KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 23 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 1107 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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*107 erholt und will Ihnen nun von diesem tragikomischen Ereignis erzählen. Als Division dritter Linie-würden wir erst 'ziemlich spät eingesetzt, als unsere Offensive an einem toten Punkt angelangt war. So hatten wir denn das zweifelhafte Vergnügen, statt eines frischen Vormarsches, auf den wir uns alle gefreut hatten, in Stellung gehen zu dürfen.Nur unterschied sich der Stellungskrieg hier insofern von dem allgemeinen Stellungskrieg, als es unmöglich war, befestigte Stellungen in Kürze änzülegen/ während der Engländer ganz toll seine Artillerie arbeiten Netz. In kleine Löcher gehucktgegen Sicht gedeckt/ galt es für uns, auszühalten. Eines schönen Morgens kurz vor Tagesanbruch kam nun der Engländer gedeckt durch den dichten Feuervorhäng an unsere Linie heran, und brach ein. Ich satz in meinem Loch und konnte wegen der direkt vor uns platzenden Schrapnells den Kops nicht hervorstrecken. Endlich gingen die Geschosse über uns hinweg, ich sprang hoch und sah auch schon einen dichten Haufen Engländer wenige Schritte vor meinem Loche an einem unserer l. M. Ss. Im ersten Moment hielt ich die Leute für unseren Schützenschleier, der zurückging, aber am Sprechen merkte ich gleich, datz es Engländer waren und ohne mich lange zu besinnen, sprang ich, von meiner Ordonnanz und noch einem Mann begleitet, aus meinem Loch heraus und lief, was mich die Beine tragen konnten, nach links zum Kompagnieführer hin, der in einer Ferme lag. Dort sing ich mich in der Hecke, und je mehr ich arbeitete, desto fester blieb ich hängen. Wenige Sekunden vergingen, da packte mich, einer am Arme, zwei Bajonette waren auf mich gerichtet und ich war gefangen. Man hielt mich für einen Offizier und auf Befehl eines englischen Offiziers sollten mich zweiMann äbführen. Es war ziemlich dunkel und ich merkte, datz meine beiden Freunde, die mir das Geleite gaben, im Gelände nicht recht Bescheid wussten. Diesen Umstand machte ich mir zunutze. Ich orientierte die Engländer im Gelände, zeigte ihnen, wie ihre und wie unsere Front lief (sie wollten mirs zwar nicht recht glauben — hätten auch gut daran getan/ über ich wusste sie schlietzlich doch zu Überzeugen, und sie folgten mir). Wir gingen unserer Schleierpostenlinie entlang. In einer Ferme, wo sich die Tommys einigermatzen sicher fühlten, wollten sie mir die Taschen visitieren und meine Uhr abnehmen, wogegen ich mich ganz energisch wehrte, und meine Antwort: „you are no gentlemen" half. Der Engländer lätzt sich an seiner Ehre nicht anpacken. So vergingen vielleicht 10 Minuten; dann gingen wir weiter, ich voraus, die beiden Engländer hinter mir. Da seh rch aus einem Erdloch zwei deutsche Stahlhelme herausstehen — es war unser letzter Posten am rechten Flügel; — ich flüsterte ihm im Borübergehen ein leises „uff se" zu, schon krachte ein Schutz/ ich warf mich auf den Boden und meine beiden-Geleiter nahmen Reitzaus. Schnell ergriff ich ein paar Handgranaten, fand dann noch' zwei Mann im Postenloch nebenan und suchte mit diesen zusammen die Ferme ab. Dann ging ich zur Kompagnie zurück und meldete mich aus englischer Gefangenschaft zurückgekehrt. Ich ' wurde allgemein beglückwünscht und gestern erzählte mir mein Kompagnieführer, er habe mich für das E. K. I. eingereicht. Nun werde ich einige Tage bei der Führerreserve Zurückbleiben; denn Erholung tut mir immer noch not: v' Ich schätze Sie beim besten Wohle und bin mit herzl. K. C.