KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 22 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 1058 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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. Denen, die ihn kannten, beheutyt. sein Ao>d ein herber Verlust. Wenn am Ende des ÄriegD die jetzt an alle Fronten Versprengten sich wieder .zusammenstnden und als Ueberlebende der vielen Opfer gedenken, die der Krieg direkt und indirekt vom K. T. gefordert hat, dann wird auch das Bild jenes großen,, schlanken, blonden und helläugigen Eugen Alsberg auftauchen und über die Erinnerung an jene göttüche StudentMeij, deren Zwanglosigkeit er in vollen Zügen genoß, und deren er sich namentlich in Gesellschatt Gleichgesinnter erfreuen konnte/ wie ein Kind in der Elementarsten Gewalt reinsten Empfindens, wird sich ein Schleier ziehen von Mitleid und Trauer. vr. Sewald Jaffe (Licariae). Mpostbrief vom Jordan. (Schluß.) Ein wundervoller. Donnenuntergang, wie man ihn nur in der Wüste erlebt/ lockte mich aus meinem Zelt heraus auf das steinerne Meer der Wüste, die rings von hohen Bergen umschlossen ist, deren Kuppen die Trümmer uralter Bibelstädte tragen, die von einem Kranz jahrtausendalter, knorriger, steinharter Olivenbäume umgeben sind und die alle einen herrlichen Ausblick auf das mittelländische Meer gewähren, wo man, wenn man sehr viel Glück hat, auch einmal ein Schiff sehen kann, das den andern gehört. Die Ruinen dieser Städte sind heute die Grundmauern der Lehmhäuser der Fellachen und Araber, die man jetzt auch an Stratzenbauten sieht. Junge, halbverhüllte Weiber mit blautätowierten Gesichtern, besonders am Kinn und an der Stirn, mit kleinen Silberplatten an der Nasenmuschel, mit Pumphosen in allen Farben, unter denen das schmutzige Graue vorwiegt, schleppen Steine her. bei. Die allen Karawanenstratzen, die sich an die Berge hinschlängeln, durchziehen holztragende Kamele, deren Last hier mit Gold buchstäblich ausgewogen wird, 'indem das Holz tatsächlich gewogen wird, das meistens aus Olivenwurzeln besteht, woraus auch die Jerusalemer Schnitzereien gefertigt werden. Alle diese Bilder wirken bei Sonnenuntergang als seine Silhouetten wtd sie zu schauen und in ihrer seltsamen Schönheit zu erfassen, ist in dieser sonst einförmigen Umgebung und außerordentlich geringen geistigen Anregung fast ein Bedürfnis, wenn man einer seelischen Herabstünmung Vorbeugen will, zumal auch das Esten gar keine Abwechselung bietet, da es in der Hauptsache auS Kaffee, Brot, Reissuppe und Orangen besteht, letztere kosten 20 Pfg. das Stück, was in Friedenszeiten dem Metallwert von 3 Pfg. entspricht. — Heute vormittag bin ich mit einem unserer fliegenden Arabergäule, wie man sie sonst nur auf Rennen sieht, und die ein Leutnant von uns in den Fellachendörfern und jüdischen Kolonien für 30 und mehr Goldpfund eingekaust hat, nach Nablus, dem allen Sichem geritten, durch altbiblisches Land. Nach einem küHen Besuch beim Generalarzt, der mich von Muslemjie her wieder ernannte, habe ich mir die hochinteressante Stadt angesehen, die heute nur noch 27 «00 Einwohner zähll, von denen matt aber Nichts sieht als die schwarzen Krausköpfe der Araberbubm», der schmutzigen Beduinenweiber, die Orangen und Feigen und Backwerk anbieten und die ganze Stabt mit Geschrei erfüllen und in den arabischen Kaffeehäusern, die in der engen, schmutzigen und lärmerfüllten Basärstraße stehen, und die aus nichts anderem be. stehen.als aus einem hohen, leeren Steingewölbemit ein paar Hocken,, schmauchen die reichen Handelsleute an ihrer Wästerpfeife (ste> nennenes