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KC-Blätter · 1918-05-01 · Heft 22 (Mai 1918) · p. Seite 1055

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Journal
KC-Blätter
Volume
1918
Issue
Heft 22 (Mai 1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 1055 (sequence 5)
Language
German
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1055 württembergifchen Heere- 14 iui bayerischen, sind während deS 5megeS zu Offizieren des Beurlaubtenstandes befördert worden, 8 K. C.ergehörtenbei Kriegsausbruch als Offiziere des Beurlaubtenstandes dem bayerischen Heere an. $n diese Beförderungen sind' nicht. eingerechnet diejenigen zu SanitätS- und Veterinär-Offizieren, über die später berichtet werden soll.' Karl Elsas. (Licariae, Rhenosilestae. Gestorben am 30. März 1918.) . Ein Verlust, der schwerer trifft als tausend andere! Der feinste und vornehmste Mensch, den ich je kennen lernte, mir der liebste Freund, ist gefallen. Er war mir von Anfang an mehr a!S nur mein Bundesbruder und mein Leibsuchs. — Ein Stück adeliges Menschentum ging durch deinen Tod, deinen Heldentod, verloren, mein lieber Freund Karl Elsas. — Im Sommersemester 1907 war's wohl, wo ich Karl' Elsas „keilte". Der hochgewachsene, schlanke Mensch mit der biegsamen Gestalt, dem feinen Gesicht und den dunkelleuchtenden Augen fiel sofort aust — Ich weiß noch, wie ich ihn zum ersten Mal auf seiner Buhe besuchte: zwei Dinge sind mir noch heute gegenwärtig: er, der Jurist, hatte seine Geige- und? eine griechische Bibebzum Studium mitgebracht. Welcher Student denkt sonst im ersten Semester daran? Es war dann ein wahrhafter Gewinn für die Licaria, daß Elsas in die Verbindung eintrat. Wie er uns damals sofort erschien: ein grundehrlicher, überzeugungsfester, kluger und treuer Mann, so ist er geblieben und hat er sich bewährt. — Kein Wunder, daß er bald Chargierter wurde und später auch bei der Rheno-Silefia eine Charge bekleidete. Er-gehörte zu den ganz seltenen Menschen/ die unwandelbar Treue halten,' wer ihn Freund nennen durfte, wird ihn nie vergessen. — Von inniger Liebe war er zu Eltern und Brüdern erfüllt, von denen er mir oft erzählt hat. — Philosophische Fragen bewegten ihn tief. Er war-ein ausgezeichneter Jurist: die erste rechtswiffenfchastliche Prüfung hat er als einer der Besten bestandenseine Doktorschrift ist eine liebevoll-sachliche, gründliche Gelehrtenarbeit. — Und er war das Vorbild eines deutschen Juden: von Gemüt die tiefe, treue, nachdenklich grüblerische Schwabenart und von Geblüt tief in den jüdischen Dingen verwurzelt. — Wo es sich um Fragen deutscher. Vaterlandsliebe und jüdischer Selbstbehauptung handelte, hat er stolz und mutig seinen Mann gestanden. — Nun hat er die Treue mit dem Tod besiegelt. — ' Er wurde im Kriege zum Offizier befördertsein damaliger.Hauptmann, der ihn zur Beförderung vörschlug, war Alldeutscher und Judenfeind": das adelige Menschentum unseres Elsas, muß den Hauptmann überzeugt haben, daß kein Würdigerer die deutschen Offiziersachselstücke tragen könne. — Kleine judenfeindliche Ungezogenheiten, die ihm gelegentlich einmal im Offizierskasino begegneten und die ihn seelisch verletzten, hat er würdig und mannhaft zurückgewiesen. — Er hat mir über diese Dinge, die uns Juden nahegehen, mehrfach ausführlich geschrieben. Dann kam er von seiner Kolonne zur Batterie. — Er war froh und stolz, endlichMitwirken zu können. — Bon seinem Beobachtungsstand an der Dser schrieb er mir tief befriedigt und sehr begeistert. — In späteren Kämpfen wurde er verwundet und erhielt dafür, „als Pflaster auf seine Verwundung", wie er schrieb, den Badischen Friedrichsorden; aus dem Offizierserholungsheim Wildbad erhielt ich feinen letzten Brief. — Ich wollte bald darauf antwortennun muß ich dir meine Antwort ins Grab senden, mein lieber, treuer Freund. Ich denke an unsere Studententage in Münchenich denke an eine gemeinsame Wanderung von Wildungen nach Schloß Waldeckich denke an wunderschöne Tage, die wir im Vorgebirge der Alpen, in Wildhaus bei St. Gallen, verlebten- und ich denke an den Sommer 1913, wo du mich in den Alpen, in Ammerwald besuchtest. — Als wir damals Abschied nehmen wollten, begleitete ich dich noch ein Stück Wegesdann drücktest du plötzlich meine Hand und sagtest: „Sei mir nicht böse, mir wird es schwer, lang Abschied zu nehmen." Und dann gingst du schnell davon. — Seitdem haben wir uns nicht mehr gesehen, — Nun ist auch dein letzter Abschied geworden, wie er deinem Wesen entsprach: fur^ und mannhaft. Aus dem Schlachtfeld starbst du für Deutschlands Größe und für des jüdischen Namens Ehre, Bewußt und stolz hast du das Opfer gebracht. — In Trauer und Wehmut rufe ich dir für viele, die dich geliebt haben, nach: Ruhe in Frieden, mein lieber, lieber Freund! vr. L. Oppenheim lLieariae), Lt. d. Res. im Felde. Ueber die Bestattung unseres enschlafenen Kbr. berichtet der.„Schwäbische Merkur vom 16. Mai 1918 wie folgt: Mit militärischen Ehren und unter Anteilnahme werter Kreise wurde Sonntag nachmittag aus dem Prqgfriedhofe der Justizreferendar. vr. Karl Elf as, der als Leutnant der Reserve in einem Art.-Regt. in den jüngsten Kämpfen an der Westfront gefallen ist, bestattet. Nach einer von Bezirksrabbiner vr. Stößel in 8er Kapelle des israelitischen Friedhofs gehaltenen Trauerandacht bewegte -sich der Leichenzug unter Borantritt der Garnisonsmusik des Jnf.-Regt. Np. 125 und einer Abteilung ' des Cannstatter Feldart,-Regts. zum Krematoriurn. ' *

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