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KC-Blätter · 1918-05-01 · Heft 22 (Mai 1918) · p. Seite 1060

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 22 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 1060 (sequence 10)
Language
German
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1060 als die im gelobten Lande: so wenig die 15 unierten Kirchen-er Griechen, Armenier, Syrier, Maroniten, Chaldäer und wie sie sonst noch heißen mögen, fich vertragen, sondern sich vielmehr an höchsten Festtagen Verprügeln, so wenig brachten es die Juden zu einer Eircheit. Dies zu glmrben grenzt an Wahnsinn und mit dieser Utopie spielen die Juden in Rußlmw, während die mit ihnen sympathiesterenden Deutschen es ihnen glauben. So wie ich denken viele, die hier im Lande geboren sind. An die Ehrwürdigen Gestalten der Bibel aber reicht dieses traurige Epigonentum hier nicht heran. Sichern selbst war zu der Zeit, als Jacob für seine Söhne dort Aecker erwarb, von den Hevitern bewohnt. Er selber ging nach Hebron und ich werde seinen Spuren folgen, wenn ich erst jemand finde, der mich hier vertritt. Die Engländer sind ja bereits wieder hinausgeworfen worden dort. Als nun Kanaan erobert war, fiedelte sich in Sichem der Stamm Ephrajim an; zur Richterzeit residierte hier der König und Brudermörder Abimelech) Rehabeam hielt hier seine Volks. Versammlung ab, bei der sich die nördlichen und südlichen Stämme trennten) ob Abiam und Josaphat dort waren, weiß ich nicht, es ist aber wohl anzunehmen. Omri, einer der ersten Könige Israels, war zuerst in Sichem, gründete aber später Schomrom, das später Saumriä und heute Sebastije heißt. Bon meinem Zelt aus brauche ich nur über die Talmulde hinauf und hinab auf einen mit Olivenbäumen bewachsenen Häng, um den Herodes eine 1700 m lange Säulenreihe gebaut hat, von denen jetzt noch ca. 80 auf freiem Felde stehen, die leider sämtlich ihrer Kapitele beraubt sind. Noch schmerzlicher ist, daß dem riesenhaften, aus wunderbar weißem Marmor gehauenen Torso, der so realistisch ausgearbeitet ist, -aß ihn ein moderner Bildhauer geschaffen haben könnte, der Kopf und die Arme fehlen) er liegt wie ein Leichnam auf dem Boden der noch,gut erhaltenen Reste der ehemaligen römischen Citadelle. Ganz wundervoll ist der Tempel, den Herodes Augustus geweiht hat. Hier stehen 15 mächtige Granitsäulen und ein vollkommen erhaltenes Rondell, sogar der Mosaikboden ist noch gut erhalten. Im Dorfe selbst ist die aus einer großen byzantinischen Kirche umgebaute Moschee, wo das Grab Johannes de» Täufers, daß ich unter Kellerstufen sah, ist. Im Gange steht noch ein Götzenbild des Baal, das einen Stierkopf darstellt, vollkommen erhalten. Ich mache ahnungslos die Tür nebenan auf und finde zu meinem Erstaunen hier eine arabische Schule. Der Lehrer ist auch zugleich der Priester — oie Juden in Aleppo nannten die niederen Rabbiner chacham — er begrüßt mich mit tausend Formeln, holt die arabische Geographiekarte Herunter und läßt sich von mir die Fronten erklären, die. ich nach Paris und Petersburg zu etwas abrunde. Als er mit feinem Rütle aus Papyrus, das mich in frohe Kindertage zurückversetzte, auf England zeigt, spuckt er wütend darauf und hofft auf Beifall meinerseits. Ich. aber bleibe gleichgültig, um chm zu zeigen, daß ich seiner Freundschaft für Deutschland nicht ohne weiteres glaube, denn diese falschen Hunde schwören auf den, der chnen die meisten Goldpfunde gibt, und England gibt immer noch. Die kleinen schwarzen Buben aber freuten sich an der Unterbrechung, vor sich hatten sie kleine Blechtafeln, auf die sie mit Tinte schrieben und an den vier Schiefertafeln standen Koransprüche) — ich hätte angesichts des blauen Himmels geschrieben: . . ... daS Wetter ist schön, Herr Lehrer wir wollen spazieren gehn! Sur u«s«r« Zrldpost-Vriesmappe. SS. . . ., 10. 