KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 22 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 1089 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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1089 alle — oder doch fast alle — „von jeher eine ausgesprochen nationale Richtung verfolgt haben". Nicht als ob sie historischen Unterschiede und Verschiedenheiten überhaupt verschwinden sollten: im Gegenteil, sie dürfen ünd sie sollen bleiben als „die reich und klar Mtzende Quelle lebenfördernder, starrer Freude und Begeisterung und wirksamer gegenseitiger Erziehung gleichermaßen zur Selbständigkeit wie zu straffer Ordnung, der Freundschaft und Jugendlichkeit, der Kraft und Gesundheit an Körper und Geist«. Ferngehalten aber soll alles werden, «was! das Gefühl der Mißachtung andersartiger Verbindungen und Verbände oder, darüber hinaus, ganzer Volksteile zu erwecken oder zu pflegen geeignet sein kann"? Da nun aus dem Krieg alle Teilnehmer „das Berstehenkönnen und Verstehenwollen" mit heimbringen auf ihre Hochschulen, so können und müssen sie in allererster Linie jenes „Unwesen der Verrüfe endültig und vollständig beseitigen", daß Verbindungen, die unbedingte Satisfaktion geben, mit solchen, die die Streitigkeiten nicht mit der Waffe zum Austrag bringen wollen, jeden Verkehr planmäßig und offiziell auf Jahre hinaus abbrechen. Daher nun der Antrag an die Landsmannschaften, die beiderseitigen Auffassungen (der schlagenden und der nichtfchlagenden Korporationen) „als gegeben hinzunehmen und auf dieser Grundlage die nötigen Schritte zu tun zur Herbeiführung von örtlichen Vereinbarungen, die geeignet sind, eine beide Teile befriedigende Beilegung von etwa vorkommenden Streitigkeiten in jedem Falle zu gewährleisten". So hofft der Antrag, die Einigung der inkorporierten deutschen Studentenschaft nach dem Kriege herbeisühren und fördern zu können. Diese Einigung ist aber nötig, weil gemeinsame Aufgaben zu lösen sind: „stärkere Vorbereitung ihrer Mitglieder für die Teilnahme am öffentlichen Leben, Neuregelung der Trinkfitten" u. dergl., und um dadurch zugleich unserem Volke ein Beispiel zu geben, „wie der gute Wille das Trennende zurückstellt und den Weg frei macht für das eine, was nottut: den gemeinsamen Dienst an der Aufrichtung einer gesunden deutschen Zukunft". Dieser zunächst auf ein bestimmtes Einzelziel gerichtete und so vernünftig und gut begründete Antrag ist natürlich bei weitem aussichtsvoller als jener idealistische gleich aufs Ganze gehende, von dem ich früher berichtet habe. Erst müssen einmal gewisse üble Auswüchse des Studentenlebens aus der Welt geschafft werden, die der Einigung hemmend im Wege stehen, und dazu gehört allen voran die aus dem Gegensatz der schlagenden und nichtschlagenden Korporationen herausgewachsene oder doch aus ihm ihre Hauptnahrung ziehende Unsitte des Verrufs mit seiner gegenseitigen Mißachtung und verbitternden und vergiftenden Gehässigkeit. Aussicht auf Gelingen hat nur ein solches auf einzelne Punkte sich richtendes Reformieren, nicht ein allgemeines ins Blaue und Uferlose schweifendes Einigen-wollen ohne bestimmte Ziele: dieses ist ein andächtig Schwärmen, jenes allein ein gut Handeln und ein wirkliches Bessermachen. Und daher begrüße ich diesen Antrag auf Beseitigung der studentischen Verrüfe jetzt wirklich ohne alle Skepsis. Indem er sich bescheidet und Maß hält und auf dem Boden der Wirklichkeit bleibt, hat er auch Aussicht auf Verwirklichung und bedeutet auf dem Wege zur Einigung der deutschen Studentenschaft, innen und nach außen hin, einen großen und erfreulichen Schritt vorwärts." Frauenftudium. — Die Zahl der an den sämtlichen deutschen Universitäten immatrikulierten Frauen ist in dem verflossenen Winterhalbjahr auf 6537 angewachsen, gegen 3693 im letzten Winter vor dem Kriege, im Winter 1913/14, und zwar waren im einzelnen immatrikuliert: in