KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 22 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 1056 (sequence 6)
- Language
- German
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1056 In der Halle des Krematoriums hielt Richard Ullman die Gedächtnisrede, worin er ein lieoevoll gezeichnetes Bild des toten Freundes entrollte, der, 1888 geboren, sich nach dem Besuch der Schule dem Studium der Jurisprudenz widmete und dann bei Ausbruch des Krieges dem Rufe des Vaterlandes Folge leistete. Mit feinem Regiment machte er die Feldzüge in Polen, Serbien und schließlich auch die Kämpfe an der Westfront mit, bei denen er, nachdem er schon im vorigen Jcchre verwundet worden war, nunmehr durch einen Granattreffer den Heldentod fand. Wie im bürgerlichen Leben, so ließ er sich auch bei der Ausübung feines mUUärischen Berufes von einem ausgeprägtem Es wurden sodann noch Kränze niedergeleat von Assessor Dr. Richheimer für die Verbindung Licaria- München, von Leutnant vr. Lepman für den Altherrenverband dieser Verbindung, von Recktsanwalt vr. Adler für den Stuttgarter Kartellverband, von Major Frhr. von Wächter namens der Inspektor» der Feldartillerie in Ludwigsburg und von Staatsanwalt Hauptmann Dr. Schmückte namens der Regimentskameraden..Mit den drei Ehrensalven und Trauermusik fand die Bestattungsfeier ihren Abschluß. Paul Spei«. Wenn etwas ist gewalt'ger als das Schicksal, so ist's der Mut, der'S unerschütterlich trägt! Weil ein jeder in dieser an Opfer überreichen Kriegszeit auf plötzliche Todesnachrichten mehr als in normalen, friedlichen Tagen gefaßt sein mutz, hat die Tragik, die stets in allen augenblicklichen Schicksalsschlägen liegt, an Wirksamkeit erhebliche Einbuße erlitten. Dennoch sst keiner imstande — trotz Abgestumpftheit und Gewöhnung — ohne ein Gefühl tiefster Trauer und größten Schmerzes das Sterben hinzunehmen, das während des gewaltigsten, fast die ganze Welt erschütternden Dramas die Menschheit ergriffen hat. Und weil in ihm von der Allgemeinheit jeder einzelne eine nicht zu unterschätzende Rolle bereitwilligst übernahm, ist der Verlust jedes brauchbaren Menschen in Front und Heimat beinah gleich betrübend, sowohl was seinen Wert für die Gegenwart als auch für die Zukunft anbelangt. Es sind denn auch unsere Empfindungen nur wenig verschieden, sei es, daß wir einen unserer waaeren, kraftstrotzenden, blühenden Feldgrauen zu betrauern haben oder datz daheim in der Blüte seiner Jahre uns einer entrissen wirdder ebenfalls zu großen Hoffnungen berechtigte. Der Tod aller greift uns an; er ist nur um so schmerzlicher, wenn einer der Unserigen dahingegangen ist, der unS und unserer Sache Freund und Gönner war. Und zu den vielen, derer aus jenem Grünhe schon an dieser Stelle gedacht wurde, gehöre auch unser allverehrter Speier. Am 5. Februar 1918 ist er in einem Sanatorium Schlesiens, in dem er seit längerer Zeit Heilung suchte, zwar nicht unerwartet, jedoch überraschend schnell einem Blutsturz erlegen. Damit hat ein Leidenszustand sein Ende erreichtder den Träger schon seit Jahren quältet Und obgleich in dieser langen Zeit schachmatt für- Leben, hat Speier während der ganzen aussichtslosen Partie einen wahren Heroismus.an den Tag gelegt. Kein Mensch konnte ahnen, datz der lebenslustige und stets vergnügte Bundesbruder schon daS Zeichen deS Todein sich trugals er noch Student war. Und doch gehen bereits die ersten Anfänge seines unheilbaren. Leidens zurück in die Muluszeit, als Speier mit 17*/, Jahren das Gymnasium seiner Vaterstadt verließ,^ um in Freiburg seine juristischen Studien zu beginnen. Zwar hatman von vornherein mit allem Mitteln versucht, jener heimtückischen, verzehrenden Krankheit Herr zu werden, aber, selbst Schwarzwald, Schweiz, TaunüS und Riefengebtrge vermochten letzten Endes mur einen Aufschub deS jetzigen Ausgangs zu bewirken. Immerhin hat der Kampf 8 volle Jahre gedauert und wenn in ihm — wie zu ewarten jkmd — auch schließlich Speier unterlegen ist, so mutz doch jeder, der Zeuge dieses Ringens war, eingestehen, daß er ihn in wahrhaft ritterlicher Weise durchgeführt hat. Mutig und selbstlos hat er stets den Dingen der Zukunft iuS Auge geschaut. Manche Beschränkung, die er sich auferlegen mußte und die einen guten Teil her goldenen akademischen Freiheit für ihn illusorisch machte, trug er ohne Murren. Willig befolgte er stets die ärztlichen Vorschriften, die ihn oft für. viele, viele Monate zu Anstaltsaufenthqlt nötigten. Speier hat das alles von vornherein mit männlichem Gleichmut wie etwas Selbstverständliches ertragen. Nie hat er auch nur mit einem Wort sich , über fein Schicksal beklagt.; Er war stets; heiter und zufrieden und trug sein Los in vorbildlicher Weise. In nichts hat er sich durch fein Leiden beirren lassen. Trotz der Schwere der Krankheit, die von Semester, zu Semester sich verschlimmerte, hat er regstes. Interesse seinem Studium entgegengebracht und vorschriftsmäßig nach) Beendigung: seines 6. Semesters , ein gutes Reserendare^amen bestanden. Begabung für sein Fach, schnelles Auffassungsvermögen, Allgemeinbildung und Gewissenhaftigkeit haben, ihm das ermögliche Als ein/Gebot der Stunde mag es angesehen-werden, wenn Speier auch der Medizin.seine.rege Aufmerksamkeit schenkte und sich hierin Kenntnisse erwarb, - die manch. anderem in gleicher Lage wenig förderlich gewesen. mären. Speier/ dagegen nutzte dieses Wissen-um sich, dankcklaxer, überzeugter .Selbstempfindung, i mit fester Entschlossenheit .eine nutzbringende Lebensführung anzueignen., Mäßig im Genuß, stets bedacht, die Freuden des Lebens nur. in den.) feiner/ Ge-