Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1918-05-01 · Heft 22 (Mai 1918) · p. Seite 1073

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 22 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 1073 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2268830-2268910-2268913--2159-2271314
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

^Auch über unsere Stellung zü den pariLatischep Verbindungen haben wir gesprochen. Je ausdrücklicher unsere jüdische Arbeit wird, um so weiter^Muß der Abstand werden, der uns von ihnen entfernte Daß früher' im Kampfe gegen den Antisemitismus von ihnen manches geleistet worden ist, soll' keineswegs verkannt werden. Aber heute haben sie diese Aufgabe völlig vergessen. Ein bewußt jüdischer Verband kann aber nicht Zusammengehen mit Vereinigungen, die ihrem ganzen Wesen nach dem Jndifferentismus weitesten Vorschub leisten. Daß sich der K C. auch nicht den allermodernsten Zeitforderungen verschließt, beweist, daß man sogar über ein Zusammengehen mit jüdischen Studentinnen beriet. Die Aufgabe, die der Frau in der jüdischen Bewegung zugefallen ist, ist erst in den letzten Jahren in vollem Umsang erkannt worden. Es darf daher keine jüdische Organisation versäumen, sie zu positiver Mitarbeit heranzüziehen. Aus dieser Erwägung heraus wird auch der K. C. danach trachten, sich mit den jüdischen Studentinnen auf einer gemeinsamen Arbeitsbasis zu treffen. Eigenartig mag es erscheinen, daß auf diesem K. C.-Tag verhältnismäßig wenig von Antisemitismus geredet wurde. Unsere Stellung zu ihm ist aber auch so bekannt, daß es kaum eines Wortes hierüber bedarf. Hinzu kommt, daß gerade auf diesem Gebiet die Verhältnisse noch völlig ungeklärt sind. Unsere Gegner kennen uns, und sie werden wohl auch nicht erwarten, daß unser Rüstzeug stumpfer geworden ist. Wir müssen es ihnen überlassen, ob sie nach allem, was jetzt geschehen ist, bei ihrem Tun, das man dann wirklich nicht anders als verbrecherisch bezeichnen kann, beharren wollen. Daß ein Optimismus auch in bezug auf die Hochschulverhältnisse wirklich nicht am Platze ist, beweist die vor kurzem an einer Universität erfolgte Gründung einer Vorklinikerschast, die offenbar es. sich zur Ehre anrechnet, keine Juden autzunehmen. Neben all diesen Erörterungen, die sich an die Referate anschlossen, kamen die die eigentliche Tagesordnung bildenden Fragen ein wenig zu kurz. Das war aber deshalb nicht von Nachteil, weil alles Prinzipielle, das hier noch hätte vorgebracht werden müssen, schon vorher besprochen war. Ganz geräuschlos vollzog sich die Aufnahme der Frankfurter Nassovia in den K. C., obwohl doch damit ein bedeutsamer Schritt in unserer Entwicklung getan wurde. Erfreulich ist es, daß auch endlich das Verhältnis der Karlsruher Badenia in einem alle befriedigenden Sinne geregelt wurde, indem sie als A/H. V. in den K. C. ausgenommen wurde. Wesentliche Erleichterungen für die Aufnahme, Aktivität und Inaktivierung für die im Heeresdienst oder im. Vaterländischen HWdkchfft - stehenden Mitglieder rvurden getroffen. DämttwuMs eipe.Frage erledigt, die die einzelnen Kotßorationen teilweise schön praktisch gelöst hatten, die aber, um jedwede Härte zu vermeiden, einer all» gemeingümgen Regelung bedurfte. Daß durch die durchaus berechtigten Erleichterungendie den Kriegsteilnehmern gewährt werden, die Ber^ bindungserzrehüng leidet, ist ein Mlchteik, der ohne weiteres unter den heutigen Verhältnissen mit in dm Kauf genommen werden muß. M wird her Zeit nach dem Kriege Vorbehalten bleiben, Maßnahmen zu treffen, die es diesen Verbandsbrüdern, ohne daß sie in chrem Studium behindert werden, ermöglicht, sich in unseren KreiS einzufügen. Im übrigen war man dn Ansicht, daß es heute nicht an der Zeit sei, Organisationsveränderungen vorzunehmen. Die Verfassung, die man dem Verbände 1V2 Jahr vor dem Kriege gegeben hat, hat sich, solange sie ungehemmt durchgeführt werden konnte, voll bewährt. Das Pflichtbewußtsein der einzelnen hat dann aber auch, als der Krieg das Fortarbeiten auf. dem vorgeschriebenen Wege erschwerte, den Verbünd zusammengehalten und ihn zu erfolgreicher Tätigkeit gesührt. Daher würde es nur ein Nachteil sein, wönn man schon wieder Neues schaffen wollte. Es ist nicht leicht gewesen, im Kriege einen K. C.-Tag zufammenzurufen. Die Zusammensetzung unseres Verbandes bedingt es, daß kaum einer von uns vom Kriegs- oder Hilfsdienst unberührt geblieben ist. Viele von denen, die früher an leitender Stelle standen, sind draußen-: es war nicht zu erwarten, daß ihnen eine Teilnahme an den Verhandlungen ermöglicht wurde. Aber die Fragen, die eine offene Aussprache erheischten, häuften sich schließlich derart, daß ungeachtet aller Schwierigkeiten die Einberufung des Berbandstages eine dringende Notwendigkeit wurde. Und. wir dürfen mit seinem Ergebnis zufrieden sein. Dank der vorzüglichen Leitung, dank dem ernsten Arbeitswillen aller Teilnehmer wurde eine Klärung all dessen, was besprochen werden mußte, erzielt. Der Verband weiß jetzt, welchen Sinnes seine Mitglieder sind. Er hat die Richtschnur für sein zukünftiges Handeln. Das werden auch die von uns, die nicht kommen konnten, dankbar anerkennen. Um so mehr werden sie es tun, weil wir von vorneherein es ablehnten, ohne ihre Mithilfe eine prinzipielle Frage anders als im Sinne unserer bewährten Tendenz zu lösen. Schließlich hat auch das persönliche Zasammensein den Zusammenhalt neu gestärkt. Innerlich und äußerlich gefestigt schreiten wir fort auf den uns vorgezeichneten Bahnett. Unsöre Gegnerin jedem Lager werden erkemren/ wie stark wir siüdi . Dt. Kürt AleMnber (Bavariae, RHeno-Sttefiae, Rasföviae>.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.