KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 22 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 1062 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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mm . Ich war als Hilfsbeobachter für -en SturmeingestÄLt und um zwei Uhr morgens am 9. . 4. waren wir, zwei Offiziere, Vier Unteroffiziere und zehnMarm in Vorderster JnfanteriÄinie. Eine schöne Sternennacht, wohl mach ruhiger, aLS es gewöhnlich an diesem Frorttabschnitt ist. Da, eS ist 4.15. Wie ein Unwetter pfeift es um unshermn. Die Artillerievorbereitung beginnt. Während die aufgeworfenen Gräben dem Erdboden gleichgemacht werden, .wird das ganze Hintergelände planmäßig vergast. ' 4V, Sttmden Lauert das Trommelfeuer. Obgleich fich die Artillerie, wie gesagt, nicht einschietzen durste, lag die Feuerwalze sehr gutz ein Beweis, wie genau wir jetzt jedes einzelne Geschütz und seine besonderen „Mucken" kennen. Um 7 Uhr hatten wir durch eine Patrouille die Gewißheit, Idaß die ersten beiden Tommygräben leer, der drmte dagegen sehr stark besetzt sei. Hier wüteten nun unsere zwei Zentner-Minen, fürchterliche Dinger, IM wi hoch. 8.48 ging unsere Infanterie zum Sturm vor, drückte einen Keil: Vor und rollte dann nach rechts auf. ES war herrlich schön, Tommy so von einem Graben zum andern hopsen zu sehen, immer an der Feuerwalze und von unserem Maschmengewehrfeuer verfolgt. In jedem Graben versuchte er fich zu hatten. Es nützte ihm nichts, bald war er hinter der Höhe und unsere Beobachtungsaufgabe war erledigt. Unstre Protzen waren während des Trommelfeuers herangerommen, aber erst in den frühen Morgenstunden des lO.gings Wetter. Bis dahin hatte ich noch GelegeuhM, die Tätigkeit unserer Truppen direkt hinter der Front zu bewundern. Kaum war unsere Infanterie aus den Gräben heraus, da wurden diese schon von Pionieren gesprengt, Straßen wurden angelegt und schon raste die Artilleüe Lw Jnfirnterie nach. Unser Bormarsch führte uns durch das Trichtergelände, und der Tell zwischen dem deutschen und englischen Graben war am schwierigsten zu passieren, der Weg war grundlos. Aber schon arbeiteten Hunderte von Kräften, um den Weg fahrbar zu machen. Jeder Batterieführer, überhaupt jeder einzelne hatte nur ^ein Bestreben: vorwärts! und Offiziere wie Mann packten gleich kräftig zu, wenn es sich darum handelte, ein festfitzendeS Fahrzeug freizumachen. 16 Stunden brauchten wir zum Marsch durchs Trichtergelände. Am 11. früh gings weiter. Noch ein kurzer Marsch und es g^ht auf einer frischen Pontonbrücke über die Lys, bei Bac St. Maur. Westlich Sailly hatten wir unser erstes Gefecht und nun gings frisch weiter bis vor Bailleul. Als Sturmbatterie gingen wir dauernd mit der Infanterie vor. Es war herrlich, direkt bei der Infanterie abzuprotzen und dann auf Maschinengewährnester oder Infanterie schießen zu können, zumal es genug zu requirieren gab. Wir ließen uns Tommys Fleischvorräte gut schmecken, rauchten seine Zigaretten, überhaupt, er war so schnell zurückgegangen, daß wir alles überreichlich vorfanden. Es wird Abend, drum will ich schließen. Hoffen wir, daß unsere Offensive zum großen Friedensschluß fichrtz auf daß wir dereinst im K. C. er-Kreise über, all die Kriegsstunden plaudern können. Herzlichen Feldgruß Dein tr. Bbr. Walter Foerster (Thur.). D . . ., 20. 3. 