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KC-Blätter · 1918-05-01 · Heft 22 (Mai 1918) · p. Seite 1088

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Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 22 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 1088 (sequence 38)
Language
German
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1088 keinem Sturm -er Welt, wachte treu über die Irrungen der Väter, ein Geistesriese als Wächter über das Erbe eines armseligen Geschlechtes. Es aibt Leute, die ganz gewiß nicht an Bescheidenheit sterbenwerden. Die Judenfrage in den Korporationen. Weder zu . Anfang des Krieges noch auch ganz gewiß in seinem weiteren Verlaufe hat.man sich mit der Judenfrage ernstlich befaßt und -re Aufnahme pon Sttrdenten jüdischen Glaubens ernstlich erwogen. Diese Frage ist auch im allgemeinen in den Zeitungen der großen Verbände nicht einmal erörtert worden. Eine Ausnahme machen, wie wir zuverlässig erfahren, die Landsmannschaften. Diese haben bekanntlich seit dem Jahre 1894 in ihren Satzungen die ausdrückliche Bestimmung, daß Juden nicht ausgenommen werden dürfen. Gegen diese Bestimmung ist von vereinzelter Seite Front gemacht worden und die Berbandsleitung scheint die Anregung für so wichtig gehalten zu haben, daß sie sie den Mitgliedern unterbreitete. Der Hinweis darauf, daß soviele Juden zu Offizieren gewählt worden sind, veranlaßt zu der Frage, ob man unduldsamer als die Regierung und wählerischer als der Papst sein und diese alte Unrichtigkeit weiterhin bewahren solle. Als Abhilfe wird vorgeschlagen, die Verbandssatzungen zu ändern. Daß hinter diesem Wunsche eine Bewegung steht, ist kaum anzunehmen. Die Korps haben bekanntlich keinen Paragraphen, der Juden ausschließr, obwohl sie sich in der Praxis möglichst judenrein zu hatten wissen. Es scheint sich hinter dem oben geschilderten Versuche nur der Wunsch zu verbergen, durch Streichung des Judenparagraphen das Gesicht zu wahren und hinterher Heimlich dieselbe Praxis auszuüben, die früher klar und offen auf Grund vorliegender Bestimmungen üblich war. Von der Hochschule in Warschau. Im laufenden akademischen Jahre beträgt die Zahl der an der Warschauer Universität eingeschriebenen Studenten im ganzen 2320. Davon sind 54,2 v. H. Christen und 45,8 v H. Juden. Bemerkenswert ist die Verteilung der beiden religiösen Bekenntnisse auf die verschiedenen Fakultäten. In der medizinischen Fakultät ist die Zahl der jüdischen Studenten überwiegendsie beträgt 610 von 941 Studenten, während unter den 767 Juristen nur 285 und unter den 412 Studenten der philosophischen Fakultät sich nur 122 Juden befinden. Als ihre Muttersprache gaben 2017 Studenten die polnische, 109 den jüdischen Jargon,.84 die hebräische, 3 die deutsche, 2 die russische und 1 oie französische Sprache an. Zusammenfassung der vaterländisch empfindenden Studentenschaft. Der Ausschuß zur Gründung eines Bundes deutsch-nationaler Studenten veröffentlicht einen Aufruf, rn dem es heißt: Das Gemeinschaftsgefühl, das aus der nattonalen Begeisterung entstand, mutz der deutschen Studentenschaft auch weiterhin erhalten bleiben. Es muß eine Grundlagegeschaffen werden, auf der die vaterländisch gesinnten deutschen Studierenden sich zusammenfinden können zu gegenseitiger Förderung ihrer staatsbürgerlichen Erziehung. Der deutsche Student darf sich -nicht mehr von der Arbeiterjugend beschämen lassen, in der der Trieb zu staatsbürgerlicher Ausbildung lebendig ist und tatkräftig unterstützt wird. Daß es heute für die deutsche Studentenschaft eine Notwendigkeit geworden ist, sich zusammenzufchließen, beweisen Vorkommnisse an einer Reihe deutscher Universitäten, an denen sich deutsche Studierende im Sinne der Unabhängigen Sozialdemokratie betätigen und sich zu Tendenzen bekennen, die