4. 9118. Sehr geehrter Herr Dr.l Bon einem östlichen K. C.-Abend beste Grüße Ihr Bar lBad.-Darlsr.). Herzlichen Gruß Dr. Sternberg. Herzlichen Gruß Dein Walter Friedemaun.. * Wir sitzen bei bayrischem Bier und bayrischen Maßkrügen und trinken em spezielles Wohl des K. C. K . . .,19. 4. 1918. Hoch zu verehrender Herr Kartellbruder! Habe heute Ihre Auskunft vom 12. 4. mit der Berichtigung vom 14.4. erhalten und bitte Sie, hierfür meinen ergebensten Dank entgegenzünehmen. Mit Kbr. Dr. Bernhard werde ich mich noch morgen in Verbindung setzen, bedaure nur, daß mir das nicht schon früher möglich war. Bor einigen Tagen wurde ich zum Führer einer neugebildeten Kraftwagenkolonne ernannt. MeineTätigkeit ist insofern für die allgemeine Kriegslage nicht ganz unwichtig, als ich auf der kleinafiatischen Seite den gesamten Umschlagverkehr vom Schiff zur Bahn zu erledigen habe. Mit kbdrl. Grüßen Ihr sehr ergebener ___ Dr. Beer (Sie.) C . . ., 12. 4. 1918. Verehrter Herr Kbr.! Die in der Türkei versammelten K. C.er haben sich heute zu einem zünftigen Ausfluge in die herrliche Umgegend Cospolis zusammengefunden und gemeinsam die Bosporusbefestigungen des Mittelalters und die süßen Waffer von Asien in Augenschein genommen. Das Häuflein hofft bald zu wachsen, denn tres non duo sunt collegium Mit kbdrl. Gruß Dr. Georg Beer (Lic.) Lieber Kartellbruder! Sie find ein Prachtmensch, postwendend schicken Sie mir die hiesigen K. C.er her. Sollten nicht noch einige K.C.er in der Türkei vegetieren? Ich empfehle mich als K. C.-Präside Cospolis. Zwar ist es kein reines Vergnügen hier zu hausen, doch der Bien muß. Jedenfalls nimmt man hier eine Menge Erfahrung mit ins Vaterland. Biele herzliche Grütze Ihr ergebener Siegfried Bernhard. Z . . ., 10. 4. 1918. Lieber A. H. Mainzer! Entschuldige bitte, daß ich Dir erst heute im Anschluß an unsere telefonische Unterhaltung schreibe und Dir für Deine Bemühung danke. Ich war bisher nicht in der Lage, ausführliche Briefe zu schreiben, da ich unter einer tiefen Gemütsdepresfion litt. Es geht mir jetzt, Gott sei Dank, bedeutend beffer. Die Fahrt hierher war eine Tortur und der Aufenthalt hier in dem öden Lager tat auch nicht gerade angenehm. Wir haben zu der Fahrt von Cöln hierher zwei volle Tage gebraucht. Wie ich verwundet wurde, kann ich Dir nicht genau sagen. Wir bekamen sehr schweres Feuer auf die Straße, die wir auf dem Wege zur Batterie passieren mutzten. Ich versuchte im Galopp mit meinem Wagen durchzukommen. Da wurde ich wahrscheinlich durch ein Sprengstück am Helm getroffen und aus dem Sattel geschleudert, die mir im Galopp folgenden Wagen haben mich dann in der dunklen Nacht überfahren. Daß ich noch am Leben und verhältnismäßig gut davongekommen bin, verdanke ich meinem soliden Stahlhelm und noch solideren Knochenbau. Gebrochen ist mir nur das Schlüsselbein, daS Schulterblatt ist gesplittert,, der linke Arm ausgerenkt. Außerdem stavke Quetschungen an allen möglichen Körpertellen, von denen besonders die in der Achselhöhle sehr schmerzhaft find. Leider

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