Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1918-05-01 · Heft 22 (Mai 1918) · p. Seite 1078

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 22 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 1078 (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2268830-2268910-2268913--2164-2271319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

suchustgen insbesondere für den K.-C. würde sich also Ergeben: Es wird auch nach dem Kriege an dem Grundsätze der unbedingten Satisfaetion sestjuhalten fein. Dies schon deswegenweil der K.-C. seiner ganzen Tendenz nach gerade in der Frage der Satisfaetion nicht selbständig Vorgehen kannsondern sich nach den großen Verbänden zu richten hat. Denn er will ja gerade beweisen, daß er fähig ist, auch mit nur jüdischen Mitgliedern eine echte deutsche akademische Verbindung zu bilden. Naturgemäß kann er dWN in einer solchen prinzipiellen Frage, wie eS -die Satisfaetion ist, keinen von den maßgebenden christlichen Verbänden abweichenden Standpunkt einnehmen. Die K.-C.-Berbindungen werden nach Friedensschluß vor allem das Schlägerfechten eifrig zu pflegen haben, um ihren Mitgliedern die erforderliche körperliche Schulung zu verschaffen und ihre Willenskraft zu stärken. Bei der durch 4 Jahre unterbrochenen Tradition, bei dem Fehlen im Fechten ausgebildeter älterer Inaktiver wird das in den ersten Semestern keine leichte Aufgabe sein. Dringend erforderlich aber wird eine gute Schulung dßs jungen K.-C.ers gerade guf dem Gebiete des Fechtens sein, da sich noch nicht übersehen läßt, ob nicht die ersten Jahre nach deuc Kriege gerade hierin große Anforderungen an die K.-C,er stellen werden. . . Dr. iur. Ernst Rosenthal sThuringiae), Gerichtsassessor, z. Z. Leutnant d. R. im-Felde. Der neue Jude. Ein Beitrag zur Psychologie der deutschest augenblicklichen Judenfrage.) Von Vr.W. Graetzer, (Lieariae). Fortsetzung. v Das Problem ist nunmehr: Vorgefundene Unterschiede unter einen höheren Gesichtspunkt zu bringen, sie innerhalb Deutschlands zu einen, weil ja „deutsch" der Oberbegriff — auch im weitesten Sinne — bleiben muß. Denn der Vorschlag, die Juden in Massen gewaltsam äirszutreiben, ist jetzt wohl aus allen Köpfen geschwunden) der Wunsch, in Massen freiwillig auszuwandern, ist bei wenigen vorhanden Und stößt noch auf solche Schwierigkeiten, daß ernsthaft zunächst daran nicht gedacht werden kann. Außerdem aber entfällt damit die wichtigste'gefetzte Bedingung: innerhalb Deutschland eine Einigung. Der Gedanke des „Aufheiratens" ist oft5 geäußert mordenweil fö im Familienkreis und durch Blutmischung sich ein Ausgleich völlzieht. Bismarck vertrat diesen Gedanken: Aber ihn praktisch durchzuführen ist abgesehen von allen attdereü Gründen schon deshalb Ustmöglich, weil Mir keine ZwaUgSehe haben: Schließlich erscheint ein Maffenübertritt zum Christentum erst recht Unmöglich (vgl. K. C-Zeitung, März-April 1917, 16. Heft, S. 859 ff). Bon äußeren Schwierigkeiten abgesehen — damit wurde ldie Sachlage nur verwischtl). Solange Jude und Christ den Wunsch habestauf dem Boden des Deutschen Reiches gemeinsam zu arbeiten, zu. leben und zu sterben, solange müssen sie unter einem Gesichtspunkt miteinander fertig werden, wenn nicht sinnloser Zwiespalt Deutschland nntertzöhlen soll. Zudem würde eine rein äußerliche Annahme der gleichen Religion doch das „Wesen", schwer und langsam, das Innere aber, das allein Entscheidende, kaum ändern. Damit wäre nichts gewonnen. Wobei noch immer unentschieden bliebe, wer von beiden mehr schlechte Eigenschaften hat, sich also nach dem andern ein* * richten -soll. Und wer will dabei den Richter spielen? Ein deutscher Christ oder Jude wäre befangen: er würde in eigner Sache urteilen. Einen Ausländer wieder können wir nicht als Richter anerkennen. ■ Hier ist, — wie yben angedeutet — die Lösung zu suchen. Die bisher genannten Möglichkeiten gehen am Kern der Sache vorbei. Wir suchen einen Ausgleichder beide Richtungen zusammen — und den Weg ins Freie führt. Diese gesuchte Resultante im Parallelogramm der jüdischen und der christlichen Kräfte ist hie gemeinschaftliche Arbeit, das Wohl- Deutschlands, das »salus rei publicae«. Meine Worte erscheinen einfach und bekannt. So, wie ich eS sehe, stellen sie aber starke Anforderungen an . beide Parteien, die stärksten freilich an unsere christlichen Mitbürger. — Ich wiederhole: meine Formel stellt die stärksten Anforderungen an unsere christlichen Mitbürger. Ein im K. C, vielgebrauchtes Wortes heißt: Stiefkinder müssen doppelt artig sein. Ich kann das nicht gelten lassen. Bedarf nicht unsere Allmutter Germania in -diesen Tagen aller ihrer Kinder, — der geringsten am meisten. Nicht Stiefkinder sind wir: unser großer Bruder ist eS, der im Hause maßlos gegen uns austritt, der sich benimmt, als sei er allein der Herr und könne alles vom Tisch nehmen. Den üblen Ton, der bei uns in Deutschland eingeriffen ist, den wollen wir bannen. Denn wir stehen zueinander nicht wie Herr und Knecht, sondern wie zwei Arbeiter, die nebeneinander aus gleichem Boden ackern und *) Man lese Walter Rathenanr (Neue Rundschau, Oktober-Heft 1S17, Seite 1413} beffen Schrift erst zu spät in meine Hände kam. •) Bon Dr. Ludwig Holländer, Lieariae.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.