Hinzielen auf eine Vernichtung jedes nationalen Empfindens und Wollens Es ist die Wicht der vaterländisch gesinnten deutschen Studentenschaft, sich gegen das weitere Eindringen stäatszerstörender Ideen in ihre Kreise zu wehren. Die Einigkeit in der nattonalen deutschen Studentenschaft zu erhatten, staatsbürgerliche Erziehung durch Borträge, Diskussionen usw. zu vertiefen und Verständnis für vaterländische Fragen in der Studentenschaft zu erwecken — das sind die Ziele des Bundes deutsch-nationaler Studenten. Der Bund, der in den nächsten Tagen auch unter der Münchener Studentenschaft gegründet wird, will nicht in das Leben irgendeiner Korporation eingreifen, sondern er ist eine freie, interkorporative studentische Bereinigung zur Pflege vaterländischer Gesinnung und staatsbürgerlichen Wissens. Er lehnt es ab, sich in Dienst einer politischen Partei oder einer Bereinigung mit kriegszielpolittschen Tendenzen zu stellen. — Bon der Richtung des neuen Bundes in Bezug auf die Judenfrage verlautet noch nichts.' Man wird seinen ersten Taten entgegensehen müssen, um seinen Charakter zu erkennen. Zur Einigung der deutschen Studentenschaft. — In der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" schreibt Prof. Dr. Theobald Ziegler aus Frankfurt am Main über die Frage des studentischen Verruss das folgende: „In meinem Aufsatz über „Der Deutsche Student im Krieg" in Nr. 73 und 75 der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung« habe ich auch der Bestrebungen gedacht, noch während des Krieges einen zu berufenden Deutschen Studententag über einen engeren Zusammenschluß der gesamten deutschen Studentenschaft und die dahin gehörenden Aufgaben beraten zu lassen, habe mich aber angesichts der Geschichte des deutschen Studententums in den letzten 100 Jahren solchen gutgemeinten Versuchen gegenüber einer gewissen Skepsis nicht erwehren können. Nun möchte ich von einem neuen Versuch, in studentischen Kreisen zu einer gewissen Einigung zu kommen, hier berichten. Es sind mir zwei Anträge in die Hand gefallen, die von einem Alte-Herren-Verband an die Deutsche Landsmannschaft (den Koburger L C.) gerichtet sind. Im ersten handelt es sich um „Leitsätze über Fechtfragen", die die Allgemeinheit nicht interessieren. Wohl aber um so mehr der zweite, der den Anstoß geben möchte zur Beseittgung des Unwesens der Verrüfe auf den deutschen Hochschulen. Er richtet sich zunächst gegen die mit der Frage der unbedingten Satisfaktion zusammenhängende Berrufserklärung. Bekanntlich wird die unbedingte Genugtuung mit der Waffe von den einen Korporationen prinzipiell vertreten, während die anderen nichtschlagenden Verbindungen diese Form des AustragS ebenso prinzipiell ablehnen. Diese verschiedene Stellungnahme ist vor dem Krieg der Anlaß zu vielen bösartigen Streittgkeiten gewesen, und die Folge war meistens, daß „ganze Verbindungen und örttiche Verbände den gegenseitigen offiziellen wie persönlichen Verkehr herüber und hinüber planmäßig auf Jahre hinaus unterbrachen"- und so wurde dann in leichterer oder schwererer Form der Verruf ausgesprochen. Nun wird jener Gegensatz nicht aus der Welt geschafft, wohl aber wird er gemildert und in vernünfttge Bahnen geleitet werden können. Eine der größten Segnungen des Krieges ist es, „daß er die einzelnen Teile unseres Volkes einander nähergebracht hat, daß wir alle herüber und hinüber uns besser verstehen gelernt haben und über die Klüfte der Verschiedenheit des Berufslebens, der sozialen Stellungen, der politischen Ansichten, der religiösen Bekenntniffe und der Lebensanschauungen" hinweg den Weg zueinander gefunden haben. DaS muß doch auch für die deutsche Studentenschaft gelten und prakttsche Konsequenzen für sie haben, zumal da ihre Korporationen

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