selber^trinkeii— ischlemek) vom-Morgen ibis in die Nachtwährend: die BÄuinen in ihrem.Reffijie und Agall (Kopfbedeckung) ihren-Ref j», noch elenderen Buden halten,. Das.ist der Orient, an bestenSchmuh und'Buntheit,, andestön seltsame Schönheit und grausiges Elend) ändeffen Lärm und Geschäftigkeit und Faulheit zugleich keine-Vorstellung heranreicht. Die Häuser der Stadt sind, soweit, sie den Reichen gehören oder öffentliche Gebäude .sind,fsavDaft hoch, sodaß sie den Mann, der aus der Wüste kommt, mit Schauer' und Begeisterung erfüllen. In ihrem Aufbau, den schwindelnd hohen Steintreppen, liegt eine echt orientMsche Vergeudung des Steines, und dieJnnenausstattung protzt, mit einem Reichtum von Marmorvlatten in Flur und Küche, in der sich meist auch der Lokus befindet, der lediglich aus einem Loch und'einem Aushau ' besteht, in den - die Füße hineinpüffen, und Persertepvichen, hie mich oft mit Neid, erfüllten/ Die Stadt selbst liegt Mr .hübsch zwischen hoben. Bergen, die auch ihre eigene Geschichte haben so wie der Garizin, der als Kröne die Trümmer einer alten Festung trägt, die Kaiser Justtnian erbaut hat. An seinem westlichen Abhang,/gegen Schömran zu, ist ein- Felsvorsprungwo der Sohn des Richters Gideon, Jotham, den Leuten aus Sichem die Fabel von den Bäumen, die einen König wählen wollten, e^ählte und die sich auf Abimelech, seinen Bruder bezog. Ueber eine Mulde hin. weg gelangt man auf den Berg Ebäl, der-ebenso wie der Garizim überwuchert ist von Kakteen, die, weil an terrassenförmigen Abhängen gewachsen, wie Rebberge aussehen. Die Gemüsegärten vor' der Stadt sind noch voll von grünen Bohnen, Radis und langen roten Rettichen und Melonen, während die Orangenbäume noch voller grüner und grüngelber Früchte hängen, deren Erntezeit schon vor etlichen Wochen begonnen hat und bis in den Februar hineinreicht. ES mutet seltsam an, wenn man sieht, wie einer die letzten Feigen herabschüttett rmd schlägtgerade als ob es Rüste wären — die Jeigenoäume find hier ausnahmsweise hoch. Esrogs, die hier roh gegessen und eingemacht werden, sind dreimal so groß, als die, die zu uns kommen. Die Olivenernte ist schon vorbei, aber man sieht doch ab und zu arme Leute unter einem Baum sicheln. ES sind kleine, eichelgroße Früchte, die einen große» Steinkern und nur wenig Fleisch haben. Die Eingeborenen effen sie auch roh, ob sie nun grün, gelb oder gar schwarz sind, während sie mir einen zu öligen Geschmack haben. Olivenöl kann man überall reichlich bekommen — schade, daß man es nicht schicken kann; — der Liter kostet etwa 6 Piaster Hartgeld — 6 Mk., was in Wirklichkeit nur einem Metallwert von 1L0 Mk. entspricht. Nun will ich Euch das Jntereffanteste an Sichem zeigen, die Synagoge der Samaritaner, jener israelitischen Sekte, die sich tatsächlich bis auf den heutigen Tag erhalten hat und auf eine Geschichte von bald 3000 Jahre zurückolicken kann. Als die Juden aus dem babylonischen Exil nach Samarien kamen, fänden sie dort das aus affyrischen Kolonisten und ansässigen Juden entstandene Mischvolk der Samaritanervor, die zwar an Gott glaubten, aber dochallerlei heidnischen Dingen nachgingenzu diesen traten sie bald in einen starken Gegensatz, da sie starr an ihrem Judentum festhielten. Sie lehnten jede Gemeinschaft mit ihnen ab und lehnte auch ihre Hilfedem Tempel wieder aüfzubauen, ab, worauf sich die Samaritaner einen eigenen Tempel auf dem Berge Garizim bauten, den. Johann Hyrkanös auf immer zeiflörte. Nun hausen die letzten des Stammes m 'einem alten Haus, -durch das man erst nach Ueberwindung kleiner, - schmutziger Gätzchen und gewölbartiger Du^chggpste gesangj. Mein Führer