KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 23 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 1116 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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N16 cuu' 'Jmmbrr auf daS Wemüt unh b:e PhlikUasie iimfenDcu ii'oraliidjcn Schriften. ( Utib zu zweit ergab ncf) ein unneümbrT‘Wriftofra* nsmus ber führenden Kreis»'. Man schätzte ichiiestlich den Menschen hauvtiactsiich „»ich seinem gelehrten Können ein, schaute daher »ins bie Ungelehrten. und daS mar doch natürlich die Masse deS Volkes, mit einer gewissen Geringschätzung herab und mckm sich des gemeinen Mannein seinen menschlichen flöten und Tarnen wenig an: die sndrenben Kreise verloren so die Iühlung mit dem Volke, weil sie für seine Seele zu wenig 'vrgten. Und damit nicht genug, sie als die Gelehrten fühlten sich im Besitz ber Kenntnisse, die erforderlich waren zur veinlichen und pünktlichen und genauen Arisführung der jüdi'chen Brärrche und Gebote, und wer nickt io gelehrt war und also nicht diese Peinlichkeit in der Irömmigkeitsübung aufbrachte, war mit dem Makel minderer Frömmigkeit behaftet. Dagegen nun setzte die Gegenwirkung Rabbi Israels ein. Er war von Jugend an ein eigentümlicher Menich. den Karpathenwäldern ''einer Heimat baue er, iern von sübiichen Siede>ringen, ern lieben der Einsamkeit in der Natur und mit der Natur geführt, hatte sich so ein ganz anderes periöniiebeb Gefühl derIrömmigfeit und des Go'.tverbnlibenseins erworben als man es 'ück aus Büchern erringt, hatte ein eigenes Verhältnis zu Gott gewonnen, fein, inbrünstiges Gebet, das er aus den Tiefen des Herzens hatte ausströmen lassen, war mit dem Rauschen der Wälder und mit dem Murmeln des Baches verschmolzen, eine neue verfönlicke Note der ,vv; imnigfe’t war gewonnen, ilnb als er nch über das Neue, das in ihm lebendtg geivor den war, klar war, ging er zu den Menschen und begann, sie die'e ieme Art persönlicher /^römtnigfeu zir lehren. Begann, ihneti zu sagen, dah Frömmigkeit etwas ganz anderes sei, als was man das Volk bisher gelehrt habe, nämlich nicht ein Leben in peinlichem Gehorsam gegen alle Gebote. '.n'dern ein beftnnmies 'Verhalten dem z'eden als Ganzem gegenüber. Auf dieses innere Verbalten der Seele dem Leben und der Well gegenüber komme es einzig an, es gelte einfach, das ganze Leben der Welt, der Natur, der Met'-chHcu als eine Verkörperung Gottes zu erfassen und so jede recht ersasite Betätigung des Lebens zu einem Dienste Gottes zu erheben. In diesem Gedanken, der im G.unde durch, aus nicht neu war, vielmehr zur Linie der alten jüdischen Irömmigkeil gehörte, aber weil er halbverichüilel war, als neu empfunden wurde, birgt sich viel Richtiges und es ist rasch einzuiehen, dast mit ihm gerade die Masse der Ungelehrten gewonnen werden konnte. Es komme also nur oaraus an, Gon m innerer Ireudig» feit zu dienen, das. so konnte der einfache Mann aus dem Bolke sich.sagen, ist ja kein Kunststück, dann braucht man ja nicht, um sromm zu sein, aelehrte Bücker zu studieren, daS kann ja doch jeder erlernen, ja gor nicht erlernen, sondern ersttblen. Rabbi Israel kleidete, was er meinte, einmal in die bezeichnenden Worte: DaS ist, „dast jeder Mensch selbst eine Thora werde", jeder Mensch trage eine Thora ln sich selbst, wir würden das in unserer Sprache etwa mit den Worten ausdrücken: Frömmigkeit erlernt man nickt, sie soll aus dem Herzen des Menschen quellen, sie ist ein Persönliche-, und der Mensch schafft aus den Kräften seines Herzenimmer neue Vertiefung der Anbetung und Erkenntnis Gottes, jeder tief Empfindende wird zu einem Scköpser von Religiosität, kann zu den höchsten Höben der Frömmigkeit emporsteigen. In all dem, waS Rabbi Israel derart lehrte, mar tatsächlich nichts, waS dem rabbtnischen Judentum wirklich fremd und entgegengesetzt war. Im Gegenteil, es ist eine' alte Lehre der Rabbiner, dast „Gott nur daverlangt", dasi es ans die Quantität tmd Aorm der Übung gar nickt ankommt, wenn nur der Sinn deS Handelnden rein aus Gott gerichtet ist, aber man bars eben nicht vergeffen, dast dieserabbinische Iudenttrm damals in einer Epoche des Verfalls war. eines Verfalls, der darin sich kundtat, dast die Quellen einer einfachen Herzenssrömmigkeit halb verschüttet waren, und eben gegen jene Verfallserscheinungen richtete sich die neue Lehre, und sie empfand sich selbst als Gegensatz zum rabbinifchen Judentum im Ganzen, »veil lsie Versallserscheinungen emeübergrosteAuSbreitung hatten. Welche Vorstellungen, welche Gefühle bildeten sich nun im Laufe der Aeit als die chatztdtfchen heraus? Das ganze ckastidifche Svstem ist getragen von dem Gedanken der Allgegenwart Gottes. Das Wort GotteS, denkt der Ehastid, ist unaufhörlich am Werke, Gott schuf nickt in einem einmaligen Scköpnmgsakt die Welt, sondern die lebenerzeugende göttliche Kraft ist ununterbrochen in Tätigkeit Die Welt ist eine nie abretstende Offenbarung Gottes. Und da alles in Gott ruht, kann es, must eS ein Leichtes und Selbstverständliches sein, bei allem, waS Luft erregt, nicht daS Äustere, Sinnfällige zu begehren, sondern an den Quell selbst zu gehen, an den Schöpfer, ihn in allen Dingen zu sehen und zu lieben. ,So fieht der Liebende fa auch in den Juwelen feiner Geliebten die Schönheit der Geliebten selbst, und gleicherweise erkennt, wer Gott wirklich liebt, in allen Erscheinungen der Welt nur die Offenbarung GotteS." Wenn aber Gott der Träger aller Dinge ist, dann gibt es eigentlich auch nichts BöseS; wenn die