Hand, und man -mit!» fast auf jeder Seite Wörter finden wie Nation, Nationatität, Nationalismus, „pofitiveS^. und „negatives" Judentum. Afftmilaut, BfiimÜation, Afftrnilantismus, Hebraismus und wie die schönen ismen alle Doch heißen mögen! r Es ist kein besonderer jüdischer, sondern ein allgemeiner deutscher Fehler, daß' mir uns durch Fremdwörter bestechen laßen und hinter ihnen einen tiefen, verborgenen S?iNn vermuten. Das schlichte deutsche Wort ist eben -- um ein bezeichnendes deutsches Sprichwort anzuführen — „nicht weit her"! Uni» die „Bolksredner" nützen dies bewußt oder unbewußt aus, indem sie auS den Fremdwörtern ihre.„Schlag- Wörter" prägen: „Wo Begriffe fehlen. da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein!" Womit nicht geleugoet werden soll, daß manche Schlagwörter auch recht treffend sind! Das Schlagwort versucht eine Gedankenrichtung ^rauf „deutsch" einen .Ideenkomplex! —, insbesondere die Ziele enter Partei, in die anschaulichste und knappste Form zu bringen. Es will die Begriffsbestimmung („Definition") nicht ersetzen, sondern auf der einen Seite mehr, auf der anderen weniger als diese bringen. Weniger, insofern als es nicht alle, sondern nur daS wesentlichste Begriffswerkmal aufnimmtmehr, indem es nickt wissenschaftlich verallgemÄnernd („abstrakt"), sondern bildhaft, anschaulich, leicht faßlich, auch dem Laien verständlich sein will oder soll. Diese Anforderungen wird man an ein Schlagwort stellen müssen, das die Gedanken deS Redners oder Schreibers beleuchten, nicht ersetzen oder verdunkeln soll. Wer recht vorsichtig sein will, wird stch darüber hinaus noch vor denjenigen Schlagmörtern zu hüten haben, die zwar an fich als solche geeignet find, im Parteikampse aber von den verschiedenen Richtungen in verschiedenem Sinne gebraucht werden und deshalb zu den gröbsten Mißverständntffen und Irreführungen Anlaß geben. Wir wollen also keineswegs das Schlagwort, das — treffend gewählt — einem Gedanken oft mehr Anhänger zuführt als die scharffinnigstenfnS einzelne gehenden Untersuchungen, völlig verwerfen, sondern nur darauf Hinweisen, daß eS -*-• vor allem in der Verbindung mit dem der Maffe unverständlichen, aber gelehrt klagenden Fremdwort — zumeist verwirrt und die Unklarhett vermehrt, anstatt feiner ursprüngltchen Aufgabe g«M gerade umgekehrt schweres verständliche Gedankenverbindungen durch Zt^ rürksührung aus einfache Begriffe deutlich., zu machen. Im folgenden sollen einige der häufigsten Fremd-und Schlagwörter des jüdischen LeÄmS ganz kurz betrachtet werden. Sattsam,bekannt ist der Mißbrauch des -Wortes Ncztla«. Zionistische Werberedner brachten hierfür folgend« Erklärung; fertig: Nation..stammt von hem lateinischen Wor^ nasei. Nasci bedeutet boren werden". Folglich ist das entschetdetOe Merkmal (Verzeihung: Moment, Element, Koeffizient, Faktor) der Nation, hie Abstammurm oder Raffer — Daran, daß jedes Wort htgcmj kurzer Zeit — man' denke an: Schalk,- Mähre, Dirne usw. — feine Bedeutung wechseln: oder zum mindesten verändern kann, dachten di« Herren offenbar nicht. Wer heute das Wort Nation oder gar Nationalität, das von manchen der Nation gegenübergestellt wird, gebraucht, der müßte zunächst--- erläutern, tvas er hierunter versteht, insbesondere welchen Unterschied er zwischen Volk, Nation und Nationalität macht, ob er Nation oder Nationalität mit Abstammung:, oder Raffe gleichsetzt oder nicht. Dann wird mancher unfruchtbare Streit um Worte vermieden werhen. Die nähere Darlegung, daß zwar ursprünglich Nation Und Raffe fich deckten, daß aber mit fortschreitender Entwicklung kein Volk „raffenrein" bleiben kann und geblieben ist, würde allzuweit führen. Im jüdischen Nationalismus erblicken die Zionisten allein ein „p o s i t i v e s I u d e ut u m", alles andere fei nur „negativ". Ihre Gegner aber finden den Ausdruck „pofitives Judentum" großen Teils so. schön, daß sie fich nach-Krästeu zu beweisen bemühen, auch sie hätten ihren-Anhängern positive" Werte zu bieten. Fragt Man freilich die? einzelnen, was sie denn unter positivem Judentum verstünden, so erhält? man beinahe von jedem eine andere Auskunft. Sollte« wir nicht auch dieses Schlagwort ohne Schade« aufgebeu können/- und lieber einen jeden/ der es mir seinem Judentum ernst nimmt, .sich in seiner Art betätigen laffe» — mag er sich durch Religion, . Abstammung oder Familtenüber« lieferung mit dem-Iudentum verbunden fühlen —, ohne positive und negative Richtungen,, waS doch höchstens vollwertige und minderwertige Richtungen chetAn kann, zu unterscheide«!! Dabei soll nicht geleugnet werde», dag der reirie „Trvtzjude" — diese- Schlagwort z. B. halte ich für gut geprägt — ün allgemeinen nicht aÜzüvtal Intereffe für die jüdische.Gemeinschaft haben wird. Aber, gibt es denn in Wahrheit —- > auch unter, denen, dir -sich? so