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KC-Blätter · 1918-05-01 · Heft 22 (Mai 1918) · p. Seite 1085

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Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 22 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 1085 (sequence 35)
Language
German
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1085 naiver Schaffensfreude in den Vordergrund zu stellen. -Das - zog ihnen eine Niederlage eben da zu, wo sie allein verwundbar waren: auf gesellschaftlichem Gebiet. Der größere Fehler aber ist, daß die christliche Gesellschaft ihnen rundweg mit Verachtung begegnete, sie einfach — ohne Rückficht auf das so brauchbare Menschenmatertal — liegen ließ. Sie galten als erziehüngs» unfähig, als rohe Masse, die keine gute Form geben konnte. Man stieß sich naserümpfend an Aeußerlichkeiten, ohne den Geist zu spüren... mangelnde Psychologie. Die Juden sollen keine Außenseiter a priori sein! Bon Freundschaft und Heirat spreche ich nicht, das sind Dinge, die unter der Haut liegen. Aber Achtung soll man hegen: den Menschen als Bolksglied und gesellschaftlich fähig anerkennen^ Ich entsinne mich auf einen Fall zweier Schwesternpaare. Solange das Judentum des einen Teils eine kleidsame Ausnahme, eine kokett zu nehmende Distanz war» ging es. Als die Damen älter und im gesellschaftlichen Leben erfahrener wurden, blieb auf jüdischer Seite die Enttäuschung nicht aus. — Die Bitterkeit solcher Erfahrung verdirbt jede Harmlosigkeit. (Fortsetzung folgt.) Hermann Lohen—der Philosoph der ewigen Jugend. Von vr. B. Kellermann. In den vielen Würdigungen, die bisher das Leben und Wirken Hermann Cohens gefunden hat, dürfte ein Gesichtspunkt noch nicht zu jener Geltung gekommen sein, der in erster Linie hervorgehöben werden muß. Es ist die philosophische Beziehung Cohens zur Jugend überhaupt und nicht zuletzt zur jüdischen Jugend. Es ist freilich richtig, daß jeder Philosoph zur Jugend Stellung nimmt, weil ja die Erzietzungslehre einen Teil der philosophisch-psychologischen Disziplinen bildet. Aber diese Art der Stellung ist doch von denk-ökonomischen und praktischen Rücksichten abhängig. Wodurch sich aber die Cohensche Philosophie prinzipiell von der Philosophie eines jeden andern Denkers unterscheidet, das ist die eigenartige Tatsache, daß der Charakter dieser Philosophie von Hause aus — gleichsam a priori — aus das Problem der Jugend oder bester: aus das der Verjüngung aller wahren Kulturwerte angelegt ist. *, Um diese These in ihrer vollen Tragweite zu verstehen, ist es nötig, die Verbindungslinien auszuzeichnen, die zwischen Cohen und Kant bestehen. Kein Begriff in der kantischen Philosophie hat so sehr Mißverständniffe und Verirrungen innerhalb des Idealismus hervorgerufen wie der Begriff des „Ding an sich". Alle Well war erstaunt, als Kant mit diesem Begriff scheinbar wieder der scholastischen Philosophie den Eingang in das Kulturleben eröffnete, nachdem er in seiner Kritik der reinen Vernunft diesen Begriff als metaphysisches Gespenst für immer verscheucht hatte. Was sollte dieser Begriff, wenn man im Sinne kantischer Philosophie doch nicht in der Lage war, sich von ihm ein klares, vorstellbares Mild zu machen, wenn man ferner auch darüber nicht Bescheid wußte, welche bestimmte Kultursunktion ihm zuzusprechen sei! Kein Wunder, daß nun wieder die Skepsis die volle Schale ihres Spottes auf das System Kants ausgoß) war es ihm doch nicht gelungen, die alte metaphysische Wißbegier nach dem letzten Grunde aller Dinge derartig zu lösen, wie sie dem Geiste seines Systems entsprochen hätte. Während er aus der einen Seite den Grundsatz prägte: Begriffe ohne Anschauungen sind leer, und Anschauungen ohne Begriffe find blind, mußte er andererseits als der Weisheit letzten Schluß bei einem Begriffe Zuflucht suchen, deffen logische Herkunft sehr zweifelhafter Natur war. Da frohlockte denn die positive Theologie und die mit ihr im Bunde stehende Romantik. Mit großer Befriedigung stürzten sich beide auf diesen Begriff, der ihnen das Recht zu geben schien, allen logisch unkontrollierbaren Fiktionen Rang und Stellung in Wissenschaft und Dichtung zu verschaffen. Sollte nun dennoch das kantische System in seiner Klarheit und Reinheit für die Neugestaltung und Fortzeugung der Kultur systematischen Wert behalten, so mußte der Begriff des „Ding an sich" eine Erklärung bekommen, die ihn als ein berechtigtes und notwendiges Glied in der kantischen Begriffskette erscheinen ließ. Hermann Cohen unterzog sich dieser Ausgabe Und löste sie. Mit kongenialem Verständnisse wies er darauf hin, daß der Begriff des „Ding an sich" für Kant identisch sein muß mit dem Begriffe des Zweckes, mit dem Begriffe der Idee. Soviel Arten des Zweckes existieren, soviel Arten von Ideen begrenzen und erweitern den Bereich der reinen Vernunft: Da aber alle Ideen, d. h. alle Zwecke der Kultur in der ethischen Idee ihre Krönung und ihren Ruhepunkt finden, so muß auch die Ethik als solche die Idee schlechthin, d. h. das „Ding an sich" bedeuten. Aber damit ist noch nicht gesagt, welche logischen Funktionen die ethische Idee zu vertreten hat. Für die Antwort auf diese Fragen orientierte sich Cohen bei dem Philosophen des klassischen Altertums, bei Plato. Für Plato bedeutet die Idee die Aufgabe der ewigen Ein-

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