KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 22 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 1076 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2268830-2268910-2268913--2162-2271317- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1076 Schlagerpartie durchaus beabsichtigt sind.. Aberes ist zu untersuchen, ob das unästhetische Blutvergießen und die etwas roh anmutenden Körper-; Verletzungen nicht durch die Vorteile völlig ausgeglichen werden, welche die Schlägermensup für die ganze Erziehung des jungen Studenten hat, und zwar so ausgeglichen, daß die Vorteile diese Nachteile weit überwiegen, also keinen, stichhaltigen Grund mehr für eine Abschaffung, der Schlägermensur abgeben können. Denn Licht und Schatten gibt es bei allem Menschenwerk, es kommt nur auf das Verhältnis an Ij Und da scheint mir doch daS Schlägerfechten', recht überwiegende Vorteile zu haben. Einmal die Stählung der Körperkraft und, die Erhöhung der Gelenkigkeit durch das Fechten an sich, ohne Betätigung des Erlernten auf der Mensur. Dann die gar nicht hoch genug zu bewertende Stärkung der Willenskraft. Denn schließlich ist doch nun einmal ein Schlägereine recht harte Eisenstange, und es gehört eine Anspannung der ganzen Energie dazu, sich mit dieser harten Eisenstange auf dem Schädel herumtrommeln zu lassen — sei es nun auf dem Paukboden mit dünner Filzmaske oder auf Mensur mit bloßem Kopfe —, ohne mit der Wimper zu zucken, geschweige denn den Kopf „wegzustecken". Ebenso erfordert auch das im Gefolge einer Schlägerpartie unvermeidliche. Zunähen der Schmisse eine recht beträchtliche Energie im ruhigen Ertragen von Schmerzen - mit der Betonung auf dem „ruhig"! Ein Mensch aber, der diese Selbstbeherrschung gelernt und sich als selbstverständlich angewöhnt hat, wird auch im späteren Leben diese gute Eigenschaft nicht vermiffen lassen. Nur, wer es gelernt hat, sich selbst völlig in der Gewalt zu haben, kann als wahrer Mensch erachtet werden: „Bon der Gewalt, die alle Wesen bindet, Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.^ Zur Erwerbung dieser Ueberwindungskraft zunächst in körperlicher Beziehung und in der Folge hiervon in Bezug auf den ganzen Charakter des Menschen ist also das Schlägerfechten und seine praktische Anwendung, die Schlägerpartie, ein Mittel, das sich zum mindesten'mit jedem anderen messen kann/ ja, ich möchte sagen, das geeigneter ist als die meisten anderen Mittels da es in der tatsächlichen Mensur eine Probe auf das Exempel von sonst nicht zu erreichender Wirklichkeit hat. Diesen großen Vorteilen des Schlägerfechtens gegenüber, verschwinden die schließlich nur aus ästhetischen Gebiete liegenden Nachteile wohl fast völlig. Schließlich ist es auch nicht weiter ästhetisch, beim Fußballspiel halbnackte, schweiße triefende, krebsrote Gestalten einen Ball mit den Füßey in wilden Bewegungen von sich stoßen zu sehen. Nicht unerwähnt soll auch noch eine andere Seite der studentischen Schlägermensur bleiben. Sie hinterläßt auf den Köpfen und Wangen ihrer Anhänger recht sichtbare, von ihnen mit Stolz getragene Zeichen, welche sie schon äußerlich als Studenten erkennen laffen. Selbstredend macht nun der Schmiß nicht den gebildeten Mann! Aber Studenten sind junge Menschen und als solche nicht von der ruhigen Abgeklärtheit des Alters. Sie haben den jedem Menschen, insbesondere aber der Jugend, innewohnenden Drang nach Aeußerlichkeiten und nach äußerlichen Unterscheidungen auch ihres Standes. Und der Schmiß kennzeichnet nun einmal den deutschen Studenten. Da wir nun nicht hoffen wollendaß das Ziel der menschlichen Entwickelung eine völlige, entsetzlich langweilige Gleichmachung aller Individuen ist, so soll man dem Studenten auch sein Unterscheidungsmerkmal laffen, solange es ihm selbst Vergnügen bereitet, zumal es andere nicht stört, und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten ja ausschließlich von ihm selbst getragen werden. Daß diese äußere Kennzeichnung deS Studenten mit einer Verletzung des Körpers verbunden ist, kann auch nicht als Gegengrund angeführt werden, solange man nichts sagt gegen die Tätowierung mancher Arbeiterklassen, z. B. der Schiffer, oder -gegen die Durchstechung der Ohrläppchen unserer Damenwelt zur Ermöglichung der Befestigung von Ohrschmuck! Auch der Student betrachtet seinen Schmiß als Schmuck! Um die Schlußfolgerung aus allem Gesagten noch einmal mit klaren Worten auszusprechen: Die deutsche Studentenschaft scheint mir keinen Grund zu haben, in der kommenden Friedenszeit die Schlägermensur abzuschaffen/ im Gegenteil, sie wird auch! fernerhin ein gutes und geeignetes Mittel zur Erziehung des jungen Studenten sein. — Ganz andere Gesichtspunkte sind allerdings bei der Frage nach der Beibehaltung des Säbel- und PistolendueÜS maßgebend. Mit Absicht spreche ich nicht von Säbel- oder Pistolen- M ensu r. wie es früher im studentischen Sprachgebrauch häufig Sitte war, da eben diese beiden nicht mehr in den Rahmen der rein studentischen Mensur gehörensondern echte Zweikämpfe — Duelle — find. Somit wäre es auch eigentlich nicht in erster Linie Sache der Studentenschaft, sich schlüssig zu werden, ob Säbel- und Pistolenduell noch in unsere veränderte Zeit passen, sondern Sache aller der Leute, — und vor allem der in reiferen Jahren befindlichen, — die auf dem Standpunkte, der Satisfaction stehen, die meinen, daß unter Umständen die vom