1918. Sehr geehrter Atter Herr! Zwei K. C.er, die sich im Felde getroffen haben, senden bbr. Grüße. Karl Freibufch: _ Karl Rothschild. Flughafen, 18.4.1918. Werter Herr Doktor! Lieber Herr Kartellbruder! Im vorigen Jahre August schrieb ich Ihnen zum letzten Male. Mit vier Feindflügen schickte man mich damals aus dem Felde zur Heimat zurück, um ein neues R-Flugzeug zum Osten zu überführen. Die lange Zeit, die ich dann leider in der Heimat verbringen mußte, war so wenig - - interessant, daß ich es vorzog, mich über meine Tätigkeit als Flugzeugführer auszuschweigen. Ich müßte warten, bis dann endlich unser Luftriese vor ungefähr vier Wochen seine Luftreife nach dem Westen antreten durfte. So befinde ich mich jetzt wieder bei der alten Abteilung, die zum Westen übergefiedelt ist--für die ich im Osten nur kurze Zeit tätig war, und ich bin gern bereit. Ihnen etwas über unser Tun und Treiben als kämpfende Truppe zu erzählem Augenblicklich herrscht Fliegerwetter zum Unterschied von Flugwetter. Das heißt: Das Wetter ist derartig ungünstig, daß man nicht fliegt,, sondern dieNuhe genießt, wie sie dem Infanteristen vorn zu wünschen wäre. Das sagt aber nicht, daß wir ffie nötig haben. Im Gegenteil. — Denn das Wetter der letzten drei Wochen bot uns nicht die rechte Gelegenheit, uns wirksam an der Offensive zu beteiligen, bei der unsere landkämpsenden Truppen Unglaubliches leisteten! Und so sehr wir uns auch Flugwetter wünschten, bis zum . . . war es uns nicht vergönnt zu zeigen, daß auch wir vom dringendsten Wunsche beseelt waren, an den Großkampstaten der Offensive teilzunehmen. Endlich lachte am . . . nach langer trüber Zeit mal wieder die Sonne und vor jedem Befehl verbreitete sich schon ein geheimes Gerücht: Heute abend wird zum nächtlichen Feindflug gestartet. Endlich wurde uns um ... Uhr Alarmbereitschaft befohlen, Befehl zur Startbereitschaft folgte und Punkt . . .Uhr wurde gestartet. Ziel war eine der größten und militärisch bedeutsamsten Städte Nordfrankreichs, voraussichtliche Flügdäuer 6'/, Stunden Und Flugstrecke ca. 500 km. Der Anflug zur Front verlief glänzend bei untergehender Sonne. Die Berge des lieblichen Maastales strahlten im mattroten Lichte der Abenddämmerung, und die schmale Mondsichel wuchte eben' am Horizont auf, um bald wieder zu verschwinden, Bald war es stockdunkel, der Himmel mitSternen übersät und vorn Boden nur noch die Lichtzeichen zu erkennen, die z. T. für unsere Orientierung bedeutsam waren. Die Front war von weitem schon am Aufblitzen der feuernden Geschütze zu erkennen, allenthalben gingen Scheinwerfer auf Jagd aus, und mancher schaurig-schöne Brand tief unter uns weckte die Erinnerung an sagenumwobene Johannisfeuer. Da konzentrierten sich plötzlich fünf Scheinwerfer auf einen Punkt im Aether. Wahrscheinlich erkämpften sich Kameraden den Anflug zu ihrem-Bombenziel Um dieser Gefahrzone zu entgehen, steuerten wir vorübergehend nördlichen Kurs. Der Fallschirmgurt wurde enger 'geschnallt, die Front wurde überflogen, und dann gings nach Frankreich rein mit den» einzigen Gedanken, das Ziel bald zu erreichen und es mit Erfolg zu verlaßen. — Zahlreiche Scheinwerfer und Flaks liebkosten uns. Aber die von Mut und Siegeshoffnung beseelte Besatzung, aufgemuntert und begeistert durch die treffliche Laune ihres Kommandanten, dachte nur an Sieg.— Nach drei Swnden Flug tauchte die Küste vor uns auf. Wir steuern südlichen Kurs und unser Ziel schimmert matt im abgeblendeten Lichte vor uns. — Jetzt sind wir unsere Bomben los, und wir haben das beledigende Gefühl, daß die da unten ihre Tracht weg haben. Als Führer habe ich selbst nicht die Gelegenheit, mir die Wirkung unserer Bombenlast anzusehen. Ich höre nur ein dumpfes, das Motoren- und