KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 22 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 1057 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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sündheit dienlichen Grenzen zu kosten, hat 'er diese Fürsorge auch bei derWahl seines Stüdienortes nicht außer acht-gelaffen. Nicht die Großstadt mit ihrer sür ihn ungesundes Atmosphäre und dem Uebersiuß aller sonstigen Schädlichkeiten sür die Jünger des »carpe cliem" zog ihn än- Speier entschloß sich in seiner nüchternen Besonnenheit für Freiburg, das ihn dann auch von allen Universitäten am längsten fesselte. Hier suchte upd fand er reichliche Gelegenheit, sich in der herrlichen Natur immer und immer wieder nach getaner Arbeit zu erholen. Kein Wunderdaß er als eifriger Spaziergänger ein guter Kenner der Gegend war. Damals, erlaubte sein Befinden noch größere Exkursionen. Später — in den Zeiten seiner St. Blasien-Sanatoriumsausenthalts — ist er häufig das Ziel manches Bundesbruders gewesen, dem er dann den Besuch reichlich lohnte, indem er ihm durch seine große Gastfreundschaft und sachgemäße Führung durch die dortigen Schönheiten des Schwarzwaldes den Aufenthalt zu einem unvergeßlichen gestaltete. Die große Liebe aber, mit der er dem K. C - Gedanken nachging, ließ ihn nicht Unterschied machen zwischen Neuling und Alten, guten Bekannten und Freunden. Und Speier besaß deren innerhalb des Verbandes wegen seines lauteren, edlen Charakters und seiner tiefen Herzensgute recht viele. Treue Kameradschaft und persönliche Anhänglichkeit waren ihm eigen und diese brachte er auch unserer gemeinsamen Sache entgegen. So wie es für ihn eine Selbstverständlichkeit war als selbstbewußter, guter Jude den Antisemitismus zu bekämpfen, so war eS für ihn — trotz seines leidenden Zustandes — ebenso selbstverständlich, diesen Kampf mit allen Mitteln durchzufechten. Und Speier— äußerlich kräftig und gut gewachsen — hat sich in keiner Phase seiner Krankheit davon entfernt, ein würdiges, brauchbares Mitglied des K. C. zu sein. Abgesehen von den Leistungen während seiner Aktivität hat. Speier auch später noch als Inaktiver undc Alter Herr stets mit Rat und Tat die Ghibellinia unterstützt.: Nie ist ihm aktives Vorgehen schwer gefallenhart war ihm nur, wenn wieder mal eine Attacke der Verschlimmerung semer Krankheit ihn zwang, untätig zu sein. Und hierbei traf ihn am schwerstendaß er zu Kriegsbegtnn nicht auch wie die meisten von uns in Feldgrau hinausdurfte. Diese Bitternis hat ihn die ganze Dauer des WeltenbraNdes über erfüllt. Oft genug hat^er es tief beklagtdaß das^Vaterland auf seine Dienste verzichten, mußte und daß er nicht "auch durch Taten vor den Feinden dem törichten Vorurteil von der Feigheit der Juden entgegentreten konnte. Aber trotzdem war er mit jeder Faser seines Herzens dabei und eS ist bei feinem großen Jnterefie im höchsten Grade bedauerlich, daß er das Ende dieses Ringens nicht mehr erleben durste. Immerhin hat auch Speier in den vier KriegSjahren zu kämpfen und zu leiden gehabt und vielleicht mehr noch als viele andere in vorderster Linke unter den Unbillen des Krieges gelitten. „Wenn etwas ist gewaltiger als das Schicksal, so ist's der Mut, der's unerschütterlich trägt." Speier hat diesen Mut uns zur Genüge bewiesen. Er verdient darum wie alle übrigen einen Ehrenplatz in der Reihe derer, die uns im Kriege entrissen würden. Wir wollen ihn ihm gern und willig einräumen, unseres steten, treuen Gedenkens darf er versichert sein. vr. L. Neugarten, z. Zt. im Felde. Lugen Klsberg. Ein Nachruf meinem toten Leibburschen. Eugen Alsberg wurde in aller Stille an einem häßlichen Apriltag in Frankfurt a. M. begraben. Wiederum hat der K. C. einen überzeugten und treuen Anhänger seiner Ideen und Verfechter seiner Ziele verloren. DaS fordert von uns ein ehrendes Gedenken und einen stillen Dank für feine Mitarbeit. Seine Zugehörigkeit zu uns war uns um so wertvoller, als er nicht zu denen gehörte, die wohlbegründete, festgewurzelte Ideen wie eine Tradition übernahmen und sich ihnen ohne Prüfung und eigenes Urteil einfügten und von ihnen tragen ließener suchte überall feine eigenen Wege und kannte als Wegweiser nur den eigenen Willen und die eigene Ueberzeugung. Er warJndividualmensch, Herrenmensch. Auch draußen im Leben war ers. Seine besondere Begabung für Mathematik führte ihn den Jngenieurberuf zu, den er nach bestandenem Abiturientenexamen und Ableistung eines praktischen Jahres ergriff. Nach bestandenem Diplom-Jngenieur-Examen ging er zur A. E. G. Aber noch ehe er das beabsichtigte Doktorexamen beendigt, trieben ihn feine Neigungen zur Malkunst. Ob er wirklich Maler geworden ist, weiß niemand, gezeigt hat er nichts. Mir selbst hat er zu meiner Hochzeit — wie ich ihm in meinem Dankbrief scherzhaft schrieb, „in zarter Rücksichtnahme" ein Bild von fremder Hand geschenkt. Und doch glaube ich, daß er auch als Waler Tüchtiges leisten konnte, weil Wissen, Können und der Wille zur Kunst bei ihm beisammen waren.. Aber wahrscheinlich suchte er auch hier wieder seine eigenen Wege. Während er sie suchte, fand er den Tod.