KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 23 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 1102 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1102 wir an der Bahre unseres lieben'Bundesbruders, Meines Leibbürschen Werner Kosterlitz standen^ Mit 19 Jahren ist er am 15. Juli den Folgen der tückischen spanischen Krankheit erlegen. Die Hülle, die diesen reichen Geist umschloß, war zu schwach, dem Ansturm der Krankheit standzuhalten. Schön, als er in seiner Vater« stadt KönigShütte das Gymnasium besuchte, hatte er mit mancherlei Krankheiten zu kämpfen, und noch in Oberprima mußte er eine schwere LunAestentzündung durchmachen. Trotzdem aber trat' er, als er nach glänzend bestandener Reife« Äng Ostern 1917 nach Breslau kam, in die ringia" ein. Gern wollte er die Unbequemlichkeiten des Berbindungszmanges tragen, weil er ein über« zeugter Anhänger unsrer großen Ziele war. Diese Ziele verfocht er begeistert. Sein Eifer, mit dem er.das Schriftwartamt führte, zeigte nicht nur seine hervorragendsten Eigenschaften, Fleiß und Pflichttreue in hellstem Lichte, sondern er bewies auch, mit welcher Liebe er an der Verbindung hing und wie er ihren Anforderungen erecht zu werden suchte. Noch auf seinem Krankenette bei hohem Fieber erkundigte er sich danach, ob sein Vertreter auch alle Arbeiten richtig erledigt hätte. Bei meinen Besuchen in den Tagen seiner Krankheit galt. seine erste Frage der Verbindung und ihren Mitgliedern. Dieser Bundesbrüderlichkeit entsprang auch seine Hilfsbereitschaft. Kaum vom ersten Anfall der spanischen Krankheit genesen, eilte er das Lager erkrankter Bundesbrüder. Wie leuchteten dann! seine Augen, wenn er seine medizinischen Kennt« nisse verwerten konnte. Und er hatte ein Wissen in seinem Fache, trotzdem er erst im dritten Semester stand. Gr arbeitete fleißig, weil er seinen Berus liebte und ihn hoch ausfaßte. Er wollte, wie er mir selbst einmal sagte, kein Durchschnittsarzt, sondern ein bedeutender Helfer für viele werden. Und er wäre es geworden; denn neben der Begeisterung, die ihn für seinen Beruf beseelte, lebten in ihm zwei Eigenschaften, die ihn jedes gesteckte Ziel hätten erreichen lassen - Fleiß und Pflichttreue. Neben seiner gewissenhaften, rührigen Arbeit und dem Ernst, mit dem er seine Ziele zu erreichen suchte, hatte er sich einen Frohsinn und eine Liebenswürdigkeit bewahrt, die mich außer seinen hervorragenden Eigenschaften als Mensch, Verbindungsstudent und Jude bestimmt hatten, mir ihn trotz des geringen Altersunterschiedes zum Leibburschen zü wählen. Ost haben wir gemeinsam lustige Stunden uns geschaffen, oft aber auch über ernste Dinge unsere Ansichten ausgetauscht. Diese Gespräche zeigten mir, daß ich einen trefflichen Menschen, -eine Persönlichkeit mir zum Leibburschen gewählt hatte und lehrten mich Kosterlitz immer mehr schätzen. Ganz besonders bewunderte ichseine begeisterte Baterlands« und Heimatsliebe. Trotzdem er in seiner kürzen Militärzeit — er wurdö wegen seiner schwächlichen Veranlagung schon nach zweimonatliger Dienstzeit entlaffen — die Strapazen und Mißlichkeiten des Dienstes zur Genüge kennen geleimt hatte, sprach er doch immer von dem erziehlichen Werte des Drills, her den Soldaten in kurzer Zeit den zur Landesverteidigung so notwendigen Gehorsam beibrächte. Er sehnte den Tag herbei, der Deutschland die Früchte seiner Siege bringen würde. Und ebenso liebte er seine engere Heimat. Er verglich einmal den Anblick vom Redenberge in Königshütte aus, wo man auf rauchende Schornsteine und Gruben sieht, mit dem einer Gebirgslandschaft; er kam zu dem Schluß, daß ihn diese Zeugniffe des Gewerbefleißes mehr befriedigten als landschaftliche Genüsse. Nun ruht er auf dem Friedhofe seiner Heimatstadt, und die Hämmer der Hütten fingen ihm, dem fleißigen Arbeiter, das Schlummerlied von Arbeit und Fleiß. Zu früh ist er dahingegangen, um in der Welt von sich reden zu machen) aber bei den Semen und bei uns lebt die Erinnerung an ihn fort. Wir werden nicht vergessen, was er gewesen, was er uns gewesen. Hans Reichmann, __ Thuringiae. Nach der Beerdigung sandte der Vater des Entschlafenen, Herr Justizrat Kosterlitz-Königshütte, der „Thuringiae" folgenden Brief: Der verehrten Verbindung „Thuringiae" danke ich — zugleich für meine Frau — innigst für das Geleit, das die Herren Kommilitonen unserem Werner vom Sterbehause bis zum Grabe gegeben haben. Wir danken herzlich für die Regungen des Hebens und der Seele, die die Verbindung in unserem braven Jungen ausgelöst hat, für die fröhlichen, frohsinnigen Stunden, die er mit seinen Bundesbrüdern verlebt hat. Wenn auch der Wunsch meines Sohnes, mit der Waffe für seine Farben einzutreten, versagt blieb, des bin ich sicher, er war nicht nur mit Worten, sondern mit Leib und Seele K. C.er und blieb es bis zu seinem letzten Atemzuge. MägeJhnen allen eine sonnige Zukunst beschieden sein! Möge es mir vergönnt sein, meinen jüngeren Sohn Ihnen dereinst zuführen zu dürfen. Ihr ergebener Kosterlitz. Gtto yrnle. (Licariae.) , Wir hätten's beide nicht gedacht, lieber Leibsuchs, als wir im Frühjahr 1917 in München Abschied voneinander nahmen, daß mir sobald die traurige Pflicht erwachsen sollte, Dir Worte des Gedenkens nachzurufen. Aber der große Mäher ist unerbittlich und unberechenbar. So hat er auch Dich genommen, Dich Treuen.