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KC-Blätter · 1918-05-01 · Heft 22 (Mai 1918) · p. Seite 1072

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Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 22 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 1072 (sequence 22)
Language
German
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1072 Dinge in der Außenwelt Rechnung tragen . kann. Wir bauen uns nicht auf eine Doktrin auf, die züsammenbttcht, wenn die Zeitereignisse ihre Voraussetzungen über den Haufen werfen. ..Da .. Ne sich in der Hauptsache mit durch den Krieg bedingten Aenderungen unserer inneren Organisation befaßten, allein keine befriedigende Ausfüllung diesüS ersten Kriegsverbandtages gegeben hätten, hatte sich der Geschäftsführende Ausschuß entschloffen, durch vier einleitende Referate sowohl ein Bild über die Gesamtlage unseres Verbandds nach innen und nach außen zu entwerfen wie! auch Gelegenheit zur Erörterung aller schwebenden Kragen zu bieten. Wer noch nicht im klaren war über die Menge der Arbeit, hie vom K. C. während des Krieges geleistet wuide,. der konnte sich darüber aus dem Geschäftsberichte des derzeittgen Vorsitzenden des Geschästsführenden Ausschusses, l)r. Mainzer, dem der Verband unendlichen Dank schuldet, überzeugen. Schon allein die Tatsache, daß, obwohl 80 Prozent unserer Verbandsbrüder im Felde stehen, der Zusammenhalt in keinem Augenblick gelockert ward, zeigt zur Genüge, wie gearbeitet worden ist. Unsere VerbanoszÄtuüg konnte dergestalt weiter ausgebaut werden, daß sie sogar von Außenstehenden wiederholt höchstes Lob geerntet hat. Selbst unsere Keilarbeit versagte nicht; der Verband ist in den Kriegsjahren stärkr gewachsen als in den Jahren zuvor. Die 1915 in Frankfurt a. M. zunächst als Staumttisch gegründete jetzige Verbindung Naffovia, deren geschmackvolle Farben zum erftenmale getzt im größeren K.C.erkreise getragen wurden, hat alsbald einen mächtigen Auffchwmw genommen. All diese Tatsachen, aus dem -Munde unseres Führers uns vorgetragen, belebten die Stimmung ungemein. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein Verband, der eine derartige KrHse in solcher Weise übersteht, an innerer Krim nichts zu wünschen übrig läßt und auch ruhigen Blickes allen Dingen, die da noch kommen, entgegenschauen darf. — Gelegenhett zur reichsten Aussprache boten die drei wetteren Referate, die sich mit der Entwicklung der Judenfrage, unserem Verhältnis zum Zionismus und unserer Stellung zu den übrigen studentischen Verbänden befaßten. Wir haben ja i bereits erwähnt, daß trotz mancherlei Umwälzung auf : jüdischem Gebiete unsere Tendenz als die genügende Grundlage auch unserB zukünftigen Kampfes angesehen wurde. Nichtsdestoweniger gehen wir aber nicht achtlos-au den neuen Dingen vorbei. Vertteftes jüdisches Wiffeu, ein vollständiges Eindringen in das Wesen deS Judentums, sowohl nach der historischen wie «ach der rein religiösen Seite hin, wurde als die Grundlage einer zweckentsprechenden K. C.-Erziehung angesehen. Nur dadurch werden unsere jungen Verbandsbrüder in die Lage versetzt, auch die gegensätzlichen Strömungen im Judentum richtig zu bewerten. Mit ein paar Worten kann man natürlich nicht Bewegungen, wie etwa den Zionismus, abtun. Man muß die gesamte jüdische Entwicklung, die den Zionismus geboren hat, verstehen, um Stellung zu ihm nehmen zu können. Aber ein Verstehen ist nicht ein Angleichen. Mit besonderem Interesse durfte man die Stellung des K. E.-Tages zu den in letzter Zeit wiederholt erörterten Verständigungsbestrebungen erwarten, zumal man wußte, daß nicht der K.C. es war, der die Schuld an der schroffen Spaltung innerhalb der jüdischen Studentenschaft trägt. Man wird sich auch erinnern, daß in der Kriegszeit hier und da in den K. C.-Blättern der Wunsch laut geworden ist, die jüdischen akademischen Verbände möchten gemeinschaftliche Fragen gemeinsam regeln. Aber was nützen alle diese Bestrebungen, wenn sie von der Gegenseite mit Hohn und Spott ausgenommen und als ein Zeichen der Schwäche aufgefaßt werden? Wir haben ja vor wenigen Monaten noch erlebt, in welcher Weise der großzügig angelegte Plan, eine Arbeitsgemeinschaft aller jüdischen Jugendorganisationen zu schaffen, zum Scheitern gebracht wurde. „Wir sind bereit, uns zu verständigen, aber Ihr müßt Euch auf den Grundlagen unserer Bewegung verständigen wollen," so sagen die Zionisten. Und wir haben auch aus einer Erörterung in einer der letzten Nummern unserer - Zeitschrift gesehen, wie das K. J. B. nach wie vor mit allen Mitteln den Kampf gegen uns zu führen gewillt ist. Wir hätten im Jntereffe des Ansehens des Judentums gern, selbstverständlich unter Wahrung der beiderseitigen grundsätzlichen Anschauungen, der Außenwelt das häßliche Schauspiel des Kampfes zwischen den jüdischen Smdentenverbänden erspart. Aber wenn hie Herren vom K. I. B. nicht wollen, wir haben sie wahrlich nicht nötig! Eine Verständigung: kann nicht gesucht weÄen, so lange nicht Äsizeichen für eine gründliche Wandlung auf der Gegenseite beobachtet werden. Um so mehr ist äußerste Vorsicht geboten, als im Anschluß an die kriegerischen Ereianiffein Palästina indernationalisttschen Bewegung der Mischen Jugend,demM^ J. V. wie dem Blau-Weiß-Bund,sichimmerrnehr eine radikale Gesinnung breit macht, die uns nicht nur unverständlich ist, sondern auch in Hr^ Konsequenzen als im höchsten Grade gefährlich erscheint. Daß wir dagegen mit Zionisten, die nicht, aus-Prinzip jede arbeiten können und wollen, aben wrr oft genug bewiesen und auch heute ausdrücklich erklärt.

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