Berlin 1332 (gegen 880 im Winter 1913/14), in München 896 (gegen 441), in Bonn 533 (gegen 348), in $efteföevg 420 (gegen 333), in Münster 358 (gegen 191), in Marburg 348 (gegen 158)> in Breslau 300 (gegen 163), in Leipzig 397 (gegen 175), in Göttingen 380 (gegen 237), in Frankfurt 267 (gegen 100 im Winter 1914/15, in dem die Universität Frankfurt am Main erst eröffnet wurde), in Jena 340 (gegen 86), in Königsberg 306 (gegen 135), in Tübingen 197 (gegen 50), in falle 181 (gegen 87), in Freiburg 114 (gegen 243), in iel 111 (gegen 53), in Straßburg 98 (gegen 58), in Greifswald 95 (gegen 73), in Würtzburg 93 (gegen 36), in Rostock 68 (gegen 16), in Gießen 59 (gegen 30) und endlich in Erlangen 58 (gegen 32). Ueberall also haben wir eine überaus starke Zunahme, mir der einzigen Ausnahme von Freiburg, das auf weniger als die Hälfte zürückgegangen ist, während früher gerade diese Universität von den studierenden Frauen mit besonderer Vorliebe aufgesucht wurde; wir werden darin wohl eine Folge der häufigen Fliegerangriffe zu erblicken haben. Von den studierenden Frauen studierten 2963 (gegen 1937 im Winter 1913/14) Philosophie, Philologie und Geschichte, 1765 (gegen 849) Medizin, 1093 (gegen 663) Mathematik oder Naturwissenschaften, 130 (gegen 49) Jurisprudenz, 111 (gegen 42) Zahnheilkunde, 63 (gegen 9) Pharmazie, 25 (gegen 5) Landwirtschaft und schließlich 19 (gegen 11) evangelische Theologie. Der Heimat nach waren 6347 aus dem Deutschen Reiche selbst und 180 aus dem Auslande, von den letzteren 63 aus Oesterreich-Ungarn, 55 aus Bulgarien, 30 aus Rußland, i3 aus der Schweiz und 10 aus Luxemburg. Von den Angehörigen des Deutschen Reiches aber waren 4408 ans Preußen, 380 aus Bayern, 321 aus dem Königreich Sachsen, 364 aus dem Großherzogtum Baden, 160 aus Hamburg, 148 aus dem Großherzogtum Hessen, 143 aus Württemberg und 133 aus Elsaß-Lothringen. Vorbildung der Apotheker. Der preußische Minister des Innern hat die Apothekerkammer zu Äeußerungen über die Frage der Einführung des Reifezeugnisses als Vorbedingung für den Eintritt in den Apothekerberuf aufgefordert, nachdem vor kurzem der Deutsche Apotheker-Verein und die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft an die Bundesregierungen entsprechende Eingaben gerichtet haben. Verzicht auf die akademische Freiheit. Professor Dr.-Jng. C. Hernel verbindet mit dem Neujahrsgruß, den er als Rektor an der Breslauer Technischen Hochschule an deren Angehörige im Felde sandte, einen Vorschlag, auf den er die Antwort nach der Rückkehr der Studierenden erwartet. Um die Lücken, die der langdauernde Krieg notwendigerweise im Studium entstehen lassen muß, möglichst auszufüllen, schlägt er den aus.dem Kriege zurückkehrenden Studierenden vor, freiwillig für ein Jahr auf die akademische Lernfreiheit zu verzichten, da die Industrie nach dem Kriege mehr denn je vollkommen und aufs gründlichste vorbereitete Mitarbeiter brauche. Die Aufhebung der akademischen Lernsreiheit für diese Zeit begründet er mit der notwendigen Zeitausnützung und dem ständigen geistigen Verkehr zwischen Schüler und Lehrer, der sich ermöglichen lasse, wenn der Unterricht in ausgedehntem Matze seminaristisch gestaltet werde. „Zum Seminarbetrieb gehört aber," wie Prof. Heinel weiter ausführt, „daß die Schüler in vollkommener Regelmäßigkeit an chm teilnehmen und daß sie nicht nur körperlich, sondern auch geistig dabei sind. So schlage ich Euch denn vor, daß Ihr nach Eurer Rückkunft auf ein Jrchr freiwillig auf die akademische Lernfreiheit in der Weise verzichtet, daß ihr die Verpflichtung zum lückenlosen Schulbesuch auf Euch nehmt und dem seminaristisch mit Euch arbeitenden Lehrer im Schulbetrieb einen ähnlichen Zwang zugesteht, wie er in Frage und Antwortspiel an der Mittelschule besteht zum Segen der Jugend. Dieser Verzicht würde Euch zur Ehre und zum Segen, dem Vaterland aber zu rascher neuer Blüte gereichen."