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KC-Blätter · 1918-05-01 · Heft 22 (Mai 1918) · p. Seite 1084

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 22 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 1084 (sequence 34)
Language
German
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1084 Der deutsche Jude, durch beständige Nadelstiche überempfindlich geworden, darf hingegen fich auch dann nicht unwillig abwenden, wenn eine takllose Bemerkung fällt. Ein Offizier sagte mir während des Krieges: „Bei Euch (den Krastfahr-Formationen) gibts wohl viele Juden?!" Ich erwiderte: „nicht so viel wie Christen". Seit diesem Tage hatte ich Ruhe. Das Vaterland verlangt auch seelische Opfer) unterdrücken wir also den Unmut. Dementsprechend müssen die deutschen Juden alle Bestrebungen ablehnen, deren Ziel außerhalb der Reichsgrenzen liegt. So sympathisch mir der Katholizismus ist, als Patriot lehne ich jede ultramontane Bestrebung ab. Ebenso die zionistischen Wünsche, mögen fie im Kern noch so edel sein. Erst recht internationale Bestrebungen. So etwas muß auch Lei milder Anschauung die Juden verdächtig machen. Leider eben glaubt man dem deutschen Juden noch nicht so recht sein Deutschtum. Man hüte fich: aus Gegenseite lauert mancher, um zu sagen: aha — solche Leute machen noch Ansprüche in Deutschland! Stärker find meine Forderungen im Hinblick aus alle Fehler im Verkehr. Annäherung — im seelischen Sinne — fordere ich. Und mehr vom Christen. Mit mehr Geist, mehr Psychologie muß geurteilt werden, nicht nach dem Aeußeren oder der Würde der Person, die einer ausstrahlt. Eine gut gebügelte Hose und ein glatt rasiertes Gesicht find ästhetisch wertvoll, sonst abernichts. Schlimm genug, daß man über solche Dinge überhaupt noch reden muß, aber eS ist so. Ein „hübscher Kerl" macht alles. Auf so etwas darf aber keiner hereinsallen, der fich anmaßt, Vorgesetzter sein zu wollen, d. h. den Untergebenen von Grund auS zu kennen. Das ist das Schlimme am System: die am wenigsten Berufenen geben oft am meisten ein autoritatives Urteil ab. Gerade diesen Vorwurf macht uns das Ausland, auch das bundestreue, stammverwandte Oesterreich. Pros. Eulenburg sB.-Tgbltt.: Nr. 369, 22. Juli 1917, 2. Beiblatt) weint geradezu, dem Deutschen eigne einfach das stammhafte, künstlerische Erfassen nicht ) ihm fehle jede psychologische Schulung. Dies hat wohl seine Richtigkeit. Und andererseits ist dies gerade die Stärke des Romanen, der allerdings mit seiner, oft sehr in die Tiefe gehenden Psychologie und mit dem Aussprechen dem Germanen unsympathisch ist, weil: er keusch Verborgenes «nttzüllt, unnötig bloßstellü In der gleichen!Richtung liegt der Wunsch, den Juden als deutschen Menschen für sichohne Vorurteile, anzusehen. Die outrierte Männlichkeit parfümierter Balkanjuden lieben auch wir nichts -Dennoch ist aber jeder Mann seinem Wert entsprechend zu nehmen. Man bewerte eben rein die Persönlichkeit — nicht über, wie eS der leberkranke Beamte macht: dem hübschen Gesicht alles zu Gefallen tun — (weil er fich ästhetisch angenehm berührt sühlt) und dem unbeholfenen Provinzialen (dessen Erscheinung andere Empfindungen auslöst) mit „Schneid" und Abweisung begegnen. Gewiß find das ganz alltägliche Dinge, aber fie müssen endlich einmal ausgesprochen werden. Hierzu gehört auch besonders, daß der Christ als Draußenstehender endlich gesellschaftliche Unterschiede mache. „Gesellschaft^, wie ich es hier ausfasse, ist ein Kreis von Personen, die miteinander häufig verkehren, gleichmäßig Ansprüche an die Menschen außerhalbihres Kreises stellen und ihre psychologischen Erfahrungen nur untereinander austauschen, bezw. nur an die Nachkommen ihres Kreises weitergeben. Insbesondere werden untereinander ausgetauscht (und streng als Geheimnis ihres Kreises'bewahrt) die Unterscheidungen gegenüber den Außenstehenden und psychologischen Mittel zur Erlangung von Vorteilen vor und von ihnen. Gleiche Vermögenslage oder gleiche Bildung (Wissen) ist nicht vonnöten) lediglich ein strenger seelischer Abschluß gegen Außenstehende. Kürzer: jede „Gesellschaft" kennzeichnet sich durch die Art ihrer Menschenbehandlung. So kommt es, daß jemand lange Zeit mit einer bestimmten Gesellschaftsklasse verkehrt und dennoch nicht zu ihr gehört. Dem „Fremden" erweist man dann jede Höflichkeit, aber keine Vertrautheit. Getaufte Juden fiatlern häufig so zwischen den GesellschaftsLassen unsicher umher. Das aber will man im christlichen Lager nicht immer sehen: Klaffen der Gesellschaft gibts unendlich viele und nicht jeder Mann deS Namens Cohn oder Lewy handelt mit alten Hosen oder ist Rabulist oder Wucherer. Aus tiefste muß es empören, in einen Topf mit allen anderen geworfen zu werden. Eben deshalb muß auch der gesellschaftliche Abschluß der einander entsprechenden jüdischen und christlichen Kreise aushören. - - Damit ist es nicht getan, daß man am Krankenbett, im Hörsaal, bei Standesfragen zusammentrifft und — nach getaner Arbeit? — kalt seines Weges geht. Niemals kann dann der gleichwertige, gleich gebildete Personenkreis zur Mitarbeit herangezogen werden. Und das erfordert ja das salus reif publicae. v. :• Das ist das Schlimme, noch immer gilt der Jude als Parvenü in anständiger, seiner Klaffe entsprechenden, christlichen Gesellschaft. Er hat versucht, sich mit seinen Leistungen Ansehen zu erobern, weil die rein gesellschaftliche Stellung nochanfechtbar war. Das war ein Irrtum: höchst selten erobert man mit Leistungen die „Gesellschaft". So wuchs der Fehler der Juden, ihre gewiß beachtenswerten Leistungen -mit

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