KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 23 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 1103 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Du warst knapp achtzehn, - als Du die Münchener Universität bezogst. Ich weiß nicht mehrwie Du zu uns kamst, aus eigenem Antrieb, empfohlen oder „gekeilt". Ich weiß nur noch, wie Du das erste Mal bei uns saßest, wie Du uns in Deiner ruhigen, gemütlichen Art zu verstehen gabst- -aß Du Dich im Streben nach unseren Zielen uns anschließen wolltest. Dein sichere-, gesetztes Wesen, trotz Deiner Jugend, Dein guter, trockener Humor in Deinem unverfälschten schwäbischen Heimatdialekt vorgebracht — Dein gewandtes Austreten nahmen jeden unter uns für Dich ein. Ich war der erste, der Dich näher kennenlernte. Auf einer Tour auf den Herzogenstand, die wir am Tage darauf — Dü noch als „Keilfuchs" — mit noch einem Bundesbruder wachten, gingst Du aus Dir heraus angesichts der freien Gottesnatur, die es ja am besten versteht, Zungen zu lösen, Bernunstsgründe beiseite zu schieben, die uns schweigen, unser eigenes Innerstes bewahren heißen. Wir haben über Gott und die Menschen gesprochen, über Religion und Philosophie, als ob wir uns schon lange Zeit kannten. Dein bevorstehender Eintritt in unsere Verbindung bildete den Ausgangspunkt dafür. Wir kamen auch auf die Musik, die Dü leidenschaftlich lieblest. Ich staunte innerlich über die Größe Deines Jntereffenkreises, über: die Festigkeit Deiner Ansichten, über die Gewandtheit, in der Du sie zu verteidigen wußtest. Damals hat sich zum ersten Mal das Band vom Mensch zum Menschen geschlungen, daS Dich kurze Zeit darauf veranlaßt hat, mich zum Leibburschen zu wählen. Wir haben uns gut verstanden, Leibsuchs. Aber wer hätte Dich auch nicht leiden mögen, der Deine treue, biedere, gemütliche Schwabenart kennenlernte. Um wie viel mehr mußte sich aber das Gefühl bei denen vertiefen, die Dir näher traten, die sehen konnten, welch' großes Wissen, welch' außerordentlicher Wiffensounst, der Dich rastlos, schöpfen machte, iN Dir ruhtender Dich Deine philosophischen Anschauungen vortragen hörte, Dem sonst so ruhiges, gutes Äuge blitzen sah, wenn Du Deinen Häckel verteidigtest. Oder der Dich in der Oper sah, wie Dü die Musik in Dir stu^ nähmst, wie Du nachher begeistert" warst, wie Du jedes Motiv wiederholen konntest. WieDu Dich begeistern konntest, wenn Dü die Gründe Deines Eintritts in die Licaria und den K. E. darleMstl Meyn Dst von dem Mrecht sprachst, daS uns Juden zugefügt wurde und - zugesügt wird, wie Du gelobtest, ein wackerer Kämpfer im Streit ums ^HeM?ÄWynser.Hecht. zu fW! Trotz Deiner ifltterW Tiefe warst! Dü kein Freund von Trübsinn und Stubenhocken. Auf dem Paukboden und der Kneipe hast Dü Deinen Mann geständen wie beim Wintersport, und Dein - guter schwäbischer Humor hat uns so manche frohen Minuten bereitet. Selten mehr habe ich eine so in sich gefestigtefast abgeschlossene Persönlichkeit in so jungem Alter kennengelernt. Der frühe Tod Deiner Mutter mag viel dazu beigetragen haben. Du versprachst viel. Wir alle, hie Dich kannten, hofften Dich dereinst in den ersten Reihen unseres Verbandes zu sehen. Unsere Hoffnung sollte sich leider nicht erfüllen. Im Kampf fürs Vaterland, dem Du ohne Hurrapatriotismus und ohne viel Worte zu machen, anhingst, in glühendster Begeisterung anhingst, hast Du Dein junges Leben in den schweren Kämpfen im Westen darbringen müffen, in denen es um Sein oder Nichtsein kämpft. Wenn der Kampf draußen beendet sein wird Und die Llcaria um das nxu entfaltete Banner zu ihrem Kamps die Schar der Zurückgekehrten um sich sammeln wird, wenn dabei auf so manchen Namensruf keine Antwort ertönen wird, dann wirdsie, werden alle, die Dich kannten, nicht zum. wenigsten um Dich trauern, Otto Henle! Ludwig Rosenthal. sNassoviae, Licariae.) Zritz tamftomm. Friburgo-Ghibelliniae. Gestorben im Lazarett zu Rethel am 11. August 1918. In tiefer Trauer gebe ich den Tod des < Oberarztes der Res.. und Batls.-Arztes _ vr. Fritz Lamstomm Inhaber des Bayer. Mil.-San.-Ordens, des Bayer. Mll.-Perd.- OrdenS, deS Eisernen Kre»»es 1. «. 3. Klaffe und des Qesterr. „ goldenen Verdienst-Kreuzes bekannt. Er starb am 11. August im Lazarett an den Folgen seiner Verwundung. : Die 3^4 Jahre/die er Freud und Leid mit dem Regiment geteilt, sind eine Kette unermüdlicher vor-! bildlicher Pflichterfüllung. - l Wenn; her Truppenarzt als treuester. Helfer in. schwerer Not gilt, sp hat der Tote diese hohe Ehrenpflicht in vorbildlicher Weise erfüllt. Er hielt im schwersten FeuÄ bei den Verwundeten aus, er pflegte die'Sterbenden rnit allen Mitteln ärztlicher Kunst, er ging mit der Truppe in den schweren Kampf und: . war immer da, wo es am gefährlichsten und die Hilfe 'tön .wWwnMenstiest ' . . -' Vielen hat seine Aufopferung das Leben gerettet. ■■ Keiner wird i ihn vergessen, der Zeuge seines edlen Menschentums war.' : - Der Kommandeur;eines Res.-Jnf.-Regts.:• .. Major Albert Ritter von Be^tz. Diese erschüstMide Todesanzeige, aus der der ehrlichste Schmerz, die tiefste Lidse' und höchste