-Grutz Ihr Ludwig Isaak (Bav.). . . ., 10. 5. 1918. Lieber Herr Kartellbruder! Aus der Gegend, von N. viele Grütze. 'Wir haben ein paar fette Wochen hinter uns,', jetzt sind die Vorräte leider aüfgezetzrt. Die Offensive kann wieder beginnen. Datz wir Näxobavären Erich Blumenthal verloren haben, wissen Sie wohl. Ewig schade um ihn. Wann gab es denn zum letzten Male K: C.-Blätter? Ich habe so -länge keine bekommen. Beachten Sie bitte meine neue Felopost-Nr. Wir liegen in einem Walde. Gestern habe ich als angenehme Zukost eine Wildsau von braven zwei Zentnern geschossen. Bald gehts auf Urlaub, juchhe! Mit dem Wunsche, datz es Ihnen wie Ihrer w: Familie recht gut geht, grützt Sie vielmals Ihr sehr ergebener Walter Katz (Saxobav ). V:i.; - ■ ' -- Hindenburg, O.-Schlesien, 15. 6. 1918. Mein lieber Mainzer! Da wäre ich wieder glücklich in der Heimat, die ich beinahe 3'/, Jahre entbehren muffte, und melde mich natürlich sofort vorschriftsmätzig, wie sich daS fitr einen alten Soldaten und guten K.C.er ziemt. Du kannst Dir wohl denken, lieber Alter, wie selig ich bin. Die Fahrt von Krasnojank in Sibirien nach Hause gehört auch nicht zu den angenehmsten Dingen, es war überhaupt das erste Mal in meinem Leben, datz ich das Gefühl Angst kennenlernte. Nun ist das ganze Elend und der unsagbare Jammer vorbei und man ist wieder freier Mensch. Was das heitzt, kann wohl nur der ermessen, der eben dieses köstliche Gut so lange entbehren mutzte. Was sind dagegen Hunger und Durst, ja selbst die schwersten Verwundungen. Leider, oder Gott sei Dank, traf rchkeinen Berbandsbruder in der Gefangenschaft und Du kannst Dir denken, wie ich nach Berbandsnachrichten lechze. Könnte man nicht die K. C.-Blätter nachgeliefert bekommen? Gesundheitlich geht es mir einigermatzen, wenngleich ich von meinen schweren Wunden einiges zurückvehälten habe, aber ich denke, das wird sich auch wieder geben. Eben sprach ich am Telephon Odhin (Ehrenfried), dem es gut geht. Latz bald von Dir hören, empfiehl mich bitte Deiner Frau Gemahlin und nimm selbst die herzlichsten Grütze von Deinem tr. Caruso (Bav.). (Fritz Kochmann). Saarbrücken, 9.3.1918. Sehr geehrter Herr Kbr.! Der Gedanke der Saarbrückener K.C.-Tage wnckt beftuchtend. Zum zweiten Male haben wir uns zu tüchtiger Arbett zusammengefunden. Ich bitte Sie, zu . veröffentlichen, datz an jedem 3. und 1. Samstag des Monats K.C.-Abend im Hotel „Monopol", Saarbrücken, stattfindet. Anmeldungen an meine Ädreffe erbeten. Herzlichen Grutz Ihr Köster (Lic.) Dr. Atüller (Lic.). Grünchal (Ghib.,Thur.). Thea Well. Dr. Frost (Thur.). Im Felde, 9. 8. 1918. Lieber Alter Herr! Nachdem rch kaum in . . . Lust geschnappt hatte, bin ich schon wieder zum Regiment gekommen. Augenblicklich erholen wir uns etwas in der Nähe von . . . Doch schon in den nächsten Tagen soll es wieder nach vorn gehen. Ziel unbekannt. — Heute nacht konnte man ein üblA Trommelfeuer hören, es scheint auch an einer anderen Stelle etwas geplant zu sein. Die Urlaubsaussichten sind leider sehr mau, sodatz ich meinen Besuch bei Dir zu meinem grötzten Bedauern wohl noch für eine ziemlich lange Zeit auffchieben mutz. — Bon der Dhmängia habe ich bis auf eine Rechnung nun schon Monate lang nichts gehört. Nun nur noch die herzlichsten Grütze Deines tr.Bbr. c ' Berthold Krebs (Thur.).